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Göttingen Natürlicher Entgiftung sehr nahe
Campus Göttingen Natürlicher Entgiftung sehr nahe
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18:18 06.07.2009
Bauchfelldialyse: Kornelia Bergemann (Pflegedienstleitung Nephrologisches Zentrum) versorgt Johannes Mai.
Bauchfelldialyse: Kornelia Bergemann (Pflegedienstleitung Nephrologisches Zentrum) versorgt Johannes Mai. Quelle: Rink
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Im Jahr 2006 wurden in Niedersachsen rund 6300 Patienten mit Dialyseverfahren versorgt, in Deutschland waren es über 66500. Neben dem Dialyseverfahren der „Blutwäsche“ (Hämodialyse), bei der die Patienten viele Stunden zur Entgiftung des Blutes in Dialyseeinrichtungen verbringen müssen, gibt es die Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse = PD). Bei dieser Form können die Patienten nach einer Schulung selbst die Entgiftung vornehmen und müssen nicht starr an ein Gerät angeschlossen werden. Sie haben dadurch wesentlich größeren Freiraum und eine bessere Lebensqualität. Selbst längere Urlaube und eine bessere Integration in den Berufsalltag sind mit dieser Form der Dialyse möglich.

„Zukünftig ist mit immer mehr nierenkranken Patienten zu rechnen. Hauptursachen sind die Volkskrankheiten Typ-2-Diabetes („Alters-Zucker“) und Bluthochdruck, bei denen die Anzahl der Betroffenen stark wächst,“ sagt Dr. Andy Hamadeh, Nierenspezialist des Nephrologischen Zentrums in Göttingen-Bovenden. Das Zentrum bietet ab sofort in neuen Räumen eine Spezial-Sprechstunde für Bauchfelldialyse-Patienten an.

Die Bauchfelldialyse sei bei geeigneten Patienten gegenüber der Hämodialyse absolut gleichwertig, so Hamadeh. Trotzdem nutzen sie nur etwa fünf Prozent der Patienten in Deutschland. In anderen europäischen Ländern wie Großbritannien oder Frankreich sowie in den USA werden bis zu 40 Prozent mit der Bauchfelldialyse behandelt.

Natürliche Dialysemembran

Das Bauchfell (Peritoneum) kleidet als dünne, gut durchblutete Haut mit einer Oberfläche von bis zu zwei Quadratmetern die gesamte Bauchhöhle aus. Es gehört zum Infektionsabwehrsystem des Körpers und überzieht viele Organe im Bauchraum.

Bei der Bauchfelldialyse wird es als natürliche Dialysemembran genutzt. In regelmäßigen Zeitabständen lässt der Patient eine spezielle Flüssigkeit (Spüllösung, Dialysat) von Hand oder mit maschineller Unterstützung über einen fest in die Bauchhaut eingenähten Katheter in die Bauchhöhle ein. Die nach einiger Zeit mit den im Körper angehäuften Giftstoffen angereicherte Dialyseflüssigkeit, die auch überschüssiges Körperwasser enthält, wird im selben Zuge gegen frische Lösung ausgetauscht.

Dieses Verfahren wird kontinuierliche ambulante Peritonealdialyse (CAPD) genannt. Im Gegensatz zur Entgiftung bei der Hämodialyse, die in der Regel dreimal pro Woche über vier bis fünf Stunden erfolgt, wird die Bauchfelldialyse langsam und stetig durchgeführt und kommt damit dem natürlichen Entgiftungsvorgang der Nieren sehr nahe.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Patienten seien wichtig, um sicherzustellen, dass das Bauchfell seine Reinigungs- und Entwässerungsfunktion erfüllt, und die Blutdruckeinstellung optimal ist.

Die unterschiedlichen Verfahren der Bauchfelldialyse könnten individuell auf die Bedürfnisse des Patienten eingestellt werden und „geben ihm im Vergleich zur Hämodialyse deutlich mehr Selbständigkeit, übertragen dem Patienten aber auch größere Eigenverantwortung“, erklärt Hamadeh. Damit der Patient das, gegebenenfalls mit einer Hilfsperson, leisten kann, werden zu Beginn und auch während des Lebens mit der Dialyse ausführliche Trainingseinheiten unter Anleitung durchgeführt. „Eine 24-stündige Rufbereitschaft geben den Patienten beim Auftreten von Problemen die nötige Sicherheit“, sagt der Nierenspezialist. chb

CAPD-Sprechstunde, donnerstags 10 - 12 Uhr, Nephrologisches Zentrum Bovenden, Steffensweg 99.

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