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20:54 31.07.2014
Vor der Sonnenpassage: Komet Ison. Quelle: Nasa
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Göttingen

Die neue Analyse basiert auf Daten des Spektrographen Sumer an Bord der Raumsonde Soho. Sumer war das einzige Instrument, das die Reise des Kometen in den Minuten, in denen er der Sonne am nächsten kam, genau verfolgen konnte.

Als der Komet Ison im Herbst 2012 entdeckt wurde, war schnell die Rede von einem Jahrhundertkometen. Nur 1,8 Millionen Kilometer sollten den Schweifstern am 28. November 2013 von der Sonne trennen. Wegen seiner großen Helligkeit und der frühen Entdeckung versprach Ison ein dankbares Forschungsobjekt zu werden – und, sollte er den Sonnenvorbeiflug überstehen, eine beeindruckende Himmelserscheinung in der folgenden Adventszeit.

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Doch dazu kam es nicht: Bereits Stunden vor der Sonnenpassage wurde der Schweif des Kometen immer blasser. Nach und nach wurde klar, dass Ison seine Aktivität eingestellt oder sich in Gas und Staub aufgelöst hatte.

Zerbrach der Komet, bevor er den sonnennächsten Punkt erreichte? Oder hielt er der unbeschreiblichen Hitze noch etwas länger Stand? Verbarg sich unter dem Staubschweif, der sich nach dem Vorbeiflug zeigte, gar noch ein fester Kern? „Unsere Messungen und Rechnungen deuten daraufhin, dass Ison bereits vor dem Sonnenvorbeiflug die Puste ausging“, so Dr. Werner Curdt vom MPS, Leiter der neuen Studie.

Keine Staubproduktion mehr

Demnach gab es etwa 8,5 Stunden, bevor der Komet an der Sonne vorbeifliegen sollte, einen kurzen, heftigen Ausbruch, der eine größere Staubmenge freisetzte. Danach kam die Staubproduktion innerhalb weniger Stunden endgültig zum Erliegen.

Schlüssel zu den neuen Rechnungen waren Bilder des Staubschweifs, welche die MPS-Forscher zum Zeitpunkt des Vorbeiflugs, mit dem Instrument Sumer (Solar Ultraviolet Measurements of Emitted Radiation) an Bord des Sonnenobservatoriums Soho (Solar and Heliospheric Observatory) aufnahmen.

Bereits Stunden zuvor hatten beeindruckende Aufnahmen des Koronographen Lasco, der ebenfalls an Bord der Raumsonde um die Sonne kreist, den langgezogenen Schweif des heranrasenden Kometen gezeigt. Um Strukturen in der Umgebung des alles überstrahlenden Sterns sichtbar zu machen, blendet das Instrument die Sonnenscheibe aus – ähnlich wie eine künstliche Sonnenfinsternis.

Isons Flugroute führte den Kometen jedoch so nah an die Sonne heran, dass auch er in der entscheidenden Stunde hinter dieser Blende verschwand.

Aufspüren lichtschwacher Kometen

„Das einzige Instrument, das zu diesem Zeitpunkt brauchbare Daten von Ison lieferte, war Sumer“, so Curdt, der das Sumer-Team seit 2002 leitet. „Für alle Beteiligten war dies eine riesige Herausforderung“, fügt er hinzu. Das Aufspüren lichtschwacher Kometen gehört in der Regel nicht zu den Aufgaben des Instruments.

Vielmehr wurde der Spektrograph entwickelt, um das Licht aus der Atmosphäre der Sonne in seine einzelnen Wellenlängen zu zerlegen und so Plasmaflüsse, Temperaturen und Dichten zu untersuchen.

Indem die Forscher den Eintrittsspalt für das Licht weit öffneten, konnten sie das Instrument wie eine Art Kamera betreiben – und so Bilder des Schweifs aufzeichnen. Dabei erfassten sie das ultraviolette Licht der Wellenlänge 121,6 Nanometer, mutmaßlich an Staubteilchen reflektiertes Sonnenlicht.

Die Sumer-Aufnahmen zeigen einen leicht gekrümmten, spitz zulaufenden Schweif mit einer Länge von mindestens 240000 Kilometern. Anzeichen für einen besonders hellen Bereich an der vorausberechneten Kometenposition, der auf einen aktiven Kern deuten könnte, finden sich nicht.

Den Rechnungen zufolge muss Ison seine Staubproduktion bereits Stunden zuvor eingestellt haben. Möglicherweise sind einzelne inaktive, „tote“ Bruchstücke des Kernes übriggeblieben. Irgendwelche „Lebenszeichen“ wurden jedoch nicht beobachtet und die Reste des Kometen werden sich verlieren.

chb/eb

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