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Göttingen Neue Studieneingangsphase an der HAWK Göttingen
Campus Göttingen Neue Studieneingangsphase an der HAWK Göttingen
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16:15 20.09.2013
Beobachten die Roboter-Testfahrt: Erstsemester Lars Kolbow (rechts) mit den Tutoren Christoph Murken und Jonas Abraham (links). Quelle: EF
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Göttingen

Nach dem Mathevorkurs von studentischen Tutoren standen in der zweiten Woche sechs Projekte zur Auswahl: Kleinroboter, Videodreh, Lego Mindstorm, Kartonfahrzeug, Laborführungen mit Versuchen und Smartphone-Programmierung.

Am Ende stellten die Gruppen ihre Ergebnisse bei einem Projekt-Slam vor. Außerdem füllt „Lernen lernen“ den Stundenplan. Hinzu kommen Informationen zum Studium und die Vorstellung der Studentischen Gremien sowie das soziale Angebot des Fachschaftsrates.

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Christopher Jünemann, Erstsemester im Studiengang Präzisionsmaschinenbau, hat eine Ausbildung in der Gastronomie und acht Jahre Berufstätigkeit hinter sich. Er hat völlig umgeschwenkt und ist froh über den Mathe-Vorkurs: „Man merkt, wo die Defizite sind und hat auch schon erste Kontakte geknüpft. Nach den zwei Wochen starte ich auf jeden Fall um einiges entspannter, als ich am Anfang war.“

Phillip Nolte studiert Elektro- und Informationstechnik und fand den Mathekurs ebenfalls gut: „Ich bin zwar noch nicht lange aus der Schule heraus, aber manche Sachen hatten wir schon in der siebten oder achten  Klasse. Da ist nicht mehr alles im Kopf. Das Nützlichste war definitiv, die Bruchrechnung zu wiederholen.“

Anwendung der Theorie kennenlernen

„Am wichtigsten finde ich, dass man gleich neue Leute kennenlernt, die dieselben Interessen haben und dass man dann mit gutem Gefühl ins Studium gehen kann. Natürlich hätten wir für Mathe auch alles alleine lernen können. Aber hier wurde gleich das behandelt, was man wirklich können muss und wir hatten jemanden, dem wir Fragen stellen konnten“, sagt Fabian Moch, der Elektro- und Informationstechnik studiert.

Jan Poschke ist schon erfahrener Student an der  Fakultät Naturwissenschaften und Technik. Er hat beide Studieneingangswochen als Tutor begleitet.

Poschke ist sich sicher, dass Ängste abgebaut werden, weil die Erstsemester hier im Studium die Anwendung der Theorie kennenlernen und es deshalb mehr Spaß macht. Einig ist er sich mit den anderen Tutoren, dass sie solche Einführungswochen auch bei ihrem eigenen Start schon gern gehabt hätten: „Dann hätten wir uns auch gleich vorstellen können, was man im Studium wirklich macht und uns in den ersten zwei Semestern besser eingebracht.“

Arbeitstechniken an die Hand geben

Genau das ist auch das Ziel, das die Fakultät mit ihrem Konzept für die Studieneingangsphase verfolgt, bestätigen Dekan Prof. Ralf Hadeler und Studiendekan Prof. Bernd Stock: „Wir haben uns gefragt, was eigentlich die Herausforderung zu Beginn eines Studiums ist? – Die Unsicherheit, habe ich mich richtig entschieden? 

Unser Ziel ist, dass die Studierenden Ende September sagen, ja, ich habe das richtige Fach, die richtige Hochschule gewählt, ich habe schon Leute kennengelernt, ich fühle mich in dem Umfeld wohl. Unser Ziel ist, Ihnen Arbeitstechniken an die Hand zu geben, damit ihnen das erste Semester leicht fällt und sie mit Begeisterung dabei sind.“

Deshalb werden zum Beispiel beim Science-Slam Abschlussarbeiten der einzelnen Studiengänge vorgestellt. Anschließend bearbeiten die Erstsemester selbst ein kleines Projekt in der Gruppe. „Wir haben in den Ingenieurstudiengängen das Problem, dass zunächst viel Grundlagenwissen aufgebaut werden muss“, beschreibt Hadeler, als da wären Mathe, Physik oder Grundlagen Elektrotechnik.

Das wichtigste ist Selbstständigkeit

Aus langjähriger Erfahrung weiß er: „Unsere Studierenden sind klassischerweise nach ein, zwei Jahren sehr zufrieden, wenn sie uns kennengelernt haben.“ Vielleicht klappt dies jetzt früher.

Für das Angebot  „Lernen lernen“ in den Studieneingangswochen ist Anna Müller, Professorin für Gender und Diversitymanagement, verantwortlich. Sie unterstützt die Erstsemester zunächst darin, ihren Lerntyp zu ergründen und gibt ihnen mit auf dem Weg: „Das allerwichtigste im Studium ist, selbst tätig zu werden.

In der Schule bekommt man den Lernstoff serviert und muss ihn eigentlich nur schlucken und zum richtigen Zeitpunkt möglichst vollständig wieder ausspucken.“ Das akademische Lernen sei ein anderes Lernen.

Lern-Tipp: „Interesse haben"

Deshalb benötigten die jungen Leute Methoden und Techniken zum Mitschreiben, zur Vorbereitung auf Prüfungen. Müllers Lern-Tipp: „Interesse haben. Lerntyp ergründen. Und wenn ich den Fuß über die Schwelle eines Seminarraum setze, zu wissen, was das Thema der letzten Stunde war. Dann bin ich gut vorbereitet.“

Bei der Entwicklung des Konzeptes für die Studieneingangswochen habe die Fakultät sehr starke Unterstützung durch das HAWK-Projekt Lernkul-Tour bekommen, betont Hadeler. Das Projekt wird aus Mitteln des Qualitätspakts Lehre der Bundesregierung für fünf Jahre finanziert.

Anne-Cathrin Vonarx, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Lernkul-Tour erklärt, dass die Ziele und das Konzept der Studieneingangsphase mit Lehrern aus den benachbarten Schulen, aber auch mit dem Fachschaftsrat und den Studierenden entwickelt wurden, um Studienanfänger fachlich zu entzünden, organisatorisch zu integrieren und sich an der HAWK wohl zu fühlen: „Aus meiner Sicht ist diese Projektwoche gelungen. Das hat man daran gemerkt, dass die Studierenden motiviert waren, die Tutoren sehr viel Spaß hatten, die ganze Fakultät integriert war und wirklich tolle Ergebnisse in den einzelnen Projekten herauskamen.“

jes/eb