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Göttingen Naturkatastrophen und Klimawandel im Blickfeld der historischen Umweltforschung
Campus Göttingen Naturkatastrophen und Klimawandel im Blickfeld der historischen Umweltforschung
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21:21 26.06.2013
Die Elbe bei Wittenberge an der Grenze zum Landkreis Stendal: Das Hochwasser überflutete am 11. Juni noch weite Flächen.
Die Elbe bei Wittenberge an der Grenze zum Landkreis Stendal: Das Hochwasser überflutete am 11. Juni noch weite Flächen. Quelle: dpa
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Nicht allein in vormodernen Gesellschaften, sondern auch in hochindustrialisierten Staaten stehen die Menschen in einem komplexen Abhängigkeitsverhältnis zur Natur, was sich nicht zuletzt auch in der derzeitigen Klimadebatte widerspiegelt.

In den vergangenen Jahrzehnten sind die Beziehungen des Menschen zu seiner natürlichen Umwelt zunehmend in das Blickfeld der Geschichtswissenschaft geraten. Umweltgeschichte hat sich in der internationalen Geschichtswissenschaft als eine neue Forschungsrichtung etabliert, die das wechselseitige Verhältnis von Mensch und Natur im Wandel der Zeiten untersucht.

Wichtiger Standort

Ein wichtiger Standort der historischen Umweltforschung ist die Georg-August-Universität, an der seit 2004 ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Graduiertenkolleg  „Interdisziplinäre Umweltgeschichte“ angesiedelt ist. Im Mai wurde auf einem Workshop  die geleistete Forschungsarbeit des Kollegs und deren Potenzial für die deutsche und internationale Umweltgeschichte beleuchtet. Der Sprecher des Graduiertenkollegs, Prof. Manfred Jakubowski-Tiessen, betonte, dass die Umweltgeschichte trotz ihrer zunehmenden  Relevanz nach wie vor an deutschen Universitäten kaum institutionalisiert sei und hob dabei die besondere Bedeutung des Göttinger Graduiertenkollegs hervor.

Breite methodische und inhaltliche Ansätze

Prof. Bernd Herrmann würdigte die breiten methodischen und inhaltlichen Ansätze umweltgeschichtlicher Forschung, welche auch im Graduiertenkolleg verwirklicht würden. In den folgenden, in vier Sektionen zusammengefassten Vorträgen wurden Forschungsthemen und -ergebnisse des Graduiertenkollegs diskutiert: Einen Schwerpunkt bildete die Bewältigung von Naturkatastrophen im 18. und 19. Jahrhundert. Gefährdungen durch Hochwasser, Missernten und Viehseuchen wurden ebenso thematisiert wie die durch die Kartoffelfäule hervorgerufenen Hungerkrise Mitte des 19. Jahrhunderts.

Landschaftswandel

Weitere Themen waren der anthropogen verursachte Landschaftswandel, die Frage der Nachhaltigkeit natürlicher Ressourcen sowie die Umweltproblematik der Städte und des Meeres. Kennzeichnend für die Forschungen im Göttinger Graduiertenkolleg ist der interdisziplinäre Ansatz, welcher naturwissenschaftliche und kulturwissenschaftliche Forschungsmethoden anhand konkreter Projektstudien zu verbinden versucht. Gerade hinsichtlich der Erforschung von historischen Naturkatastrophen hat das Graduiertenkolleg wichtige umweltgeschichtliche Impulse gesetzt.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten über den Klimawandel und seine Folgen hat umwelthistorische Forschung einen hohen Stellenwert und kann viel zum Verständnis gegenwärtiger Umweltproblematiken beitragen. Deshalb sei zu hoffen, so Jakubowski-Tiessen, dass die Umweltgeschichte in Göttingen auch mit dem Ende des Graduiertenkollegs eine Fortsetzung finden möge.

eb