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Göttingen Wissenschaftler verabschieden Göttinger Nobelpreisträger Manfred Eigen
Campus Göttingen Wissenschaftler verabschieden Göttinger Nobelpreisträger Manfred Eigen
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13:49 24.02.2019
Peter Schuster von der Universität Wien erinnert an seinen Freund, den Göttinger Nobelpreisträger Manfred Eigen. Quelle: Heller
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Göttingen

Abschied von einem großen Wissenschaftler: Zu Ehren des Anfang Februar gestorbenen Göttinger Nobelpreisträgers Manfred Eigen haben sich am Sonnabend etwa 250 Weggefährten, Freunde, Familie und Wissenschaftler zu einem Symposium „in memoriam Manfred Eigen” getroffen.

Manfred Eigen (1927-2019) im Jahr 2001 Quelle: baumann

Gemeinsam erinnerten sich die Spitzenforscher an einen „wahrhaft großen Wissenschaftler“ so der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Martin Stratmann. Nachdem Prof. Dirk Görlich, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie (MPI) in Göttingen, die Gäste im Manfred-Eigen-Saal seines Instituts begrüßt hatte, würdigte Stratmann, das Lebenswerk des Göttinger Institutgründers Eigen. Von dessen „Stringenz und Klarheit der Analyse“ sei er von Anfang an tief beeindruckt gewesen, erinnerte er sich. Eigen sei seiner Zeit immer weit voraus gewesen, das zeige sich nicht zuletzt auch in der Gründung seines Instituts. „Eigens Optimismus und seine natürliche Autorität“ hatten zu diesem Institut geführt - aus dem nach ihm drei weitere Nobelpreisträger hervorgingen.

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Drei Nobelpreistäger des Institutes folgten

Einer von ihnen – der Göttinger Wissenschaftler Prof. Erwin Neher, würdigte Eigen ebenfalls als Wissenschaftler, der „ein großes Erbe hinterlassen hat“. Neher und Bert Sakmann erhielten 1991 den Nobelpreis für ihre Entwicklung einer Methode zum Nachweis von Ionenkanälen in Zellmembranen. Es sei kein Zufall, so Neher, „dass drei Wissenschaftler des Instituts Eigen auf dem Weg nach Stockholm folgten“.

Dass Manfred Eigen nicht nur als Wissenschaftler von Weltrang, sondern auch als ganz besonderer Mensch unvergesslich bleiben wird, hob auch der ehemaligen Leiter des MPI für biophysikalische Chemie, Prof. Herbert Jäckle hervor. Als Eigen ihm als jungen Wissenschaftler das „Du“ angeboten habe, sei das für ihn einem „Ritterschlag“ gleich gekommen. Sichtlich bewegt bedauerte Jäckle, Eigen vor seinem Tod nicht noch gesagt zu haben, welch großen Respekt er in der Welt genieße. „Vielleicht hätte ich es doch nicht – bei einem Glas Barolo – gesagt, er hätte es sicher skeptisch hinterfragt“, so Jäckle. „Menschlich, nahbar und visionär“, nannte Jäckle den großen Göttinger. Er sei ebenso ein „erstklassiger und genialer Gelehrter“ wie auch von „makelloser Radikalität und tiefer Menschlichkeit“ geprägt gewesen. Jäckle: „Wir sind mit seinem Tod ärmer geworden, er wird uns fehlen.“

„Fantastische“ Zusammenarbeit Mit Eigen

Von Berg- und Skitouren mit seinem Freund und Kollegen erzählte Prof. Peter Schuster von der Universität Wien. Erinnerungen daran, als er nach Göttingen kam und den Nobelpreisträger in einem kleinen Büro an der Bunsenstraße aufsuchte, an Mittwochs-Teestunden und dreiwöchige Workshops auf Schloss Elmau teilte er mit den Gästen. „Was Manfred hasste, war, wenn jemand auf seinen Vortrag schlecht vorbereitet war“, sagte der Wiener. Schuster und Eigen lösten Berge von Gleichungen - mithilfe von Lochkarten und 60er-Jahre EDV. „Die Zusammenarbeit war fantastisch“, so der Forscher. Aus der Zusammenarbeit erwuchs eine tiefe Freundschaft. Eigens Andenken werde man für immer bewahren. Schuster: „Es war wunderbar, ihn zum Freund zu haben.“

Manfred Eigen – Nobelpreisträger

Manfred Eigen, Chemie-Nobelpreisträger und Begründer des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen, ist am 6. Februar im Alter von 91 Jahren verstorben. Er war, so die Max-Planck-Gesellschaft, „ein visionärer Denker und genialer Forscher, der das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie sowie Wissenschaftler auf der ganzen Welt maßgeblich geprägt hat. „Mit den von Eigen entwickelten Relaxationsmethoden war es erstmals möglich, Reaktionsgeschwindigkeiten im Mikro- und sogar Nanosekunden-Bereich zu messen. Darüber hinaus führten seine Theorien über die Selbstorganisation komplexer Moleküle und seine Entwicklung von Evolutionsmaschinen in den 1980er Jahren zu einem neuen Forschungszweig – der evolutiven Biotechnologie.

Die musikalische Umrahmung des Symposiums gestaltet das Hyperion Trio mit Stücken von Wolfgang Amadeus Mozart, Johannes Brahms und Franz Schubert.

Von Britta Bielefeld