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Göttingen Neues Netzwerk für Postdocs in Göttingen
Campus Göttingen Neues Netzwerk für Postdocs in Göttingen
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12:45 21.03.2018
Auftaktveranstaltung zum neuen Göttingen Campus Postdoc-Netzwerk v.l.: James Daniel (MPI EM), Rituparna Chakrabarti (UMG) und Vinodh Ilangovan
Auftaktveranstaltung zum neuen Göttingen Campus Postdoc-Netzwerk v.l.: James Daniel (MPI EM), Rituparna Chakrabarti (UMG) und Vinodh Ilangovan Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Göttingen

Mitstreiter gesucht: Das neue Postdoc-Netzwerk mit dem noch etwas sperrigen Titel „Göttingen Campus Postdoc Community“ hat göttingenweit seine Tätigkeit aufgenommen. Es soll den Postdoktoranden aller Wissenschaftseinrichtungen ein Forum bieten, über das sie sich austauschen können.

Heterogene Gruppe von Wissenschaftlern

Postdocs sind eine schwer zu fassende Gruppe von Wissenschaftlern. Der Begriff bezeichnet eine Art wissenschaftliche Orientierungsphase: sich einige Jahre nach der Promotion mit eigenen Forschungsprojekten zu profilieren und dann in eine feste Stelle zu rutschen. Vereinfacht kann man sagen, dass Postdocs all jene Wissenschaftler sind, die nach abgeschlossener Promotion, aber mit der Unsicherheit befristeter Verträge weiter Forschung betreiben, in manchen Fällen über Kettenverträge bis zur Pensionierung. Entsprechend heterogen ist diese Gruppe. Man gehe von rund 1500 Postdocs in den Göttinger Wissenschaftseinrichtungen aus, so Camille Couralet. Zum Vergleich: Allein an der Universität gab es 2016 rund 3800 Doktoranden.

Couralet ist im Campus Office der Universität für den Kontakt zwischen Universität und den anderen Wissenschaftseinrichtungen zuständig und begleitet auch den Aufbau des Postdoc-Netzwerks. Vor zwei Jahren begann dieser Prozess mit Postdocs, die von der Sinnhaftigkeit eines solchen Netzwerks überzeugt sind: „Als ich in Göttingen meine Promotion gemacht habe, gab es über die Graduiertenschulen eine gute Community“, sagt Vinodh Ilongovan, Postdoc am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Als Postdoc sei dieser Austausch unter Gleichen verlorengegangen, man arbeite mehr oder weniger isoliert an seinen Projekten, es fehle ein Ort des Austauschs untereinander.

Unklarheiten und Unsicherheiten

Ein Gefühl, das viele Postdocs teilen. Dabei gibt es Unklarheiten und Unsicherheiten, wenn die Promotion abgeschlossen ist und es als Postdoc weitergeht: etwa bei Themen wie Anträge schreiben, Vertragsverhandlungen oder Karriereentwicklung.

„Es ist eine ständige Herausforderung, Postdocs zu erreichen“, macht auch Camille Couralet deutlich. Sie haben kaum Zeit und es gibt den Druck von oben. Die Projektleiter der Postdocs seien nicht immer begeistert, wenn man deren kostbare Zeit mit so etwas wie Netzwerkveranstaltungen in Anspruch nehmen wolle. Doch die Universität sieht deutliche Vorteile eines solchen Netzwerks – für die Karriere der Postdocs innerhalb und außerhalb der Wissenschaft auf der einen Seite, für die Hochschule auf der anderen, wie Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel auf der Auftaktveranstaltung des Netzwerks sagte.

Stärker wertschätzen

„Postdocs sind kreativ, unabhängig, kritische Denker und spielen im Wissenschaftssystem eine große Rolle“, so Beisiegel. Dem bestehenden Eindruck, dass Postdocs „moderne Sklaven“ seien, müsse man entgegentreten und sie als Gruppe stärker wertschätzen. Man profitiere zudem von ihnen, schließlich hätten sie frische Ideen, die Universität zu einem besseren Ort zu machen.

Zum Auftakt hatte die Universität Gäste des EMBL aus Heidelberg eingeladen. Das EMBL ist eine aus sechs in Europa verteilten Instituten bestehende Gruppe von Forschungseinrichtungen der Life-Sciences. Dort hat man bereits seit 2006 ein eigenes Postdoktorandennetzwerk. „Wir sind in unserer Tätigkeit deswegen erfolgreich“, betont Postdoc-Sprecherin Arina Rybina, „weil wir mit allen reden und alle Postdocs mitziehen.“

Bereits 400 Interessierte

Die Universität hat mit dem Netzwerk einen organisatorischen Rahmen aufgespannt – nun liegt es an den Postdocs, sich auch einzubringen. Postdocs können sich über die Website des Göttingen Campus niederschwellig in einer Mailingliste eintragen, über die regelmäßig Informationen verschickt werden – aktuell stehen auf der Liste bereits um die 400 Interessierte.

„Wir haben ein Komitee aus Postdoc-Vertretern. Dieses ist ein offenes Forum, das sich einmal monatlich trifft und zu dem jeder kommen kann, der möchte“, sagt Camille Couralet. Diese Gruppe soll nun Themen identifizieren, die für Postdocs wichtig sind und die in entsprechende Veranstaltungen gipfeln sollen – zum Auftakt ging es um beispielsweise um Unternehmensausgründung.

Von Sven Grünewald

24.03.2018
23.03.2018