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Göttingen Neuer Verbund Gesellschaftlicher Zusammenhalt: Das Sofi forscht mit
Campus Göttingen Neuer Verbund Gesellschaftlicher Zusammenhalt: Das Sofi forscht mit
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18:00 02.04.2020
Sofi-Direktor Berthold Vogel: der neue Forschungsverbund ist eine große Chance. Quelle: R
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Göttingen

Das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) nimmt am 1. Juni seine Arbeit auf. Auch das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) gehört zum bundesweiten Verbund. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat entschieden, das neue Institut für zunächst vier Jahre zu fördern.

 Anderthalb Jahre wurde das Konzept für das neue Institut erarbeitet, nun bekommt das FGZ in Zeiten der Corona-Pandemie weitere Bedeutung und Relevanz. „Die Förderentscheidung für ein bundesweites Institut, das den gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Mittelpunkt der Forschung rückt, ist eine große Chance. Denn die aktuelle Krise und ihre absehbar tiefgreifenden Folgen für die Arbeits- und Lebenswelt fordern gerade alle Gesellschaftsmitglieder heraus“, sagt Prof. Berthold Vogel, Direktor des Sofi. „Die Krise benötigt soziologische Diagnostik und den Dialog von Wissenschaft und Öffentlichkeit – vor Ort, aber auch mit Blick auf Europa und im internationalen Maßstab.“ Die Aufbauphase sei genutzt worden, um gemeinsame Projekte mit den weiteren Standorten des FGZ zu planen und zu verabreden.

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Was fördert Zusammenhalt in der Krise

Schwerpunkt der Sofi-Forschung für den neuen Verbund werde zum einen die Frage sein, welche Rolle die Erwerbsarbeit und ihre Gestaltung für das Miteinander in der Gesellschaft spiele. Dabei stehen angesichts der aktuellen Krise auch veränderte Praktiken des Zusammenwirkens von Arbeit und Leben im Fokus einer großangelegten qualitativen Panelbefragung. Die Auswirkungen der Pandemie beträfen beruflich-soziale Statusgruppen in unterschiedlicher Weise. „Was fördert Zusammenhalt in der Krise, was führt zu Entsolidarisierung? Das wird eine entscheidende Zukunftsfrage sein“, so Dr. Natalie Grimm, Leiterin des Panelprojekts.

Zum anderen nimmt Sofi-Forschung im FGZ die Qualität öffentlicher Güter in den Blick. Das gilt für den Bereich der Gesundheits- und Pflegedienste, aber auch für öffentliche Verwaltung und die Daseinsvorsorge im Allgemeinen. „Gerade die Pandemie ruft uns ins gesellschaftliche Bewusstsein, wie wichtig öffentliche Güter für die Reaktions- und Handlungsfähigkeit einer Gesellschaft sind“, so Vogel. Die Menschen seien wichtig, die vor Ort im Dienste der Gesundheit, der Pflege und der Notfallversorgung stehen. Hier entstehe Zusammenhalt konkret.

70 Teilprojekte

Das FGZ ist ein Verbund aus elf Hochschul- und Forschungsinstituten, die in zehn verschiedenen Bundesländern angesiedelt sind und dadurch auch die regionale Vielfalt gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland in den Blick nehmen. Zusammen sollen die mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus vielen verschiedenen Disziplinen praxisrelevante Vorschläge erarbeiten, die dazu beitragen, gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen. Sie decken Aspekte wie Identitäten und regionale Erfahrungswelten, Ungleichheiten und Solidarität, Medien und Konfliktkultur, Polarisierung und Populismus, aber auch Antisemitismus und Hasskriminalität ab und erforschen diese im europäischen Vergleich und darüber hinaus.

In der anderthalbjährigen Vorphase, in der das Gründungskonzept für das Institut erarbeitet wurde, wurde ein Forschungs- und Transferprogramm mit mehr als 70 Teilprojekten und institutsübergreifenden Arbeitsbereichen entwickelt.

Elf Verbundmitglieder

Neben dem Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen gehören die Universität Leipzig, die Technische Universität Berlin sowie die Universitäten Bielefeld, Bremen, Frankfurt, Halle-Wittenberg, Hannover, Konstanz sowie das Leibniz-Institut für Medienforschung Hamburg und das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena zu dem Verbund.

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Von chb

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