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Göttingen Komplexer Handel in der Bronzezeit
Campus Göttingen Komplexer Handel in der Bronzezeit
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16:30 27.08.2019
Vergleichsobjekt Goldring („Gold bar torc“): Forschungsgegenstand von Prof. Lorenz Rahmstorf von der Uni Göttingen. Quelle: British Museum / Heiko Marx
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Göttingen

Der Warenaustausch und Handels während der Bronzezeit war in Europa vermutlich viel komplexer, als die Wissenschaft bislang angenommen hat. Zu diesem Ergebnis kommt Prof. Lorenz Rahmstorf, Direktor des Seminars für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen. Er leitet das Projekt „Weight and Value“, das vom European Research Council (ERC) mit 1,9 Millionen Euro unterstützt wird.

Nach den Ergebnissen des Projektes haben die Menschen in England bereits im späten zweiten und frühen ersten Jahrtausend vor Christus – also vor mehr als 3000 Jahren – Feingewichte und Waagen benutzt, um materiellen Wert zu messen.

Rahmstorf habe Goldobjekte aus der mittleren und späten Bronzezeit von den britischen Inseln und aus Nordfrankreich – wie etwa Ringe aus gedrehtem Gold – verglichen, heißt es in einer Mitteilung der Uni. Er habe festgestellt, dass diese auf der gleichen Gewichtseinheit basierten. Damit hätten Rahmstorf und seine Forschergruppe ihre Annahme bestätigt, dass das Wissen um Maßeinheiten bereits damals in vielen Regionen Europas bekannt war.

Rechtwinkliges Bronzegewicht aus Salcombe in England. Quelle: British Museum

Bislang hätten Wissenschaftler oft angenommen, dass Austausch während der Bronzezeit in Nordwesteuropa in erster Linie sozial eingebettet war, beispielsweise als Geschenktausch. Die Existenz genauer Gewichtseinheiten habe den Menschen jedoch schon damals ermöglicht, Wertrelationen zwischen verschiedenen Waren wie Metallen – vielleicht auch für Wolle und Getreide – präzise darzustellen, Gewinne zu berechnen, Währungen zu erschaffen und abgemessene Metallmengen anzusammeln, heißt es weiter.

„Regelrechter Handel“

„Offenbar standen hinter dem Austausch bereits damals auch wirtschaftliche Interessen von Handelspartnern“, erläutert Rahmstorf. „Wir können also durchaus von regelrechtem Handel sprechen.“

Überraschend am nun erbrachten statistischen Nachweis der Gewichtseinheit sei, dass diese sehr gut kompatibel und womöglich sogar identisch mit der im östlichen Mittelmeerraum dominanten Gewichtseinheit der Zeit sei. Das, so die Göttinger Wissenschaftler, sei ein Anzeichen, dass Wissen über Maßeinheiten großräumig weitergegeben und möglicherweise über reisende Händler vermittelt wurde.

Fragment eines Waagebalkens aus Knochen mit Bronzeöse von der Isle of Thanet in Kent, England. Quelle: Wessex Archaeology

Bislang sei bekannt gewesen, dass die Menschen in den technologisch fortschrittlichen Schriftkulturen des Ostmittelmeerraums und Westasiens, etwa in Griechenland, Ägypten oder Mesopotamien, solche Gewichte und Waagen als Hilfsmittel benutzten. Die neuen Erkenntnisse deuteten nun darauf hin, dass es solche Systeme zur Bemessung von Werten auch in vielen, wenn nicht allen Teilen des prähistorischen bronzezeitlichen Europas bereits gegeben habe.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir die Komplexität des frühen Warenaustauschs und des Handels während der Bronzezeit in Europa bislang unterschätzt haben“, erklärt Rahmstorf.

Weiterführende Links

> Originalveröffentlichung: Lorenz Rahmstorf. Scales, weights and weight-regulated artefacts in Middle and Late Bronze Age Britain. Antiquity 2019

> Informationen über das Projekt „Weight and Value“

Von Michael Brakemeier

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