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Göttingen Roman über blutigen Taiping-Aufstand in China
Campus Göttingen Roman über blutigen Taiping-Aufstand in China
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18:15 22.10.2018
Lesung von Stephan Thome über seinen neuen Roman „Gott der Barbaren“. Quelle: Swen Pförtner
Göttingen

20 Millionen, vielleicht sogar 30 Millionen Menschen fanden während der religiös-politischen Erhebung gegen die Mandschu-Dynastie den Tod, berichtete Thome im Gespräch mit Professor Daniel Göske im Haus des Geistes der Göttinger Akademie. Der Anführer, ein gescheiterter, konfuzianischer Gelehrter, habe nach einer zum dritten Mal verpatzten Prüfung einen gesundheitlichen Zusammenbruch erlitten. In Fiebervisionen habe er sich als jüngeren Bruder von Jesus Christus erlebt. Gottvater habe ihn aufgefordert, das Land mit dem Schwert von den Dämonen zu reinigen.

Protestantische Missionare

Die Bewegung sei ein Versuch der Chinesen, sich einen Reim auf das Christentum und den „Gott der Barbaren“, so der Buchtitel, zu machen, erklärte Thome. Protestantische Missionare hätten die fremde Religion damals in China verbreitet.

Einer der Hauptpersonen des Romans, der für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde, ist ein solcher Missionar. Er findet nur bei einer diskriminierten ethnischen Minderheit, den Hakka, Gehör. „Diesem Volk gehörten die wichtigsten Führer des Taiping-Aufstands an“, sagte der Sinologe. Die Übertragung biblischer Begriffe ins Chinesische habe zu zahllosen Missverständnissen geführt. So sei das Wort Jerusalem lautmalerisch mit chinesischen Schriftzeichen wiedergegeben worden, die, wörtlich übersetzt, „Auf dem Weg Jesu verbreitet sich die Kälte“ bedeuteten.

„Anfangs wollte niemand etwas von den Visionen des gescheiterten Gelehrten, Hong Xiuquan, hören“, berichtete Thome seinem Publikum. Das habe sich geändert, als der Religionsstifter die zu vertreibenden „Dämonen“ mit den ungeliebten Mandschu gleichgesetzt habe. Die Mandschu seien ein Volk aus dem Norden. Die Chinesische Mauer sei einst gebaut worden, um es fernzuhalten. Die Mandschu hätten China trotzdem im 17. Jahrhundert erobert.

Bauernaufstand gegen die Mandschu-Dynastie

„Die religiöse Bewegung entwickelte sich zu einem großen Bauernaufstand gegen die Mandschu-Dynastie“, führte der Sinologe aus. Die Aufständischen hätten Nanking zu ihrer Hauptstadt gemacht. Der Anführer habe sich dort in einen Palast zurückgezogen. Umgeben von Dutzenden von Konkubinen habe er sich in das Studium der Bibel vertieft und zunehmend den Kontakt zur Wirklichkeit verloren.

„Der Kaiserhof beauftragte einen konfuzianischen Gelehrten mit der Niederschlagung des Aufstands“, sagte Thome. Der General wider Willen habe eine schlagkräftige Armee aufgebaut, die mit erbarmungsloser Härte vorgegangen sei. Der militärische Erfolg des Gelehrten habe wiederum am Kaiserhof Misstrauen erregt. Dort sei der General, ein Chinese, kein Mandschu, am Ende mehr gefürchtet worden als die Aufständischen.

Opium-Kriege

„Zeitgleich versuchten die Briten dem Kaiserhof in zwei Kriegen einen Handelsvertrag aufzuzwingen, der ihnen den Zugang zum chinesischen Markt öffnen sollte“, führte der Sinologe aus. Sie hätten den chinesischen Tee, der sich im Vereinigten Königreich wachsender Beliebtheit erfreut habe, nicht mehr mit Silber, sondern mit Opium aus ihrer Kolonie Indien bezahlen wollen. Das Rauschgift sei allerdings in China verboten gewesen.

Ein schottischer Spitzendiplomat zählt zu Hauptpersonen des facettenreichen Romans. Er wird aus den Chinesen nicht schlau. Während britische Soldaten mit modernen Armstrong-Kanonen Blutbäder anrichten, erhält er freundliche, hinhaltende Briefe des Kaiserhofes.

Mehr zum Literaturherbst in Göttingen lesen Sie unter gturl.de/literaturherbst2018.

Von Michael Caspar

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