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Göttingen Neues Zentrum für Indienstudien eröffnet
Campus Göttingen Neues Zentrum für Indienstudien eröffnet
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19:16 26.11.2010
Haben Indien im Blick: R. Ahuja, N. Sundar, B. B. Bhattacharya, von Figura, Josef Lange, R. Shevgaokar, Hiltraud Casper-Hehne.
Haben Indien im Blick: R. Ahuja, N. Sundar, B. B. Bhattacharya, von Figura, Josef Lange, R. Shevgaokar, Hiltraud Casper-Hehne. Quelle: SPF
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Die Einrichtung verfügt über sechs Professorenstellen, von denen drei noch nicht besetzt sind. Den Dozenten stehen jeweils ein bis drei Mitarbeiter zur Seite. Das Land stellt für den Betrieb in den kommenden fünf Jahren fünf Millionen Euro zur Verfügung. „Für Geisteswissenschaften ist das eine ungewöhnlich große Summe“, hebt Dr. Josef Lange, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, hervor. Das Land setze „bewusst einen Schwerpunkt“.

„Die Universität gibt für die notwendige Infrastruktur in den kommenden fünf Jahren weitere zwei Millionen Euro dazu“, ergänzt Universitätspräsident Prof. Kurt von Figura. Sitz des Cemis ist die alte Pädagogische Hochschule im Waldweg, wo bereits das Seminar für Indologie und Tibetologie untergebracht ist. Die Gründung des Zentrums erfolge nicht auf Kosten des bereits bestehenden Seminars, betont Cemis-Direktor, Prof. Ravi Ahuja. Das Zentrum wünsche sich sogar, dass die Indologie weiter ausgebaut werde. Ohne Sprachkenntnisse seien Wissenschaftler nicht in der Lage die zahlreichen indischen Zeitungen auszuwerten. Der Universitätspräsident erklärt, dass die Hochschule das Seminar durch alle Kürzungsrunden hinweg erhalten habe.

Von dem neuen Zentrum erwartet sich von Figura eine Beratung der Politik und großer Institutionen. Auch Unternehmer sollen von den Erkenntnissen des Cemis profitieren, betont Staatssekretär Lange. Für eine Exportnation wie Deutschland sei Indien mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern und seiner rasant wachsenden Wirtschaft ein wichtiger Partner. Deutsche Unternehmen investieren beträchtliche Summen auf dem Subkontinent. So habe Volkswagen im Vorjahr ein Werk in der indischen Stadt Pune eröffnet.
Mit der Universität von Pune kooperiert das Cemis. Vizekanzler Prof. Dr. Raghunath Shevgaonkar kam ebenso zur Eröffnung des Zentrums nach Göttingen wie Prof. Nandini Sundar, die Dekanin der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Delhi.

„Das neue Zentrum befasst sich mit der Frage, wie Indien den gesellschaftlichen Wandel bewältigt“, erläutert Direktor Ahuja. Das Land sei hinsichtlich der Volksgruppen, Sprachen, Kulturen und Religionen sehr vielfältig. Gleichzeitig sei der Reichtum ungleich verteilt. Das Cemis erforsche unter anderem die Geschichte der Infrastruktur und der Unternehmen. Ein Kollege befasse sich mit der Rolle von Mikrokrediten bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Eine Professorin betrachte das öffentliche Gesundheitssystem aus ethnologischer Sicht. Untersucht werden soll auch der Zusammenhang zwischen Niedrigkastigkeit und Bekehrungen zu anderen Religionen.

Besonderes Gewicht legt das Zentrum nach Darstellung von Direktor Ahuja auf die Zusammenarbeit mit Partnern in Indien. „Indien investiert große Summen in den Ausbau des Bildungssystems“, berichtet Universitätspräsident Figura. Die Göttinger kooperieren aber auch mit Einrichtungen vor Ort wie dem neuen Max-Planck-Institut für multireligiöse und multiethnische Gesellschaften, das sich ebenfalls mit Indien befasst.

Mit Eröffnung des Zentrums bietet Göttingen einen neuen deutschsprachigen Bachelor- und einen englischsprachigen Masterstudiengang an. Die Masterstudenten verbringen ihr drittes Semester in Indien. Außerdem soll es Promotionsprogramme geben.
Das Interesse ist nicht einseitig, stellt Bhattacharya aus Neu Delhi klar. Sein Land baue seit einiger Zeit die Kontakte zur nicht englischsprachigen Welt aus. Die Bundesrepublik stehe dabei als hochentwickeltes und wirtschaftlich starkes Land „an der Spitze“. An seiner Universität existiere bereits ein Zentrum zur Erforschung Deutschlands. Indische Studenten würden Deutsch lernen.

Von Michael Caspar