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Göttingen Neue Mückenart: Kasseler Biologe beschreibt 100 Millionen Jahre alte Gattung
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Neue Mückenart: Kasseler Biologe beschreibt 100 Millionen Jahre alte Gattung

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11:49 12.08.2020
Ein Kasseler Biologe hat die neue Mückenart Nymphomyia allissae nachgewiesen und beschrieben. Quelle: R
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Kassel

Ein Kasseler Biologe hat eine neue Mückenart in Bernstein entdeckt, teilt die Universität Kassel mit. Der Wissenschaftler habe eine bislang unbekannte ausgestorbene Art beschrieben: Mücken der Gattung Nymphomyia gebe es seit rund 100 Millionen Jahren – und damit deutlich länger als angenommen.

Die Individuen der neuen Art Nymphomyia allissae seien etwa ein bis zwei Millimeter groß gewesen mit langgestreckten, schwach geäderten Flügeln. Im Vergleich zu lebenden Arten haben die Flügel breitere Enden und seien säbelartig gekrümmt.

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„Alles in allem sehen sie ihren lebenden Nachkommen aber verblüffend ähnlich“, erklärt der Entdecker Prof. Rüdiger Wagner, der bis zu seiner Emeritierung 2016 eine Professur für Limnologie an der Universität Kassel hatte. „Diese Mückengattung hat sich wenig verändert und ist ein echtes Erfolgsmodell der Evolution; wie erfolgreich, zeigt sich durch unseren Nachweis, dass es sie schon vor rund 100 Millionen Jahren gab“, so Wagner.

Exemplare in Burmesischem Bernstein gefunden

Er habe die Exemplare eingeschlossen in Burmesischem Bernstein gefunden, der auf etwa dieses Alter taxiert werde. In der Kreidezeit beherrschten Dinosaurier wie der Gigantosaurus die Erde, heißt es in der Mitteilung der Hochschule. Die zuvor ältesten bekannten Fossilien der Gattung Nymphomyia werden auf 35 bis 40 Millionen Jahren geschätzt, heißt es weiter. 1995 sei eine fossile Art im 25 Millionen Jahre alten Bitterfelder Bernstein, also in Deutschland, gefunden worden.

Heutige Arten seien selten und kommen nach Angaben der Universität Kassel in Nord- und Ostasien und in Nordamerika vor. Die erwachsenen Tiere fliegen in Schwärmen, so die Universität Kassel – und: „Wahrscheinlich war dies wohl schon bei Nymphomyia allissae so“, denn Wagner habe acht Individuen in einem etwa 3,6 Zentimeter langem Stück Bernstein gefunden.

Der Forscher vermute zudem eine weitere Gemeinsamkeit: Tiere heutiger Arten würden keine Nahrung mehr aufnehmen und „relativ schnell nach Paarung und Eiablage sterben“. Dies dürfte „aufgrund der Kopfform und nicht nachweisbarer Mundwerkzeuge“ auch bei den Vorfahren so gewesen sein, so die Pressestelle.

Wagners Forschungsergebnisse sind im Fachjournal Zootaxa erschienen.

Von Stefan Kirchhoff