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Göttingen Ministerpräsident Weil informiert sich über Projekt der Universität Göttingen
Campus Göttingen Ministerpräsident Weil informiert sich über Projekt der Universität Göttingen
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20:06 17.07.2014
Von Angela Brünjes
Die natürliche Intelligenz der Seife: Ministerpräsident Weil schaut auf Dreiecke und Trapeze, die Seifenlauge in einem Würfelmodell bildet. Quelle: dpa
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Göttingen

In der Paulinerkirche stellte Dr. Marie Luisa Allemeyer das Konzept für das Wissenschaftsmuseum, das im Zoologischen Institut an der Berliner Straße untergebracht werden soll, vor.

Die Direktorin der Zentralen Kustodie betonte in ihrer flotten Moderation, das Haus des Wissens „wird bundesweit das erste seiner Art sein, wohl auch international“.

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Dass die Universität Göttingen seit ihrer Gründung im Jahr 1737 Objekte für Forschung und Lehre von Anfang an in den Mittelpunkt gestellt hat, zeigte dann ein Parcours mit vier Stationen. Ministerpräsident Weil erfuhr von Tobias Mayer (1723-1762), den Mayerschen Mondtabellen und deren Nutzen für die Schiffsnavigation.

„Diese Leistung hat die Universität damals sofort weltweit bekannt gemacht“

„Diese Leistung hat die Universität damals sofort weltweit bekannt gemacht“, erklärte Historiker Prof. Peter Aufgebauer vom Institut für historische Landesforschung. Die Tabellen habe wenig später Kapitän James Cook (1728-1779) genutzt für seine drei Südsee-Expeditionen. Exponate dieser Reisen sind in der Ethnologischen Sammlung zu sehen.

Bei dem unterhaltsam, lehrreichen Rundgang erklärte Prof. Ivan Gaskell, Gastwissenschaftler aus New York am Lichtenberg-Kolleg der Universität, den Nutzen und die Bedeutungsebenen von drei Sammlungsobjekten. Der Kulturhistoriker stellte dar, dass mit modernen Methoden auch alte Sammlungsstücke Neues mitteilen.

Noch deutlicher demonstrierte das Dr. Susanne Hummel. Die Anthropologin untersucht historische Knochen. Per DNA-Analyse werde nach Krankheitserregern gesucht, um festzustellen, ob diese mit heutigen Erregern verwandt sind. „Diese Knochen wurden früher gesammelt, um Studenten typische Krankheitsbilder zu zeigen. Heute nutzen wir sie völlig zur DNA-Analyse“, erklärte Hummel die aktuelle Arbeitsbasis.

Überzeugungsarbeit

Neu genutzt werden soll auch das Zoologische Institut in der Berliner Straße. Das war nach einer kurzen Mittagspause im Heyne-Haus der nächste Besichtigungsort. Auf dem Weg zu Fuß dorthin erläuterten Universitätspräsidentin Prof. Ulrike Beisiegel und Kustodie-Direktorin Allemeyer die Vorgehensweise für das Projekt.

Der Umbau der drei Etagen werde 16 Millionen Euro kosten, der laufende Betrieb jährlich eine Million Euro, so Beisiegel. „Träger dieses zukunftsweisenden Projekts muss ein starkes Bündnis aus vereinigten Kräften von Universität, Stadt, Land und Bund sowie bürgerlichem und unternehmerischen Engagement sein“, heißt es im Zukunftskonzept für das Haus des Wissens.

Und so war der Besuch des Ministerpräsidenten auch eine gute Gelegenheit, bei ihm als Chef der Niedersächsischen Landesregierung Überzeugungsarbeit zu leisten.

„Wir wollen dieses Haus zu einem zentralen Ort der Universität und der Region machen“

Wenn das Projekt realisiert werden kann, sind wechselnde Ausstellungen auf zwei Etagen auf einer Fläche von 1200 Quadratmetern zu sehen. Das Gebäude neben dem Bahnhof am Groner Tor wurde 1877 als Naturhistorisches Museum der Universität erbaut.

Von seiner Eignung sind Beisiegel und Allemeyer nicht nur bautechnisch überzeugt. Ideal sei auch die Lage neben dem ICE-Bahnhof, nah zur Innenstadt und zum Zentralcampus der Universität sowie dem zu erwartenden Hotel-Neubau direkt nebenan.

„Wir wollen dieses Haus zu einem zentralen Ort der Universität und der Region machen“, erklärte Allemeyer. Anfangs hatte sie das Wissenschaftsmuseum auch als „unsere Idee für Niedersachsen“ bezeichnet. Ministerpräsident Weil  lobte die Pläne für die Stadtentwicklung rund um das Gebäude und zeigte sich sehr gesprächsbereit.

Eine konkrete Beurteilung aber gab er nicht ab. „Dazu gibt es Abstimmungen mit dem Wissenschaftsministerium“, ließ er nur wissen. Mitnehmen werde er viel Wissen über das Haus des Wissens, „bisher kannte ich nur das Label, aber noch nicht den Inhalt“.

Haus des Wissens: Ministerpräsident Weil informiert sich über das Projekt der Universität. © Theodoro da Silva