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Göttingen Ostsee-Härtetest für Kiteboard aus Carbon
Campus Göttingen Ostsee-Härtetest für Kiteboard aus Carbon
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19:23 06.09.2009
Trendsport Kiteboarding: Die Bretter müssen extrem belastbar sein.
Trendsport Kiteboarding: Die Bretter müssen extrem belastbar sein. Quelle: Fotolia
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Das Thema haben die Studenten selbst gewählt. „Viele Kompetenzen im Bereich CFK drehen sich um Fluggeräteentwicklung und -bau“, berichtet Bachelorstudentin Christina Quelle. „Das Einsatzspektrum für CFK ist aber sehr viel breiter. Deshalb haben wir uns nach einem anderen Anwendungsbeispiel umgesehen.“

Der kohlenstofffaserverstärkte Kunststoff gilt als Werkstoff der Zukunft. In der Luft- und Raumfahrt, im Fahrzeug- und Maschinenbau gibt es zahlreiche Einsatz- und Einsparmöglichkeiten. Bei gleicher Festigkeit sind CFK-Bauteile beispielsweise rund 30 Prozent leichter als das bislang häufig verwendete Aluminium.
Diese Vorteile werden auch im Bereich der Sportgeräte zunehmend berücksichtigt. Bei Fahrradrahmen ist Carbon mittlerweile ebenso als Material im Einsatz wie bei Surf- oder Golfzubehör.

Die Verwendung für ein Kiteboard lag für die Arbeitsgruppe von Prof. Marc Siebert also nahe. Noch in dieser Saison soll der Prototyp zu Wasser gelassen werden. Im September wird der Pilot Artur Poniatowski (25), Mitglied der Projektgruppe und seit mehr als fünf Jahren Kiteboarder, bei einer Veranstaltung auf Rügen das Brett testen.
Dann wird seit dem Projektstart rund ein Jahr vergangen sein: „Vor dem Einsatz des Brettes liegt ein langer Weg. Zunächst müssen Haltbarkeit, Materialmenge, Faserausrichtung und zahlreiche weitere Parameter berechnet werden, damit das Board am Ende auch hält, was es verspricht“, berichtet Masterstudent Jan Stefani über die Startphase des Projekts. In zahllosen Versuchsreihen tüftelte die Gruppe die richtige Materialstärke aus, berechnete Faserausrichtungen der CFK-Matten, führte Belastungstests durch und erprobte verschiedene Fertigungsmethoden. Schließlich wird das Kiteboard in einem Autoklaven, einer Art überdimensionalem Ofen, gebacken.

Studenten sind CFK-Pioniere

Die meisten Studenten der Projektgruppe sind im 6. Semester des Bachelorstudiengangs „Verbundwerkstoffe/Composites“ eingeschrieben. Damit sind sie Pioniere: Einen Studiengang, der sich so intensiv mit dem Werkstoff CFK beschäftigt, gab es vorher in ganz Europa noch nicht. Unterstützt werden sie von berufserfahrenen Masterstudenten. Auch Prof. Siebert ist als Gründer von zwei Unternehmen, die sich mit Entwicklung und Produktion von Reha- und Sportgeräten beschäftigen, mit der Praxis vertraut. Die von ihm entwickelten Rennradrahmen aus Carbon zum Beispiel zählen mit 700 bis 800 Gramm zu den leichtesten, die es zu kaufen gibt. Das komplette Rad wiegt knapp fünf Kilo.

Profitiert haben die Stader Studenten bei ihrer Entwicklung zudem von mehreren Partnerunternehmen der Hochschule. Teile des Materials für das Board kamen vom Unternehmen Evonik, für die technische Verarbeitung konnten die Studierenden auf Produktionstechnik von Airbus zurückgreifen. Das Stader Airbuswerk liegt direkt neben dem Hochschulgebäude.

jes