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Göttingen Partnersuche bei Pilzen – und die ersten Spuren von Leben
Campus Göttingen Partnersuche bei Pilzen – und die ersten Spuren von Leben
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17:01 23.11.2019
Dr. Jan-Peter Duda erklärt den interessierten Teilnehmern Wissenswertes über Spuren von Leben, die sich aus Gesteinen herleiten lassen. Quelle: Markus Riese
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Göttingen

Zwei weitere Vorträge der Reihe „Saturday Morning Science“ haben am Sonnabend, 23. November, etwa 50 Schüler, Studierende und Erwachsene in den Hörsaal MN 14 der Fakultät für Geowissenschaften und Geographie auf dem Nordcampus der Universität Göttingen gelockt: Prof. Kai Heimel vom Institut für Mikrobiologie und Genetik sprach zunächst über die „Partnersuche bei Pilzen“; Dr. Jan-Peter Duda von der Geobiologie befasste sich danach mit den ersten Spuren von Leben auf der Erde – und insbesondere damit, wie sich diese aus Gestein rekonstruieren lassen.

Spagat zwischen unterhaltsam und informativ

Beide gaben sich sichtlich Mühe, die Vorträge nicht „zu wissenschaftlich“ werden zu lassen, sondern ein wenig aufzulockern. Heimel klärte zum Beispiel zunächst einmal darüber auf, was eigentlich Pilze sind und wie sie sich definieren. „Pilze wachsen zum großen Teil unter der Erde“, räumte er etwa mit dem weit verbreiteten Missverständnis auf, dass mit Pilzen nur die sichtbaren Fruchtkörper gemeint seien.

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Am Beispiel eines Luftbildes von einem Waldgebiet in Montana beschrieb er, dass sich einzelne Pilzorganismen hektarweise ausbreiten und „riesige Netzwerke“ bilden können, die zum Teil bereits mehrere Tausend Jahre alt seien. Eine interessante Erkenntnis beim Publikum dürfte auch gewesen sein, dass Pilze „deutlich näher mit den Menschen verwandt sind als mit Pflanzen“, so Heimel. Pilze und Tiere gehören demnach zur Gruppe der Opisthokonta. Auch auf die zentrale Rolle von Pilzen im Ökosystem ging der Professor ein. „Ohne ihre Beherrschung in der Landwirtschaft, etwa durch Fungizide, würden 70 Prozent unserer Ernten von Pilzen aufgefressen werden“, sorgte er für weitere Aha-Effekte – ehe er zum eigentlichen Thema kam, nämlich zu den „Beziehungsproblemen“ von Pilzen, und zwar sowohl untereinander als auch mit anderen Organismen.

Prof. Kai Heimel spricht über die "Partnersuche bei Pilzen". Quelle: Markus Riese

Immer wieder zog er hierzu Vergleiche und Analogien zu den Menschen heran. Dadurch wurde es zu keinem Zeitpunkt langweilig, als er sich über die „Erkennung von Geschlechtspartnern“ durch Kommunikation, unterschiedliche Paarungstypen oder „Stress auf zellulärer Ebene“ ausließ. Diesen verglich er übrigens, wiederum recht anschaulich, mit den Abläufen in einem Versandhaus.

Versteckte Spuren zum Beispiel in Öl

Ähnlich unterhaltsam gestaltete sich Dudas Vortrag „Once Upon A Time on Planet Earth“, der sich auf die Spuren frühesten Lebens auf der Erde begab. Dass es heute in unserer Atmosphäre Sauerstoff gebe und Menschen überhaupt hier existieren können, sei einzig und allein das „Produkt biologischer Prozesse“, betonte er – und machte damit auch gleich neugierig auf mehr.

Prof. Kai Heimel und Dr. Jan-Peter Duda gaben interessante Einblicke in die wissenschaftliche Forschung.

Längst sei bewiesen, dass es auch auf der „frühen“ Erde – und damit meinte Duda insbesondere die Zeit vor der sogenannten „Kambrischen Explosion“ vor 541 Millionen Jahren – Leben gegeben habe. Duda erklärte, wie präzise heute auch absolute Altersdatierungen vorgenommen werden können. Insbesondere ging er darauf ein, wie dies anhand von Gesteinen gelingt. „Versteckte Spuren frühen Lebens finden sich zum Beispiel in Öl“, so der Wissenschaftler. Hier gehe es darum, den Zusammenhang zwischen fossilen und biologischen, organischen Molekülen zu erkennen: „Jeder Organismus bildet organische Verbindungen“, erläuterte Duda. Daraus ließen sich viele Rückschlüsse ziehen.

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Insgesamt gebe es im Bereich der Geobiologie aber noch „viel Potenzial und Bedarf an weiterer Forschung“, schloss Duda seinen Vortrag: „Das ist nicht nur ein exotisches Briefmarkensammeln, was wir da tun.“

Gemeinschaftsprojekt

„Saturday Morning Science“ ist ein Gemeinschaftsprojekt junger Studierender der MINT-Fächer in Göttingen, der jungen Deutschen Physikalischen Gesellschaft (jDPG), dem Jung-Chemiker-Forum Göttingen, den Fachgruppen Biologie und Geowissenschaften sowie der Fachschaft Mathematik und Informatik.

Saturday Morning Science: Physik und Chemie am 30. November

In der Reihe „Saturday Morning Science“ folgen am 30. November von 10 Uhr an zwei weitere Vorträge – dann im Hörsaal MN 27 der Fakultät für Chemie an der Tammannstraße 4. Zunächst zeigt Prof. Thomas Waitz vom Institut für Anorganische Chemie in einem Experimentalvortrag, wie chemische Prozesse und Energie miteinander verknüpft sind. Den zweiten Vortrag des Vormittags hält von 11.30 Uhr Prof. Ansgar Reiners vom Institut für Astrophysik. Er erklärt unter der Überschrift „Warum sind wir allein im Universum?“, weshalb wir im Weltall bislang keine anderen Zivilisationen entdeckt haben – oder von anderen entdeckt worden sind. Eine Anmeldung für Einzelpersonen ist nicht erforderlich; größere Gruppen werden gebeten, vorab an jcf@chemie.uni-goettingen.de zu mailen. Die Teilnahme ist kostenlos, weitere Infos gibt es auf der Internetseite goettingen.jpdg.de/samosci19. Die Reihe richtet sich an Schüler, aber auch an interessierte Erwachsene. Im Anschluss an die Vorträge gibt es die Möglichkeit, Studierende zu ihrem Studium zu befragen.

Von Markus Riese

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