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Göttingen Martin Roth über Konzepte von Wissensvermittlung
Campus Göttingen Martin Roth über Konzepte von Wissensvermittlung
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18:21 28.05.2013
Aufpoliertes Wissen im Victoria-and-Albert-Museum: Ausgestellte Exponate sollten Forschung und ästhetischen Schauwert verbinden, meint Direktor Martin Roth.
Aufpoliertes Wissen im Victoria-and-Albert-Museum: Ausgestellte Exponate sollten Forschung und ästhetischen Schauwert verbinden, meint Direktor Martin Roth. Quelle: EF
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Göttingen

Für Prof. Martin Roth, Direktor des Victoria-and-Albert-Museums in London, sind Museen trotz der steigenden Digitalisierung von Wissen nach wie vor unverzichtbare Schaltstellen zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit.

In seinem Vortrag „Braucht die Wissenschaft ein Museum?“ in der Reihe des Lichtenberg-Kollegs „Wissen: Schaffen – Erforschen – Vermitteln“ sprach Roth über sein Konzept von gelungener Museumsarbeit.

Dabei  dachte er auch über Möglichkeiten einer konzeptionellen Überdachung der Göttinger Universitätssammlungen im geplanten Haus des Wissens nach.

Seine Erfahrungen in London hätten vor allem gezeigt, dass die gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen Sammlung, Restaurierung und Kuratorik für das Gelingen der musealen Aufgaben unerlässlich sei. Gleichzeitig müsse ein Museum auch in die aktuelle Forschung eingebunden sein.

Göttingens starker Bezug zur Aufklärung

Dies und der Anspruch, dass Sammlungen jedweder Art interdisziplinär verknüpft und zugänglich sein müssen, könne ausschließlich in Kooperation mit Universitäten und Forschungsinstituten gelingen.

Diese Verknüpfung ist im Fall der Sammlungen der Georgia Augusta natürlich bereits angelegt. Darüber hinaus müsse aber über eine klare Profilbildung nachgedacht werden, meint Roth. So seien Sammlungen von Münzen oder Gipsabdrücken keine Publikumsmagneten.

Ein Weg der konzeptionellen Verbindung der höchst unterschiedlichen Sammlungen sei Göttingens starker Bezug zur Aufklärung. Die Cook-Forster-Sammlung des Instituts für Ethnologie liefere hierfür zahlreiche Möglichkeiten. Roth lobte, dass „Göttingen jeden Tag etwas zu bieten hat, was Forschungsergebnisse angeht“.

„Sie müssen jeden überzeugen"

Für eine erfolgreiche Vermittlung dieses Wissens gelte es nun, „Vergangenheit und Zukunft zu verknüpfen“ und „Wissen so zu vermitteln, dass es zugänglich ist“. Nur dann könnten Museen und Sammlungen mehr gesellschaftliche Akzeptanz – auch für schwierigere Themen – schaffen. Die Visualisierung von Forschung und Lehre werde somit möglich.

In der anschließenden Diskussion äußerte sich Roth auch zur Bedeutung und zu den Auswirkungen von Eintrittsgeldern. Der Einlass in seine Wirkungsstätte ist kostenlos, einzig für Sonderausstellungen muss separat bezahlt werden. Dies sei natürlich nur durch eine staatliche Förderung und Fundraising möglich.

Doch gepaart mit einem funktionierenden Konzept, könne der unerlässliche „Forumscharakter“ eingelöst und existierende Hemmschwellen könnten abgebaut werden. Roth stellte damit klar, dass wissenschaftlicher Nutzen und öffentliche Attraktivität immer Hand in Hand gehen sollten: „Sie müssen jeden überzeugen, vom Taxifahrer bis zum Nobelpreisträger.“

Von Jonas Rohde

Der nächste Vortrag der öffentlichen Reihe in der Historischen Sternwarte, Geismar Landstraße 11, beginnt am Dienstag, 4. Juni, um 18 Uhr.

Fritz Backhaus vom Jüdischen Museum in Frankfurt am Main spricht dann über das Thema: „Kultur und Lebensgeschichte ausstellen. Geschichte und Perspektiven des Jüdischen Museums Frankfurt“.