Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen „Von Nervenzellen rechnen lernen“: Universität Göttingen leitet neues Forschungsprojekt
Campus Göttingen

Nervenzellen und Rechner: Universität Göttingen startet internationales Forschungsprojekt

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:03 15.11.2020
Experimenteller Aufbau der dendritischen Komponenten von ADOPD bestehen aus Lichtleiterstrecken (aufgerollt), Verbindern (silbern) und optischen Rechenkomponenten (farbig, bzw. schwarz). Quelle: r
Anzeige
Göttingen

Die Universität Göttingen leitet ein neues europäisches Forschungsprojekt: Die Kooperation „Adaptive Optische Dendriten (ADOPD)“ befasst sich mit der Frage, wie die Funktionsweise von Nervenzellen auf lichtleiterbasierte Rechner übertragen werden kann. Hierfür stehe den Göttinger Wissenschaftlern für die nächsten drei Jahre eine Fördersumme von rund 750 000 Euro zur Verfügung, wie die Universität nun bekannt gab.

Neues vom Campus in Göttingen

Was ist Campus-Gespräch? Was umtreibt die Forscher? Und was gibt es Neues in der Uni-Stadt Göttingen? Abonnieren Sie den wöchentlichen Campus-Newsletter – und erhalten Sie die Nachrichten direkt ins E-Mail-Postfach.

Lichtleitertechnologie wird momentan vor allem für die schnelle Datenübertragung eingesetzt. Weniger bekannt ist, dass sich die Technologie auch für enorm schnelle Rechnungen nutzen lässt – und dabei viel weniger Energie verbraucht als übliche Modelle.

Anzeige

Menschliches Nervensystem als Forschungsbasis

Für diese innovative Technologie sieht das ADOPD-Projekt vor, die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Funktion von Nervenzellen zu nutzen. Geleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Florentin Wörgötter und Dr. Christian Tetzlaff vom III. Physikalischen Institut.

„Unsere Nervenzellen sind komplex aufgebaut“, sagt Wörgötter, „und viel Rechenarbeit findet schon am sogenannten Dendriten der Nervenzelle statt, bevor die Zelle ihre Signale weiter ins Nervennetzwerk sendet“. An den baumartigen Nervenfortsätzen werden die eintreffenden Signale extrem effizient miteinander verrechnet. Ihre Funktionsweise wollen die Forscher nun mit der Lichtleitertechnologie kombinieren, um besonders schnelle Rechner zu entwickeln.

Lesen Sie auch

Wissenschaftler aus Spanien und USA arbeiten mit

An dem Projekt arbeiten Neurowissenschaftler aus Göttingen und von der Technischen Universität Graz gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Spanien: Beteiligt sind Forscher der Universität der Balearen auf Mallorca sowie die spanische Forschungseinrichtung Agencia Estatal Consejo Superior de Investigaciones Cientificas (CSIC). Als Partnerin aus den USA ist auch die Expertin für komplexe Lichtleitertechnologien Prof. Hui Cao von der Universität Yale dabei.

In Zusammenarbeit mit der Firma Leoni Fibre Optics in Berlin sollen die Innovationen des Forschungsprojekts technisch nutzbar gemacht werden. Das Gesamtbudget des Projekts beträgt rund 2,8 Millionen Euro.

Von Fiora Blettner

Göttingen Verbund Nationales Hochleistungsrechnen - 72 Millionen Euro für Göttinger Superrechner „Emmy“
13.11.2020