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Göttingen Warum die Kita am Nordcampus „besonders wertvolle pädagogische Arbeit“ leistet
Campus Göttingen Warum die Kita am Nordcampus „besonders wertvolle pädagogische Arbeit“ leistet
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08:36 31.08.2019
Urkundenübergabe im Garten der Kita am Nordcampus: Jörg Magull, Laura Spiggelkötter, Heike Lorey-Vaupel und Minister Grant Hendrik Tonne (v.l.) Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Für „besonders wertvolle pädagogische Arbeit“ hat das Land Niedersachsen die Kita am Nordcampus als sogenannte „Konsultationskita“ ausgezeichnet. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) übergab die Ernennungsurkunde während einer Feierstunde im Garten der Kindertagesstätte.

Seit 2004 fördert das Land Konsultationskitas. Dabei handelt es sich um ausgewählte Kindertagesstätten, die den Bildungsauftrag für Kindertageseinrichtungen entsprechend des niedersächsischen Orientierungsplans für Bildung und Erziehung in besonderer Weise umsetzen.

Zum Kreis dieser Konsultationskitas gehört nun also auch die Kita am Nordcampus, die sich seit 2016 für diese Auszeichnung qualifiziert hat. Die Initiative ging damals von Heike Lorey-Vaupel aus, der Abteilungsleiterin für die Kindertagesstätten beim Studentenwerk Göttingen, in dessen Trägerschaft sich die Kita befindet.

Besondere Willkommens-Atmosphäre

Die Kita am Nordcampus gibt es seit 2010. „Es war schnell klar, dass sie bilingual werden sollte“, erinnerte Lorey-Vaupel in einer Ansprache. Nicht etwa, weil das damals „chic“ war oder Eliten ansprechen sollte. „Das Konzept der Bilingualität schafft einfach eine besondere Willkommens-Atmosphäre“, erklärte die Abteilungsleiterin. Zwischen 14 und 20 verschiedene Nationen seien hier vertreten; derzeit würden 55 Kinder in drei Gruppen betreut.

„Die besondere Kompetenz der Kita am Nordcampus ist die Bilingualität in den Sprachen Englisch und Deutsch, welche hier nach dem Immersionsprinzip vermittelt wird. In jeder der drei Gruppen spricht eine Erzieherin den gesamten Tag Englisch mit den Kindern, Eltern und anderen Pädagogen“, erläuterte Laura Spiggelkötter, Leiterin der Kita am Nordcampus.

Es werde nach dem Prinzip „one person – one language“ gearbeitet. Die Kinder erlernen die zweite Sprache dadurch ähnlich wie die Muttersprache. „Dies verwirrt die Kinder nicht, weil die Sprache an eine Person gebunden ist“, so Spiggelkötter weiter. Die anderen Pädagogen der Gruppe sprechen Deutsch.

Für den Spracherwerb der zweiten Sprache sei es übrigens nicht entscheidend, ob die erste Sprache schon „perfekt sitzt“. Auch die Eltern müssen die zweite Sprache demnach nicht beherrschen. „Der Erwerb geschieht situativ und ganz natürlich im Alltag – durch Musik, Spiele und Fingerspiele“, berichtete Spiggelkötter. Die Auszeichnung sei „ein großes Lob und eine große Wertschätzung für uns und unsere Arbeit“.

Motor für andere Betreuungseinrichtungen

Auch Tonne griff zum Mikrofon: „Konsultationskita wird man nicht so nebenbei“, sagte der Minister. Vielmehr habe man einen langen Weg hinter sich, wenn man diese Auszeichnung verliehen bekommt. „Das hat hier mit einfacher Betreuung nichts mehr zu tun – hier wird wirklich ein hochwertiger Bildungsauftrag umgesetzt“, lobte Tonne die Einrichtung und ihre Mitarbeiterinnen.

Als Konsultationskita könne die Kita am Nordcampus nun auch „Motor für andere Betreuungseinrichtungen“ sein, denen sie beispielsweise Fortbildungen zum Thema Bilingualität und Sprache anbieten kann. Zielgruppen dieser Angebote sind beispielsweise pädagogische Fachkräfte aus anderen Kitas, Pädagogik-Fachschulklassen, Lehrkräfte aus Grundschulen oder Akteure aus der Politik.

Jörg Magull (l.) und Minister Grant Hendrik Tonne Quelle: Peter Heller

Tonne zeigte sich begeistert von der Konsequenz, mit der das bilinguale Konzept in der Kita am Nordcampus umgesetzt wird: „Ich wurde vorhin auf Englisch begrüßt, und selbst bei Telefonaten wird das hier strikt durchgehalten“, stellte der Minister fest. Die Kinder würden die zusätzliche Sprache dadurch einfach „mit aufnehmen“ und „in die Sprache eintauchen“. Dazu kämen die positiven Aspekte der kulturellen Vielfalt. Diese unterstrich auch Prof. Jörg Magull, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Studentenwerks Göttingen: „Wir haben in unseren sechs Kitas 273 Plätze. Insgesamt sind dort 35 Nationen vertreten.“

Bilinguale Angebote in Göttinger Kitas

Neben der Kita am Nordcampus des Studentenwerks gibt es weitere Kindertagesstätten in Göttingen mit bilingualen Angeboten. Das „Kinderbewegungshaus“ des ASC am Waldweg definiert sich als „bilinguale Sportkita“ und arbeitet, genau wie die Kita am Nordcampus, nach dem Immersionsprinzip. Letzteres gilt auch für die ASC Luisenkids in Weende. „Als wir damals mit der Kita am Nordcampus starten wollten, haben wir vom ASC viel Unterstützung erhalten“, berichtete Heike Lorey-Vaupel während der Feierstunde mit Minister Grant Hendrik Tonne. Weitere bilinguale Angebote halten die Kindertagesstätte auf dem Max-Planck-Campus des Vereins Kinderhaus (Am Faßberg) sowie wie „Kosmo-Kids“ des Montessori-Vereins Göttingen (am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung) bereit. Tonne selbst räumte in seiner Ansprache mit Vorurteilen auf: „Ich habe als Vater selbst oft sowas gehört wie: Müssten die Kinder nicht erstmal ihre Muttersprache richtig lernen? Da kann ich nur entgegnen: Die Praxis zeigt uns, dass das Konzept der Bilingualität in Kitas ganz wunderbar funktioniert.“

Von Markus Riese

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