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Göttingen Medizin: Bessere Lernbedingungen durchgesetzt
Campus Göttingen Medizin: Bessere Lernbedingungen durchgesetzt
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19:09 13.08.2009
Üben am Phantomarm: Daniel Behme (links) und Christopher Spering in dem von ihnen initiierten Trainingszentrum für Medizinstudenten.
Üben am Phantomarm: Daniel Behme (links) und Christopher Spering in dem von ihnen initiierten Trainingszentrum für Medizinstudenten. Quelle: Rink
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Medizinstudenten müssen vor allem eines: Lernen, lernen, lernen. Zwei Göttinger Medizinstudenten haben es dabei allerdings nicht bewenden lassen. Jahrelang waren sie neben ihrem arbeitsintensiven Studium in zahlreichen universitären Gremien tätig und haben sich dort für bessere Lernbedingungen eingesetzt – mit bemerkenswertem Erfolg: So hat die Göttinger Universitätsmedizin auf ihre Initiative hin das deutschlandweit größte Trainingszentrum für Medizinstudenten eingerichtet.

Die 2,7 Millionen Euro teure Einrichtung, die im Herbst eingeweiht wird, wurde allein aus Studienbeiträgen finanziert. Jetzt werden die beiden Nachwuchsmediziner für ihr außergewöhnliches Engagement belohnt: Daniel Behme und Christopher Spering erhalten als „hervorragende Studierende“ den Wissenschaftspreis 2009 des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums.

Die beiden Preisträger werden selbst nicht mehr von dem Trainingszentrum profitieren, da sie gerade ihr klinisches Studium abgeschlossen haben und nun das praktische Jahr absolvieren. Der 27-jährige Behme wird an Kliniken in Bremerhaven und London arbeiten, Spering (26) an Krankenhäusern in Südafrika, New York, Tel Aviv und Zürich.

Vier Jahre lang waren die beiden neben dem Studium in der Fachschaft Humanmedizin aktiv und haben in zahlreichen Gremien und Ausschüssen mitgearbeitet, unter anderem im Fakultätsrat, in der Studienkommission und in Berufungskommissionen. Die stundenlangen Sitzungen kosteten nicht nur viel Zeit, sondern auch Nerven.

Nach Ansicht der Nachwuchsmediziner hat sich dieses Engagement aber gelohnt: „Nur wenn man kontinuierlich mitarbeitet, wird man als Studentenvertreter auch ernst genommen und kann etwas bewegen.“ Insgesamt werten sie die Entscheidungsstrukturen der Göttinger Universitätsmedizin positiv: „Man kann sich hier als Studentenvertreter sehr gut einbringen.“

Alle „Skills-Labs“ besichtigt

Als leitende Fachschaftsvertreter setzten sich Behme und Spering für die Interessen der insgesamt rund 3800 Medizinstudenten in Göttingen ein. Im Vordergrund standen vor allem die inhaltliche Ausgestaltung des Medizinstudiums und die Verbesserung der Studienbedingungen.

„Früher war das Medizinstudium viel zu theoretisch“, meint Spering. Dies hat sich inzwischen stark geändert. So wurde inzwischen ein Qualitätsmanagement für die Lehre aufgebaut, an dem Behme maßgeblich beteiligt war. Außerdem ist nun in einem Lernzielkatalog festgelegt, welches Wissen und welche praktischen Fertigkeiten sich die angehenden Mediziner bis zum Abschluss des Studiums angeeignet haben müssen.

Auch andere Projekte gehen auf die Initiative der beiden Studentenvertreter zurück: So werden inzwischen Preise für besondere Leistungen in der Lehre verliehen, und für die Studenten wurde eine ausleihbare Lehrbuchsammlung in der Bereichsbibliothek Medizin aufgebaut. Wichtig war ihnen auch, dass die im Jahr 2006 eingeführten Studiengebühren der Lehre und damit den Studenten zugute kommen.

Um die Ausbildung praxisnäher zu gestalten, entwickelte Spering das inhaltliche und bauliche Konzept für das „Studentische Trainingszentrum Ärztlicher Praxis und Simulation“ (STÄPS). Zuvor besuchte er alle bereits bestehenden medizinischen „Skills Labs“ in Europa. „Wir haben jetzt hier in Göttingen das innovativste Trainingszentrum“, meint Spering.

Auf einer Fläche von rund 1600 Quadratmetern sind Seminar- und Kleingruppenräume sowie spezielle Trainings- und Simulationsräume entstanden. Alle Räume sind in ihrer Ausstattung auf einzelne Fachgebiete spezialisiert.

Kanülen in Phantomarmen

So können die Studenten beispielsweise an einem derzeit noch weltweit einmaligen Röntgensimulator üben, außerdem den Umgang mit Ultraschallgeräten erlernen, Venenverweilkanülen in Phantomarme legen, Arzt-Patienten-Interaktion und Gesprächsführung lernen oder die jeweiligen Stadien eines Mammakarzinoms ertasten. Allein die Simulationsgeräte haben 500 000 Euro gekostet – eine Investition, von der die Studenten nachhaltig profitieren werden.

Bleibt noch nachzutragen, dass Spering mit der „Camerata Medica“ das erste Orchester in der Geschichte der Göttinger Universitätsmedizin gegründet hat, beide Preisträger außerdem den Medi-Fußball-Cup ins Leben gerufen haben – und nicht zuletzt neben dem Studium auch noch ihre Promotion absolvieren.

Von Heidi Niemann