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Göttingen Ministerin Karliczek informiert sich in der Universitätsmedizin
Campus Göttingen Ministerin Karliczek informiert sich in der Universitätsmedizin
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20:18 03.12.2019
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek in der Neuropathologie der UMG. Im Hintergrund der Göttinger CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Der Auftakt fand hinter verschlossenen Türen statt. Ministerin Anja Karliczek setzte sich mit dem Vorstand der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) zusammen. Über den Inhalt des Gesprächs war Stillschweigen vereinbart worden. Zu besprechen wird es genug gegeben haben. Das Universitätsklinikum soll neu gebaut werden, doch im Verbund mit der Medizinischen Hochschule Hannover stockt die Planung. Dem Vernehmen nach könnte Göttingen zügiger bauen, Hannover soll den Fluss hemmen. Eine Dachgesellschaft zur Planung soll das Verfahren beschleunigen.

Wie effektiv und zielgerichtet Labore an UMG – mit finanzieller Förderung des Ministeriums für Bildung und Forschung arbeiten – davon konnte Karliczek anschließend überzeugen. Zwei Speziallabore präsentierte Prof. Gerd Hasenfuß im Herzforschungsgebäude, das 2017 auf dem Gelände des Universitätsklinikums gebaut wurde – unter planerischen Mitwirkung von Hasenfuß. 1600 Quadratmeter Gesamtfläche besitzt das Gebäude, 400 Quadratmeter davon sind Laboren vorbehalten.

Grundlagenforschung und klinischer Einsatz

Mitarbeiter von Hasenfuß demonstrierten der Ministerin Karliczek vor allem die Nähe von Grundlagenforschung und klinischem Einsatz der Erkenntnisse. Mit dem Sted-Mikroskop, für dessen Entwicklung der Göttinger Wissenschaftler Stephan Hell den Medizinnobelpreis verliehen bekam, gewinnen die Forscher Einblick in Herzmuskel-Zellproben. Entnommen wurden die Proben Patienten mit Herzmuskelerkrankungen. Krankhafte Veränderungen des Gewebes könnten damit identifiziert werden, erläuterte Hasenfuß. Die Forschungsergebnisse sollen künftig für diagnostische Tools genutzt werden.

Eine Vernetzung streben die Herzforscher mit der Abteilung „Heart and Brain“ an, für die gerade ein neues Gebäude auf dem Gelände errichtet wird. In einem der Labore, die die Wissenschaftler derzeit nutzen, präsentierte Hasenfuß mit seinen Mitarbeitern eine ganz besondere Forschung.

In embryonalen Zustand versetzt

Nach ethischen Debatten über die Verwendung von Stammzellen für die Forschung werden dort Hautzellen gewonnen und in einen embryonalen Zustand versetzt. Die können dann in jede beliebige Zellform entwickelt werden. Der Ministerin demonstrierten sie den Einfluss einer Hirn- auf eine Herzzelle, die sie zusammenbrachten. Am Mikroskop konnte Karliczek die Hirnzelle stimulieren, woraufhin die Herzzelle schneller schlug. „Wie kommt man auf eine solche Idee“, fragte sie verblüfft. Die Debatte über Stammzellen habe das notwendig gemacht, sagte Hasenfuß.

Der Wissenschaftler gab auch einen Ausblick auf die Zukunft. Derzeit würden im Göttinger Primatenzentrum gezüchtete Gewebekonstruktionen getestet, die im kommenden Jahr bei Herzpatienten zum Einsatz kommen sollen.

Grundlagenforschung und Anwendung

Grundlagenforschung mit Anwendung zusammenbringen, das wollen auch Prof. Fred S. Wouters-Bunt und Dr. Gertrude Bunt vom Institut für Neuropathologie der UMG. Sie forschen über Multiple Sklerose, eine Krankheit, über die laut den Wissenschaftlern bislang wenig bekannt ist. Mit dreidimensionalen mikroskopischen Bildern suchen sie nach Veränderung im Gehirn. Dabei arbeiten sie intensiv mit mittelständischen Unternehmen zusammen. Physik und Medizin kommen bei dieser Forschung zusammen. Was dafür notwendig ist? „Sie müssen die gleiche Sprache sprechen“, erklärt Bunt, beileibe keine Selbstverständlichkeit.

Notwendigkeit des Datenaustauschs

Im Studentischen Trainingszentrum für Praxis und Simulation (Stäps), vor zehn Jahren von Studenten geplant und mit den Semesterbeiträgen finanziert, traf Karliczek Prof. Volker Ellenrieder, Direktor des Krebszentrums der UMG. Er berichtete von der Forschung an Leber-, Bauchspeicheldrüsen- und Gallenwegskarzinomen. Er verdeutlichte die Vielfalt vor allem der Bauchspeicheldrüsen-Karzinome und die daraus resultierende Notwendigkeit des Datenaustauschs zwischen den Krebszentren. Wenig Fortschritte seien in den vergangenen 25 Jahren gemacht worden, das soll sich ändern. „Dafür brauchen wir Dateninteraktionssysteme“, sagte Ellenrieder – mit Geld aus dem Wissenschaftsministerium.

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