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Göttingen Milleniumsziele gelten als unerreichbar
Campus Göttingen Milleniumsziele gelten als unerreichbar
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18:10 23.07.2009
Malaria-Medizin aus Frankreich: Hilfslieferung für Niger.
Malaria-Medizin aus Frankreich: Hilfslieferung für Niger. Quelle: afp
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Die Referenten waren sich einig, die Millenniumsentwicklungsziele, die 189 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN) im Jahr 2000 unterschrieben haben, können höchstwahrscheinlich nicht erreicht werden. Die acht Ziele, die sich die Staaten bis zum Jahr 2015 gesetzt haben, lauten: die Halbierung extremer Armut; eine Grundschulausbildung für alle Kinder; die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter; die Verringerung der Kindersterblichkeit; die Verbesserung der Gesundheit von Müttern; die Bekämpfung von HIV/Aids und Malaria; ökologische Nachhaltigkeit und der Aufbau einer globalen Entwicklungspartnerschaft.

Die gegenwärtige Wirtschaftskrise erschwere das Erreichen der Ziele zusätzlich, erklärte Universitätspräsident Prof. Kurt von Figura, der die von Studienzentrale und Team Foyer International organisierte Veranstaltung in der Aula der Universität eröffnete. Prof. Ulrich Hüttemann, Mitbegründer der „Hilfe für die Kinder von Tschernobyl“, moderierte die Diskussion und warf die Frage auf, ob die Spenden an den richtigen Stellen ankommen.

Der Regierungsbeauftragte für humanitäre Hilfe und Menschenrechtspolitik, Günter Nooke, erklärte, nach dem jetzigen Stand werde man die Millenniumsziele nicht erreichen. Zukünftig müsse die Entwicklungszusammenarbeit stärker mit der Schaffung rechtsstaatlicher Strukturen verbunden werden. Dafür seien universale Menschenrechte bedeutend.

Ausgewählte Partner fördern

An diesen Punkt knüpfte Sieglinde Gauer Lietz, Expertin bei Transparency International, an. Die Bekämpfung der Korruption sei notwendig für eine erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit. Lietz schlug vor, anstatt der Halbierung der extremen Armut, eine Halbierung der Diktaturen weltweit anzustreben, um die Ursachen zu bekämpfen.

Auch Prof. Uwe Groß, Direktor für medizinische Mikrobiologie der Universitätsmedizin Göttingen, erklärte, von den Zielen seien die Länder „Meilen entfernt“. Er kritisierte die Umsetzung der Entwicklungshilfe. Statt einer breiten Streuung der Mittel sollten ausgewählte Partner gefördert werden und die Gelder direkt an die Projekte gehen, nicht an die oftmals korrupten Regierungen.

Die Formulierung der Ziele berücksichtige nicht die Ausgangssituationen und benachteilige dadurch viele afrikanische Länder, bemerkte Dr. Carola Grün, Juniorprofessorin für Entwicklungsökonomie an der Universität Göttingen. So seien die geringen Fortschritte bei der Senkung der Kindersterblichkeit in den Staaten südlich der Sahara auch auf die niedrige Wirtschaftskraft zurückzuführen.

In der anschließenden Diskussion ging es auch um die Möglichkeit, die finanzielle Entwicklungshilfe abzuschaffen. Ein junger Mann aus Togo erzählte, er habe im Fernsehen verfolgt, wie die togolesische Regierung mit der Opposition darüber diskutierte. Die Regierung – in deren Hände das Geld fließt – wolle die Gelder, die Opposition nicht. Aber nicht nur die Machthaber der Entwicklungsländer haben ein Interesse an der Fortzahlung, wie Gauer Lietz feststellte. Auch wirtschaftliche und moralische Eigeninteressen der Geberländer spielen dabei eine Rolle.

Von Noreen Hirschfeld

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