Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Neues Institut nach Wöhler benannt
Campus Göttingen Neues Institut nach Wöhler benannt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:04 18.10.2019
Prof. Franc Meyer (Dekan), Prof. Lutz Ackermann (WISCh), Vizepräsident Prof. Norbert Lossau bei der Eröffnung des WISCh. Quelle: Trzeciok / r
Anzeige
Göttingen

Die Fakultät für Chemie der Universität Göttingen hat am Freitag ein neues Institut eröffnet: Das Friedrich-Wöhler-Forschungsinstitut für Nachhaltige Chemie wird Lutz Ackermann leiten. Seinem Team stehen neue Labor- und Messbereiche zur Verfügung. Auf knapp 300 Quadratmetern sind sie einem alten Gebäudeteil des Fakultätsgebäudes auf dem Nordcampus entstanden.

Das von Friedrich Wöhler (1800-1882) entdeckte Aluminium ist bis heute ein wichtiger Werkstoff. Um nachhaltige Chemie sollen sich Forschung und Lehre im neuen Friedrich-Wöhler-Forschungsinstitut drehen. Aspekte der nachhaltigen Photochemie, die Nutzung von Kohlenstoffdioxid als Rohstoff sowie der Beitrag der Elektrochemie zu Energiewende und Klimaschutz waren vor der Eröffnung die Themen von drei Referenten, um die Schwerpunkte des Instituts der Fakultät für Chemie darzustellen.

Neue Räume im Turm

WISCh lautet die Abkürzung für Wöhler-Research-Institute for Sustainable Chemistry. Es ist in einem der Türme des Fakultätsgebäudes an der Tammannstraße untergebracht. Die Räume auf 300 Quadratmetern sind weitestgehend fertiggestellt, die Labore eingerichtet. Ackermann geht davon aus, dass er in wenigen Wochen dort die Arbeit aufnehmen. Für die Baumaßnahmen der Fakultät auf dem Nordcampus sieht das anders aus. Deren Sanierung von Grund auf mit Modernisierung und Neubauten wird noch zehn Jahre benötigen, so Prof. Norbert Lossau, Vizepräsident für Infrastrukturen der Universität Göttingen. Die für das „aktuell größte Bauvorhaben“ der Hochschule kalkulierten 100 Millionen Euro Baukosten werden nach Angaben von Lossau deutlich höher ausfallen: die Kostensteigerung im Baugewerbe ist der Grund.

Für das WISCh sind nach Angaben der Fakultät 1,2 Millionen Euro eingesetzt worden. Lossau betonte in seiner Rede zur Eröffnung, die Fakultät schlage mit der Eröffnung dieses Instituts den Bogen von den historischen Wurzeln der Göttinger Chemie „als einer sich aus dem klassischen Fächerkanon emanzipierenden zentralen Naturwissenschaft in die heutige Zeit, und in eine notwendige Fokussierung auf ein zukunftsweisendes Forschungsgebiet für die Zukunft.“

Umweltverträgliche Prozesse

Das Forschungsgebiet könne aktueller nicht sein, so Lossau. Nachhaltige Chemie solle dabei helfen, ressourcenschonende und umweltverträgliche Prozesse und innovative chemische Produkte zu entwickeln, die Grundlage für eine nachhaltig agierende, moderne Gesellschaft sind. Die Universität verstärke den Bereich nicht nur baulich, sondern auch personell. Juniorprofessorin Nathalie Kunkel hat den Ruf der Universität angenommen. Seit Januar ist sie am Institut für Anorganische Chemie tätig. Zuvor war Kunkel an der TU München tätig.

Prof. Ackermann, der 2017 mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet wurde, erklärte als Sprecher des neuen Instituts, dieses solle Forschung und Ausbildung als Schwerpunkt haben. Wichtig sei dabei die Kooperation über das Fach Chemie hinaus. Es gehe darum, die Disziplinen zu verbinden und mit Institutionen weltweit zusammenzuarbeiten. In seinem Vortrag zur Vorstellung der Aufgaben des WISCh stellte Ackermann das unter anderem am Beispiel der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Erforschung der Infektionskrankheit Malaria dar.

Wöhler, der von 1836 bis 1882 in Göttingen tätig war, lebte, forschte und lehrte im Chemischen Laboratorium an der Hospitalstraße. Von 1783 bis in die 1950er-Jahre wurde das Haus von der Fakultät für Chemie genutzt, dann für andere universitäre Zwecke genutzt. Seit 2004 ist das Gebäude in Privatbesitz. Am Donnerstag ernannte die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) das Alte Chemische Laboratorium zur „19. Historischen Stätte der Chemie“.

Friedrich Wöhler (1800-1882)

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker(GDCh) zeichnet seit 1999 „Historische Stätten der Chemie“ aus. Am 17. Oktober wurde das Alte Chemische Laboratorium der Universität Göttingen dazu ernannt. In dem 1783 errichteten Gebäude waren sechs bekannte Chemiker Direktoren: Gmelin, Stromeyer, Wöhler, Hübner, Meyer und Wallach. Friedrich Wöhler (1800-1882) kam 1836 nach Göttingen. Gleich zu Beginn setzte Wöhler sich dafür ein, dass das Fach nicht wie geplant an die Philosophische Fakultät wechselte, sondern an der Medizinischen Fakultät verblieb. Damit war das Fach in den Naturwissenschaften angesiedelt. Wöhler sorgte auch für eine verbesserte Ausbildung der Studierenden nach dem Vorbild des Unterrichts des Gießener Chemieprofessors Justus Liebig. Der Erfolg von Wöhlers Lehre und Forschung führte zu einer Erweiterung des Gebäudes. Im Neubau war auch Wöhlers Privatlaboratorium, wo er auf dem Gebiet der anorganischen Chemie experimentierte. 45 Jahre war er Direktor des Göttinger Chemischen Laboratoriums. Über dieses und seine Direktoren informiert eine neue Broschüre der Gesellschaft Deutscher Chemiker (www.gdch.de/historischestaetten).

Von Angela Brünjes

Eine Ausstellung über Theodor Fontane und vier Lesungen stehen auf dem Literaturherbst-Programm der Universität Göttingen. Forscherin Gabriele Radecke spricht mit Fotograf Lorenz Kienzle über Fontane.

18.10.2019
Göttingen Göttinger Fakultät für Chemie Ehrung für Chemiker des 19. Jahrhunderts

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker hat das ehemalige Laboratorium an der Hospitalstraße zu einer „Historischen Stätte der Chemie“ ernannt. Geehrt werden damit auch die Verdienste von Göttinger Chemikern.

17.10.2019

Wissenschaftler der Universität Göttingen und der Universität Bayreuth haben eine neue Methode entdeckt, um Abstände zwischen Laserblitzen zu verändern. Dadurch eröffnen sich neue Anwendungsmöglichkeiten.

17.10.2019