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Göttingen Neuer Standort für Sammlungen der Universität Göttingen
Campus Göttingen Neuer Standort für Sammlungen der Universität Göttingen
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13:38 27.03.2014
Von Angela Brünjes
1877 als Naturhistorisches Museum eröffnet: Im Zoologischen Institut ist viel Platz für die Sammlungen der Universität mit Forschungsstelle und zentraler Kustodie. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Universitätspräsidentin Prof. Ulrike Beisiegel ist optimistisch, dass das größere Gebäude an der Berliner Straße der geeignete Ort für das Haus des Wissens ist.

Bei der Podiumsdiskussion zur Eröffnung der Vorlesungsreihe „Wissen: Schaffen – Erforschen – Vermitteln“, erklärte  Beisiegel, dass für Gestaltung, Umbau und Ausstellungsräume in dem 1877 fertiggestellten Gebäude Gelder eingeworben werden müssen.

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Der Berliner Ausstellungsmacher und Kulturmanager Stefan Iglhaut schätzt für den Standort am Bahnhof die Erweiterungsmöglichkeiten. Prof. Martin van Gelderen, seit Herbst 2012 Direktor des Lichtenberg-Kollegs, sieht Möglichkeiten, das Umfeld attraktiv zu gestalten.

„Modellhaft für Europa

Er verwies auf ähnliche Initiativen in Cambridge und Edinburgh. Besonders die schottische Universitätsstadt habe Erfolg mit der Präsentation der Sammlungen.

Die Schätze der Universität Göttingen will auch Beisiegel sichtbar machen, und zwar noch während ihrer Amtszeit, wie sie betonte. Das Konzept für das Haus des Wissens sei im Rahmen der Bewerbung zur Exzellenzinitiative begutachtet worden.

Es sei „modellhaft für Europa“ habe die internationale Gutachtergruppe im vergangenen Jahr bestätigt. Neben der Präsentation von Teilen der Sammlungen ist eine Forschungsstelle mit Professur vorgesehen und eine zentrale Kustodie.

Prekärer Zustand mancher Sammlung

Für die Verbesserung der Lehre und Forschung über die Sammlungen gebe das Land Niedersachsen 200    000 Euro pro Jahr, berichtete die Projektleiterin „Haus des Wissens“, Dr. Marie Luisa Allemeyer.

Sie verwies auch auf den prekären Zustand mancher Sammlung, die nicht ausreichend gepflegt werden könne.

In der modernen Wissenschaftsforschung werde Göttingen weltweit stark wahrgenommen, erklärte Prof. Marian Füssel. Der Wissenschaftshistoriker  sieht gerade Göttingen als den richtigen Ort, um das Wissenschaftssystem zu verstehen.

Eignung des Standortes Zoologie

„Viele Disziplinen sind erst in Göttingen entstanden“, erklärte er. Die Sammlungen seien auch deshalb besonders und attraktiv, weil viele historische Exponate aus aller Welt stammen und einzigartig sind.

In der anschließenden Diskussion ging es vor allem um die Eignung des Standortes Zoologie. Für das Gebäude müsse sehr viel getan werden, stellte der Göttinger Bürgermeister Ulrich Holefleisch (Grüne) fest.

„Das Auditorium wäre deutlich besser geeignet, das war eine geniale Idee“, meinte der Politiker.

Historiker Prof. Frank Rexrodt kritisierte die Umgebung der Zoologie und die Kosten der Sanierung: Er fragte, ob 40 oder 15 Millionen Euro zu veranschlagen seien.

Kein Blockbuster-Effekt

Die Lage, so Beisiegel, werde sich durch einen anderen Zugang zum Gebäude und den geplanten Hotelneubau in direkter Nachbarschaft verbessern.

Bedenken von Theologieprofessor Thomas Kaufmann, dass die Besucherzahlen im Haus des Wissens zu gering werden, teilten andere nicht. Ausstellungsmacher Iglhaut sagte, es sei nicht das Ziel, einen Blockbuster-Effekt zu erzielen.

Die Kustodin der Kunstsammlung, Dr. Anne-Katrin Sors, listete die aktuellen Besucherzahlen von Kunstsammlung (bis zu 50 jeden Sonntag), Geologie-Museum (bis zu 800 an den Aktionssonntagen) und Ethnologie-Sammlung (5000 pro Jahr) auf.

Dr. Susanne Ude-Koeller, Organisatorin der Ausstellung „Dinge des Wissens“, beschrieb die positive Resonanz auf die Ausstellung mit 15000 Besuchern von Juni bis Oktober 2012.

► Kommentar: Neue Pläne, neue Bedenken

Es ist kein neuer Wunsch, die Sammlungen der Universität endlich angemessen zu präsentieren und auf diese Weise auch zu erhalten. Göttinger Bürger haben die Idee bereits seit den 1980er-Jahren verfolgt.

Und auch das Gebäude, das neuerdings als Haus des Wissens im Gespräch ist, war als Neubau eines.

Das Zoologische Institut wurde 1877 als Naturhistorisches Museum eröffnet. Und 2009 war es kurze Zeit wieder als Museum im Gespräch, um als Landesmuseum für Ethnologie zu dienen.

Damals war der im Jahr 2011 erfolgte Auszug der Institute der Biologischen Fakultät der Grund, neue Nutzungsmöglichkeiten für den Bau neben dem Bahnhof zu suchen und die kostbaren Exponate der Ethnologischen Sammlung angemessen unterzubringen.

Die Pläne der Vergangenheit zeugen also von den Möglichkeiten für die Zukunft.

Umso mehr kann man sich, nachdem die Juristen die Bleibeverhandlungen für ihr Institut im Auditorium erfolgreich geführt haben, nun über die neuen Bedenken gegen die neuen Pläne wundern: Schlechte Lage, hohe Kosten, zu wenig Besucher werden ins Feld geführt. 

Es scheint, dass lieber das Haar in der Suppe gesucht wird als die Schätze der Universität in einem Haus zu finden.

Angela Brünjes