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Göttingen Monika Rinck über Fiktion und Realität
Campus Göttingen Monika Rinck über Fiktion und Realität
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15:50 31.01.2019
Lichtenberg-Poetik-Vorlesung von Monika Rinck in der Aula am Wilhelmsplatz. Foto: Monika Rinck während des ersten Teils ihrer zweiteiligen Poetikvorlesung. Quelle: Niklas Richter
Göttingen

Als Referentin für die „Lichtenberg-Poetikvorlesung“ ist die Autorin, Dichterin und Essayistin Monika Rinck nach Göttingen gekommen. Die jährlich ausgerichtete Veranstaltung des Seminars für deutsche Philologie der Universität Göttingen bietet Autoren die Möglichkeit, ihre Arbeit vorstellen zu können. Vor Rincks Auftritt hielt der Literaturwissenschaftler und -Kritiker und Autor des Buches „Poetisch denken. Die Lyrik der Gegenwart“, Christian Metz, eine Laudatio auf Rinck.

Metz hielt seine Begeisterung für die Arbeit von Rinck nicht lange zurück: Sie sei eine „Ausnahmekönnerin unter den Ausnahmekönnern“ und „ein Glücksfall“ für den deutschsprachigen Lyrikdiskurs, urteilte Metz. Und das sei um so mehr beeindruckend, da dieser Diskurs in den vergangenen 20 Jahren eine poetische Blüte erlebt habe, erklärte Metz. Rincks Gedichte seien auch deshalb so fesselnd, weil die Autorin in das „Grenzgebiet des sprachlich Fassbaren“ vordringen würde.

Metaphern präziser, als der Begriff selbst

Rincks Vorlesung trug den Titel „Wirksame Fiktionen: Zwischen Fiction und Non-Fiction“. Sie hätte sich bewusst für die englischen Begriffe entschieden, weil deren Bedeutung die ihrer deutschen Pendants übersteige, erläuterte die Autorin. Rinck arbeitet viel mit der englischen Sprache und ließt immer wieder Passagen in Originalsprache. „Wenn ich immer weiter geradeaus fahre, komme ich irgendwann ans Wasser. Oder ich komme an eine Grenze. Dort ändert sich das Land“, schrieb Rinck. Dann nimmt sie Bezug zu einer amerikanischen Dichterin: „‚A border, like race, is a cruel fiction‘, schreibt Wendy Trevino; eine Grenze, so wie eine Rasse, sei eine brutale Fiktion.“

Wie in diesem Fall seien Metaphern oft wirksamer, als die Begriffe, die sie erklären. Und „das muss so sein“, betonte Rinck. Nicht selten würden Fiktion und Realität an ihren Grenzen verschwimmen. Hier sei die Poetik ein verbindendes Element. Worte könnten weder falsch noch richtig sein, erst ihre jeweilige Verbindung in einem Satz gebe ihnen einen fiktiven oder einen realistischen Inhalt.

Autorin, Dozentin, Übersetzerin und Preisträgerin

Die mehrfach ausgezeichnete Berliner Autorin Rinck hat Reli­gions­wissen­schaft, Ge­schichte und Ver­glei­chende Literatur­wissen­schaft in Bochum, Berlin und im US-amerikanischen Yale studiert. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet sie auch als Übersetzerin. Rinck lehrte unter anderem am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Sie ist unter anderem Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Akademie der Künste Berlin. Darüber hinaus war Rinck von 1999 bis 2017 für das Inforadio Berlin-Brandenburg tätig. 2009 erhielt sie den Arno-Reinfrank-Literaturpreis und 2012 Berliner „Kunstpreis Literatur“. Im Jahr 2013 wurde Rinck der „Peter-Huchel-Preis“ für ihren Gedichtband „Honigprotokolle“ verliehen.

Die „Lichtenberg-Poetikvorlesung“ wird seit 1999, mit einer Unterbrechung in den Jahren 2012 und 2013, jedes Jahr vom Seminar für deutsche Philologie in Kooperation mit dem Literarischen Zentrum Göttingen organisiert. Bei Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen sollen dabei kulturelle Öffentlichkeit, Autor und Philologie miteinander ins Gespräch kommen, so die Veranstalter. Bisherige Gäste waren unter anderem Navid Kermani, Carolin Emcke und Friedrich Christian Delius. Die „Lichtenberg-Poetikvorlesung“ wird von der Stiftung Niedersachsen, vom Verein Universitätsbund Göttingen und von der Verlagsgruppe „Georg von Holtzbrinck“ gefördert.

Von Max Brasch

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