Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Muster für die richtige Partnerwahl im Gehirn
Campus Göttingen Muster für die richtige Partnerwahl im Gehirn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:46 14.11.2011
Liebe: Für fast alle Menschen ein sehr wichtiges Thema. Quelle: dpa
Anzeige

„Denken Sie nicht, dass ich die Wahrheit gepachtet habe“, warnte der Referent gleich zu Beginn. Vorsicht ist schließlich geboten, wenn man über das vielleicht am stärksten emotionsbeladene Thema überhaupt spricht. Auch eine Formel für die Liebe beziehungsweise einen passenden Partner habe er, Fink, trotz ein wenig skurril anmutender Beispiele aus der jüngeren Wissenschaftsgeschichte nicht.

Wie fundamental wichtig das Thema Liebe für fast alle Menschen und wie groß der Wunsch nach Hilfe für eine optimale Partnerwahl und Beziehungsgestaltung ist, zeigte nicht zuletzt Finks Suchmaschinen-Auswertung im Internet: Nach Sex, Gesundheit und Geld reiht sich hier immerhin die Liebe unter den meistgesuchten Begriffen ein.

Anzeige

Wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual. So ist es nur verständlich, dass sich im Lauf der Evolution im menschlichen Gehirn Muster ausgebildet haben, um andere Menschen – gerade potentielle Partnerinnen oder Partner – möglichst schnell einschätzen und in „erfolgversprechend“ oder „nicht weiter zu beachten“ einzustufen zu können. Männer und Frauen hätten unterschiedliche Fortpflanzungsstrategie entwickelt und damit auch darauf fokussierende Muster bei der Einschätzung von Partnern, berichtete Fink. Dass Alter und Aussehen dabei eine besondere Bedeutung haben, ist bekannt. Dass es aber auch zu einem „Krieg der Signale“ kommt, vielleicht weniger. Denn auf kleinste Bewegungen, Haltungsänderungen oder Augenkontakt reagiert das Gehirn des jeweiligen Gegenübers und reagiert mit eigenen Verhalten, das wiederum interpretiert und auf das reagiert werden will.

Viele biologische Aspekte der Partnerwahl wie die Steuerung durch Hormone kennt die Wissenschaft bereits, legte Fink dar. Einige davon sind sehr eindeutig, andere schwach und nur unter Laborbedingungen nachweisbar. Insgesamt sah der Referent jedoch noch sehr viele Fragen offen, und damit bleibt auch genug Platz für weitere hochgehandelte Aspekte von Liebe wie Romantik, Geheimnis und Neugier.

Die Ringvorlesung „Miteinander – Füreinander? Sozialverhalten von Affen und Menschen“ wir fortgesetzt am Dienstag, 15. November, 18.15 Uhr. In der Aula am Wilhelmsplatz spricht dann Prof. Peter Kappeler (Universität Göttingen und Deutsches Primatenzentrum) zum Thema „Verwandtschaft – was Gesellschaften zusammenhält“.

Von Isabel Trzeciok