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Göttingen Naumburger Dom und Kathedrale von Reims künstlerisch eng verflochten
Campus Göttingen Naumburger Dom und Kathedrale von Reims künstlerisch eng verflochten
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17:20 15.04.2014
Naumburger Dom: Westlettner mit dem Passionsrelief des Naumburger Meisters. Quelle: Volkswagenstiftung/Naumburg Kolleg
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Naumburg

Doch im Gegensatz zu den Holzschnitzereien eines Tilman Riemenschneider kennen wir vom Steinbildhauer des Naumburger Domes keinen Namen. Die Kunstgeschichte behilft sich mit dem Notnamen „Naumburger Meister“. Dieser Meister hat um 1260 neben dem Lettner auch die zwölf Stifterfiguren in Naumburg geschaffen, von denen Uta mit ihrem hintergründigen Lächeln eine der berühmtesten ist – auch wegen ihrer Omnipräsenz in Kreuzworträtseln.

Drei Jahre lang stand der Naumburger Dom im Fokus des „Naumburg Kollegs“: Elf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus fünf deutschen Hochschulen – den Unis Münster, Leipzig und München sowie der Technischen Universität München und der Hochschule für Bildende Künste Dresden –  haben darin zahlreiche Forschungsprojekte zum Naumburger Dom durchgeführt.

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Im Rahmen dieses Kollegs, das die Volkswagenstiftung mit 1,5 Millionen Euro gefördert hat, wurden verschiedene Forschungsfragen erörtert – aus historischer, kunsttechnologischer und tourismuswissenschaftlicher Sicht. Die Veröffentlichung der Ergebnisse in Dissertationen, die die jungen Forscher im Kolleg erarbeitet haben, ist bis Ende 2015 vorgesehen.

Einflüsse in der Forschung bislang nicht berücksichtigt

Zwei davon sind erschienen, als jüngste die Doktorarbeit des Kunsthistorikers Peter Bömer, die sich mit den Skulpturen des Naumburger Westlettners beschäftigt. Bömer kann in seiner Arbeit enge künstlerische Verflechtungen des Naumburger Westlettners mit der Westfassade der Kathedrale von Reims nachweisen. Dass der Naumburger Meister auch in Reims tätig war, gilt seit Langem als wahrscheinlich.

Doch diese unmittelbaren Einflüsse wurden bislang in der Forschung nicht berücksichtigt – wegen einer zu späten Datierung der Skulpturengruppe in Reims. Zum anderen lässt Bömers Untersuchung darauf schließen, dass Westchor und Westlettner zu ihrer Entstehungszeit vor allem für die Liturgie durch den Klerus genutzt wurden.

Der interdisziplinäre Austausch mit anderen Wissenschaftlern, den das Kolleg ermöglicht hat, begeistert Bömer bis heute: „Die Konstellation des Naumburg Kollegs, in dem sechs unterschiedliche Fachbereiche zusammengebracht wurden, hat mir ideale Voraussetzungen für meine Arbeit geboten.“

Auch Dr. Christina Hans, die im Sommer 2013 die erste Dissertation des Naumburg Kollegs veröffentlicht hat, empfand die Einblicke in unterschiedliche Fächer und deren jeweilige Methodik als besonders gewinnbringend. „Die Ergebnisse meiner Studie zum Naumburger Dom als Wahrzeichen der Stadt werden bereits als Grundlage für das operative und strategische Tourismusmanagement der Domstifter genutzt“, sagt die Tourismusforscherin erfreut.

Von Michael Schäfer

Peter Bömer: Der Westlettner des Naumburger Doms und seine Bildwerke. Friedrich Pustet Verlag, 304 Seiten, 39,95 Euro