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Göttingen Hochschulgruppen gegen Abtreibungsgegner
Campus Göttingen Hochschulgruppen gegen Abtreibungsgegner
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12:28 04.05.2019
Ein sieben Wochen alten Fötus in einer Fruchtblase. Quelle: dpa
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Göttingen

Die nach eigenen Angaben christliche Göttinger Hochschulgruppe Reformatio 21 plant eine Vortragsveranstaltung für Mittwoch, 8. Mai. Zwischen 19 und 21 Uhr soll der Referent Michael Kiworr sprechen. Der Titel des Abends: „Ein Baby im Bauch – ein Recht auf Leben?“. Wer über wessen Körper verfügt, und wer welche Wahlmöglichkeiten hat, darüber will der Gynäkologe Kiworr sprechen und berichten, was im Körper einer schwangeren Frau passiert. Thema soll auch sein, welche Rechte und Verpflichtungen sich aus einer Schwangerschaft ergeben.

Angeblichen Traumatisierung durch Abtreibungen

Ursprünglich sollte Kiworr im Auditorium, Audi 11, sprechen, so die Planung von Reformatio 21. Dagegen wenden sich andere Gruppierungen mit ihrem offenen Brief. Die Veranstalter erweckten zwar „einen Eindruck von (wissenschaftlicher) Objektivität bei der Stellung dieser rhetorischen Frage“, über ihre „pseudowissenschaftliche Methodik zur Begründung ihrer ideologisch verwurzelten Antwort“ sei aber aus der Vergangenheit genug bekannt. Dem Referenten Kiworr, Mitglied der christlichen Organisation „Ärzte für das Leben“, werfen die Kritiker vor, er habe noch Mitte 2018 in einer Stellungnahme zur §219a-Debatte mit einer angeblichen Traumatisierung durch Abtreibungen argumentiert. Dabei ignoriere er Studien, die einen Zusammenhang zwischen Abtreibung und psychischen Problemen widerlegten.

 „Eine derartige Veranstaltung hat in den Räumlichkeiten einer Universität nichts verloren“, meinen die Unterzeichner des Briefes. Sie appellieren an die Universitätsleitung, die Veranstaltung an der Universität zu verhindern. „Im Sinne des guten Rufes der Georg-August-Universität Göttingen bitten wir sie daher, der Reformatio 21 nicht diesen Platz zu geben und keine Räumlichkeiten für Veranstaltungen dieser Art mehr zur Verfügung zu stellen.“

Zur Göttinger Heilsarmee verlegt

Bereits im vergangenen Oktober hatte Reformatio 21 eine ähnliche Veranstaltung in einem Raum der Universität geplant. Die allerdings hatte das ausgeschlossen, woraufhin die Organisatoren den Abend zur Göttinger Heilsarmee verlegt. Auch diesmal bahnt sich Ähnliches an. Wie schon im vergangenen Jahr begründet die Universitätsleitung mit gleichem Wortlaut: „Bei der beantragten Veranstaltung handelt es sich um eine weltanschauliche Veranstaltung, die nicht auf die Hochschulöffentlichkeit beschränkt ist, sondern sich ausdrücklich an eine breite Öffentlichkeit richtet. Da diese Veranstaltung zudem nicht in Kooperation mit der Universität stattfindet und ihr Thema keinen überwiegenden Bezug zur Universität oder ihren Angelegenheiten aufweist, erfolgt nach den einschlägigen Bestimmungen keine Raumüberlassung.“

Wo Reformatio 21 nun mit dem Referenten Kiworr auftaucht, ist bislang unklar. Der Ort soll laut der Facebook-Seite von Reformatio 21 „ein bis zwei Tage vor der Veranstaltung“ bekannt gegeben werden.

Auf die Aussage der Uni haben die Unterzeichner inzwischen reagiert: „Falls der Raum aberkannt wurde, begrüßen wir diese Entscheidung der Unileitung; falls er ihnen nie zugesprochen worden war, ist der Unileitung in dieser Hinsicht natürlich nichts vorzuwerfen“, heißt es in einen Nachtrag zum Offenen Brief vom Freitag. „Was wir über die Veranstaltung an sich geschrieben haben, gilt unverändert: Es handelt sich hier nicht einfach um eine Meinungsäußerung, schon gar nicht um eine wissenschaftliche, sondern um den Versuch des Verbreitens einer reaktionären, misogynen Ideologie.“

Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören: Alternative Linke Liste, die Basisgruppen Geschichte, Germanistik, Jura, Medizin, Theologie, Mathematik, Informatik, Biologie, die Redaktionsgruppe Radikarla, die Grüne Hochschulgruppe, Juso-Hochschulgruppe, der Fachschaftsräte von Philosophischer Fakultät, Sozialwissenschaftlicher Fakultät Fachschaftsrat und der Fakultät für Mathematik und Informatik.

Der Artikel wurde am 4. Mai um die Angabe der Unterzeichner und dem Nachtrag zum Offenen Brief ergänzt.

Von Peter Krüger-Lenz und Michael Brakemeier

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