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Göttingen Luft- und Raumfahrtpsychologie: Versuch mit Testpassagieren
Campus Göttingen Luft- und Raumfahrtpsychologie: Versuch mit Testpassagieren
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17:02 17.06.2013
Blaues Licht im DLR-Versuchsflugzeug: Die Versuchspersonen lassen das Licht auf sich wirken, die „Thermo-Dummies“ im Vordergrund simulieren die natürliche Wärmeabgabe des Menschen.
Blaues Licht im DLR-Versuchsflugzeug: Die Versuchspersonen lassen das Licht auf sich wirken, die „Thermo-Dummies“ im Vordergrund simulieren die natürliche Wärmeabgabe des Menschen. Quelle: pid
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Göttingen

Die Maschine – eine Dornier 728 – ist ein Testflugzeug, das das Deutsche Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen vor einigen Jahren aus der Konkursmasse des Herstellers erworben hat. Die „Passagiere“ sind Probanden, die an einer Versuchsreihe der DLR-Abteilung für Luft- und Raumfahrtpsychologie teilnehmen. Die Forscher wollen herausfinden, wie sich durch gezielten Einsatz von farbigem Licht das Wohlbefinden der Fluggäste verbessern lässt.

Subjektives Komfortempfinden im Flugzeug

„Wir untersuchen das subjektive Komfortempfinden im Flugzeug“, erläutert die Projektleiterin Dr. Claudia Marggraf-Micheel. „Wir gehen davon aus, dass die Farbe des Lichts auf das Temperaturempfinden der Fluggäste Einfluss nimmt. Blaues Licht lässt die Umgebung kühler erscheinen, gelbes Licht wärmer.“ Gleichzeitig lässt sich dieser psychologische Effekt auch zur Verbesserung der Energiebilanz nutzen: Ist beispielsweise die Luft, die aus den Turbinen in die Kabine geführt wird, zu heiß, setzt man blaues Licht ein. Dadurch sinkt die gefühlte Temperatur in der Kabine, so dass man weniger Energie aufwenden muss, um die Luft abzukühlen.

Vorversuche im Lichtlabor

Mehrere Vorversuche in einem Lichtlabor haben diese Hypothese bereits bestätigt. Bei den Tests in Göttingen geht es nun darum, noch genauere Erkenntnisse über die Wirkung einzelner Farbnuancen zu gewinnen. Das Versuchsflugzeug bietet die Möglichkeit, unter realitätsnahen Bedingungen die Wirkung von Farben auf das Kabinenklima zu untersuchen.

Während der mehrstündigen Versuchsreihe tauchen LED-Leuchten die Kabine abwechselnd jeweils rund zehn Minuten lang in unterschiedliche Lichtfarben. Nach jedem Lichtszenario beantworten die Probanden einen umfangreichen Fragenkatalog: Ist das Licht dunkel oder hell? Wirkt es kalt oder warm? Empfinde ich die Raumtemperatur als kalt oder heiß? Empfinde ich das Licht als angenehm, unangenehm oder neutral? Fühle ich mich wohl? Bin ich schläfrig oder wach? Habe ich körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Ermüdung oder Übelkeit? Kann ich mich gut konzentrieren?

Antworten in den Handhelds

Die Probanden tippen ihre Antworten in kleine tragbare Computer, so genannte Handhelds. Während der gesamten Versuchsreihe regulieren Ingenieure des DLR-Standorts Göttingen die Klimatisierung der Maschine und ermitteln mit neuesten Strömungsmesstechniken die objektiven Klimabedingungen. Damit die „Testpassagiere“ den Versuchsablauf gut durchhalten, bekommen sie zwischendrin Getränke und Süßigkeiten gereicht. Sogar für Unterhaltung ist an Bord gesorgt, das DLR-Team präsentiert einen spannenden Film über eine Weltraummission.

„Der Film war echt cool“, meint hinterher die Abiturientin Alina Nolte, die sich über eine Vermittlungsagentur als Testperson beworben hatte. Knut Hasse ist eigens aus Northeim angereist, um an dem Test teilzunehmen. „Das war sehr interessant“, meint er. „Es war deutlich zu merken, wie sich die unterschiedlichen Farben auf die Stimmung auswirken.“ Auch die Studentin Adena Schnuch hat diese Erfahrung gemacht: „Bei Rotlicht fühlte ich mich müde, bei Grünlicht war ich total wach.“

Die Grundthese ist richtig

Dass die Forscher mit ihrer Grundthese wohl richtig liegen, bestätigt die Abiturientin Johanna Vellmer: „Die blau-weißen Farben wirkten kalt.“ Die DLR-Wissenschaftler wollen jetzt die Tests detailliert auswerten und voraussichtlich im Herbst den Abschlussbericht ihres fünfjährigen Forschungsprojekts vorlegen.

Von Heidi Niemann