Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Nierenkrebsstudie: Neue Untersuchungen gefordert
Campus Göttingen Nierenkrebsstudie: Neue Untersuchungen gefordert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:06 11.07.2011
Uniklinikum: Die Abteilungen Urologie und Nephrologie waren an der Studie beteiligt.
Uniklinikum: Die Abteilungen Urologie und Nephrologie waren an der Studie beteiligt. Quelle: Hinzmann
Anzeige

Die Studie zur Wirksamkeit einer Impfung gegen Nierenkrebs mit Göttinger Beteiligung aus dem Jahr 2000 hatte bis 2005 für Aufregung gesorgt. Bald nach ihrer Veröffentlichung wurden die Daten angezweifelt. Ein von der Universität Göttingen beauftragtes Ombusgremium sah 2002 grobe Fahrlässigkeit vom Erstautor Dr. Alexander Kugler als erwiesen an.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) beschäftigte sich ebenfalls mit dem Fall und erteilte 2005 dem Leiter der klinischen Studie, dem Direktor der Urologie an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Prof. Rolf-Hermann Ringert, eine Rüge wegen des Verstoßes gegen die gute wissenschaftliche Praxis.

Zwirner, bis 2007 Immunologe und außerplanmäßiger Professor an der Göttinger Universität, hält die Sache für nicht abgeschlossen. Beisiegel, die von 2005 bis 2010 Ombudsfrau der DFG war, solle sich kritischen Fragen in dieser Angelegenheit stellen. Zwirner ist in verschiedenen Verfahren für die Einhaltung der guten wissenschaftlichen Praxis aktiv. Er kritisiert unter anderem, dass die Universität nur den Erstautor für die Mängel verantwortlich gemacht habe, nicht aber den Seniorautor Ringert.

Beisiegel teilt diese Einstellung nicht. Soweit sie bisher Einsicht in den Fall habe, sei „Ringert genau für diese Dinge gerügt worden“. Für die Mängel, die die DFG als Falschangaben wertete, trage Ringert die Mitverantwortung, so damals die Begründung für die Rüge. Ringert wurde unter anderem ein achtjähriges Antragsverbot bei der DFG auferlegt. Das Verfahren zwischen Universität und DFG „ist prinzipiell ein abgestimmtes Verfahren gewesen,“ so Beisiegel. Insofern verstehe sie die Bedenken von Zwirner nicht. Trotzdem werde sie sich diese Sache noch einmal anschauen.

Ein weiterer Kritikpunkt von Zwirner ist die veröffentlichte Zahl von 17 Patienten, die an der Studie beteiligt gewesen wären. Laut Zwirner seien rund 500 Patienten mit dem Impfstoff – vom Würzburger Professor Ulrich Zimmermann damals „Göttinger Gebräu“ getauft – behandelt worden. Das sei illegal, da diese hohe Patientenzahl nicht von der Ethik-Kommission der Universität abgesegnet war. „Das ist für mich der wichtigste Bereich“, sagt Beisiegel. Hier müsse geprüft werden, woher und von wem diese Zahlen stammen. Und ob sich daraus ein Anlass ergäbe, noch einmal zu agieren. Bis zum Herbst, so Beisiegel, könne die Überprüfung allerdings noch andauern.

Von Christiane Böhm