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Göttingen Lesezeichen in der Zelle steuert Krebs
Campus Göttingen Lesezeichen in der Zelle steuert Krebs
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13:43 10.08.2012
Immun-Fluoreszenzfärbung: Fett-Tropfen (rot) sind charakteristisch für Fettzellen, die aus den Stammzellen entstanden sind. Noch undifferenzierte Zellen kennzeichnet grüne Fluoreszenz. Quelle: Karpiuk
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Göttingen

Auch Veränderungen an DNA-gebundenen Eiweißmolekülen entscheiden darüber, ob Krebs entsteht. Diese Veränderungen dienen als „Lesezeichen“ in der Zelle. Sie legen fest, welche DNA-Abschnitte abgelesen werden, um die Bestandteile einer Zelle zusammenzubauen.

Verbesserung der Therapie

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Die neuen Erkenntnisse könnten dabei helfen, die Therapie von Krebs und Osteoporose langfristig zu verbessern. Stammzellen sind besondere Zellen im Körper, die sich zu verschiedenen Geweben entwickeln können. In welche Art von Gewebe sich die Zelle umwandelt, wird zum einen durch die Gene gesteuert und zum anderen durch bestimmte Eiweiße. Schon frühere Studien der Arbeitsgruppe zeigten, dass ein bestimmtes genetisches Lesezeichen, eine chemische Veränderung des Proteins Histon 2B, bei fortschreitender Krebserkrankung in den Tumorzellen entfernt wird.

Wie ein Lesezeichen

Jetzt fanden die Forscher um Prof. Steven A. Johnsen der UMG-Abteilung Molekulare Onkologie heraus, dass dieselbe Veränderung eine Rolle in der Weiterentwicklung von Stammzellen spielt. Wie ein Lesezeichen führt es dazu, dass sich eine zunächst „unbeschriebene“ Zelle, eine Stammzelle, zu einer Knochen- oder Fettzelle entwickelt. Das bedeutet: Die gleichen Veränderungen am Chromatin, die aus Stammzellen differenzierte Zellen entstehen lassen, werden während der Entstehung bösartiger Tumoren verhindert. Die Tumorzellen nehmen die Eigenschaften einer Stammzelle an und werden dadurch bösartig. Das Lesezeichen erscheint während der Entwicklung von Stammzellen, geht aber in Tumorzellen wieder verloren. Diese Vorgänge, über die in der Fachzeitschrfit „Molecular Cell“ berichtet wurde, sind wesentlich für Erkrankungen wie Krebs oder Osteoporose.

Internationales Team

Johnsen, Leiter der Studie, hat im Göttinger Zentrum für Molekulare Biowissenschaften (GZMB) ein internationales Team zusammengestellt, um die Zusammenhänge der Zelldiffenzierung zu erforschen. An der Studie beteiligt waren Forscher der Universitätsmedizin Göttingen, der Göttinger Max-Planck-Institute und der süddänischen Universität in Odense. „Dieser Erfolg zeigt, wie die Göttinger Instrumente zur Forschungsförderung positiv zusammenwirken“, erklärt der  Direktor der UMG-Abteilung Molekulare Onkologie, Prof. Matthias Dobbelstein.

„Diese einzigartige chemische Veränderung von Histon 2B könnte eine allgemeine Eigenschaft differenzierter Zellen sein“, sagt Krebsforscher Johnsen. „Tumorzellen müssen offenbar diese Lesezeichen erst loswerden, um wirklich gefährlich zu werden. In Göttingen haben wir die Basis für unsere künftige Forschung geschaf-fen“, betont Johnsen. Der ist inzwischen am Institut für Tumorbiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf tätig und will die Ergebnisse  in einer Zusammenarbeit von Hamburg und Göttingen vertiefen.

jes/eb

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