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Göttingen Nordcampus Göttingen: Zwei neue Blockheizkraftwerke
Campus Göttingen Nordcampus Göttingen: Zwei neue Blockheizkraftwerke
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19:07 23.01.2019
Montage des Schornsteins am Blockheizkraftwerk an der UMG Schornstein für UMG-Blockheizkraftwerk Quelle: r
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Göttingen

Die Universität Göttingen hat am Nordcampus mit dem Bau von zwei Blockheizkraftwerken begonnen. Langfristig sollen vier kleinere Kraftwerke das große Heizkraftwerk in Weende ersetzen und so eine dezentralere Energie- und Wärmeversorgung ermöglichen.

In einem Blockheizkraftwerk (BHKW) nutzt ein Generator zum Beispiel Gas zur Stromproduktion. Gleichzeitig wird mit der entstehenden Abwärme Wasser erhitzt. Das heiße Wasser kann dann als Fernwärme zum Heizen von Gebäuden genutzt werden. Dieser Prozess wird als „Kraft-Wärme-Kopplung“ bezeichnet. „Ein BHKW hat den Vorteil, dass es Strom und Wärme mit einem hohen Wirkungsgrad erzeugt“, erklärte Christian Gemm, Betriebsleiter des Heizkraftwerks der Uni Göttingen. Als Wirkungsgrad wird das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag beschrieben: Je mehr nutzbare Energie aus einem Energieträger gewonnen werden kann, desto höher ist der Wirkungsgrad. „Während Großkraftwerke bei der Stromerzeugung einen Wirkungsgrad von maximal 50 Prozent erreichen, schafft ein BHKW 90 Prozent“, sagte Gemm.

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Heizkessel für extrem kalte Tage

In der Umgebung des Nordcampus sind zwei Blockheizkraftwerke geplant: Das erste am Burckhardtweg, später folgt ein weiteres an der Goldschmidtstraße. Damit würden Energie und Wärme wesentlich näher an den Gebäuden der Universität produziert werden und der Transportverlust könne verringert werden, erläuterte Gemm. Insgesamt könne die Universität zwischen 50 und 70 Prozent ihres Bedarfs an Wärme und Energie durch die BHKW selbst decken. Wie viel genau, werde sich nach der Länge der Heizperiode richten, so Gemm. Im Normalfall würden die BHKWs die Grundlast der Wärmeproduktion tragen. Im Fall von extremer Kälte würden Heizkessel bereitstehen, um die notwendige Wärme zu erzeugen.

Hintergrund sei das „Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz“ (EEWG): Es legt Quoten für bestimmte Energieträger fest, so Gemm. Die Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung sei eine Möglichkeit, die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Aber auch ohne das Gesetz würde sich die Nutzung von effizienten BHKWs für die Universität wirtschaftlich lohnen, erklärte Gemm. Mit der Fertigstellung rechne die Universität Ende kommenden Jahres, teilte Gemm mit. Danach verfüge das Energie- und Wärmenetz der Universität über drei kleinere und ein mittleres Kraftwerk – bisher war es ein großes. Dies stelle eine Verbesserung der Versorgungssicherheit dar, wenn beispielsweise Reparaturen notwendig sind, erläuterte Gemm.

Heizung und Strom für das Klinikum

Im November vergangenen Jahres wurde am Göttinger Universitätsklinikum hinter der Feuerwache bereits das erste der vier neuen Kraftwerke in Betrieb genommen. Das BHKW produziert 4,75 Megawatt Wärmeenergie und 4,5 Megawatt elektrische Energie. Kern der Anlage ist ein gasbetriebener 16-Zylinder-Motor mit 272 Liter Hubraum. Das BHKW deckt damit gut 50 Prozent des Strombedarfs des Klinikums und die Grundlast der Wärmeversorgung. Mit der im Kraftwerk produzierten Abwärme werden unter anderem die Räumlichkeiten des Klinikums beheizt und das Trinkwasser erwärmt. Durch das BHKW würden jährlich 6500 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen eingespart werden, teilte das Universitätsklinikum mit.

Das Heizkraftwerk der Göttinger Universität an der Rudolf-Diesel-Straße gehört mit seinem 78 Meter hohen Schornstein zu den markantesten Gebäuden Göttingens. Ursprünglich verbrannte das 1967 in Betrieb genommene Kraftwerk Schweröl. 1996 wurde das Heizkraftwerk auf Kraft-Wärme-Kopplung umgestellt und galt damals als sehr fortschrittlich. In den kommenden drei Jahren soll die Gasturbine des Kraftwerks nach mehr als 25 Jahren Betriebszeit ausgetauscht werden.

Von Max Brasch

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