Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Paarleben als Sprungbrett: Solisten avancieren zu Gruppen-Experten
Campus Göttingen Paarleben als Sprungbrett: Solisten avancieren zu Gruppen-Experten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 18.12.2019
Dieser junge Rote Springaffe profitiert von der Fürsorge seines Vaters.
Dieser junge Rote Springaffe profitiert von der Fürsorge seines Vaters. Quelle: R
Anzeige
Göttingen

Solo, als Paar oder in Gruppen: Die verschiedenen Formen des Zusammenlebens bei Primaten seien nicht zuletzt deshalb interessant, weil sie „vielleicht auch etwas über unser eigenes Sozialleben verraten können“, heißt es in einer Mitteilung der Pressestelle des Deutschen Primatenzentrums/Leibniz-Institut für Primatenforschung (DPZ). Wie „die unterschiedlichen Gesellschaftsformen auseinander hervorgegangen“ und welche Faktoren dafür verantwortlich sind, habe ein Evolutionsbiologe des DPZ zusammen mit einem Kollegen aus Texas untersucht. Ihre Rekonstruktionen zeigten, dass die Entwicklung von einer einzelgängerischen Lebensweise hin zum Gruppenleben in der Regel über das Paarleben erfolge.

Im Laufe der Evolution hätten sich Arten immer wieder an veränderte Umweltbedingungen anpassen müssen. Eine Anpassungsmöglichkeit sei die Modifikation des Sozialverhaltens. Knapp die Hälfte aller Primatenarten lebe in Gruppen, ungefähr ein Drittel in Paaren, der Rest solitär. Warum sich diese Formen sozialer Komplexität entwickelt hätten, wie viele Übergänge es in welche Richtungen zwischen den Sozialsystemen im Lauf der Evolution gegeben habe und welche Faktoren zu diesen Übergängen geführt hätten, sei auf der Basis genetischer Daten und Verhaltensbeobachtungen von 362 Primatenarten analysiert worden.

Vorteile des Paarlebens für Männchen

Paarleben, das Zusammenleben von einem Männchen und einem Weibchen, nehme eine Schlüsselrolle bei den Überlegungen zur Evolution der Sozialsysteme der Säugetiere ein, „denn Männchen könnten einen deutlich höheren Fortpflanzungserfolg erzielen, wenn sie sich nicht an ein einziges Weibchen binden würden“, heißt es in der Mitteilung. „Evolutionsbiologen ringen schon lange darum, die Vorteile des Paarlebens für Männchen zu identifizieren“, sagt Peter Kappeler, Erstautor der Studie und Leiter der Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie am DPZ. Die beiden gängigen Hypothesen zur Entstehung von Paarleben, die Verteilung der Weibchen und die väterliche Fürsorge, „scheinen auf den ersten Blick“ nichts miteinander zu tun zu haben.

Peter Kappeler ist Erstautor der Studie und Leiter der Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie am DPZ. Quelle: R

„Tatsächlich weisen unsere Ergebnisse darauf hin, dass sich beide Faktoren ergänzen“, betont Kappeler. „Zunächst führte mutmaßlich eine ökologische Veränderung des Lebensraums dazu, dass sich die Weibchen stärker räumlich voneinander separierten und solitäre Männchen, in deren Streifgebiet vorher mehrere Weibchen lebten, sich als Folge nur noch auf ein Weibchen konzentrieren konnten. Die aus der Paarbildung resultierende väterliche Fürsorge erhöhte wiederum die Überlebenswahrscheinlichkeit der Nachkommen und stärkte damit das Paarleben.“

Kein Vergleich mit Paarbindung von Menschen

Der Übergang zum Gruppenleben sei durch eine Verbesserung der ökologischen Situation ermöglicht worden, die es meist verwandten Weibchen gestattet habe, in enger räumlicher Nähe zu leben. Ihnen hätten sich ein bis mehrere Männchen anschließen können. „Die für Menschen typische Paarbindung innerhalb größerer sozialer Einheiten, lässt sich mit unseren Ergebnissen allerdings nicht erklären, da keiner unserer jüngeren Vorfahren solitär lebte. Jedoch scheinen auch bei Menschen die Vorteile der väterlichen Fürsorge zu einer Stärkung der Paarbindung zu führen“, sagt Peter Kappeler.

Originalpublikation: Kappeler PM, Pozzi L (2019): Evolutionary transitions towards pair living in non-human primates as stepping stones towards more complex societies. Science Advances, Dezember 2019

Von Stefan Kirchhoff

Göttingen Auszeichnung der Gesellschaft für Nephrologie - Bluthochdruckforschung: Wissenschaftler aus Göttingen ausgezeichnet
18.12.2019
18.12.2019
Aktionsmesse in der Alten Mensa Göttingen - Kampf der Initiativen für eine bessere Welt
18.12.2019