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Göttingen Vorreiter beim Klimaschutz gesucht
Campus Göttingen Vorreiter beim Klimaschutz gesucht
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16:53 25.01.2019
Auf Einladung der Hochschulgruppe Kritische Wirtschaftswissenschaften diskutierten Experten über das Thema Klimaschutz. Quelle: Markus Hartwig
Göttingen

Um den Klimaschutz hat sich am Donnerstagabend eine Podiumsdiskussion in der Universität gedreht. Zu der hatte die Hochschulgruppe Kritische Wirtschaftswissenschaften eingeladen. Die Referenten Dr. Joachim Fünfgelt, Prof. Joachim Weimann und Nilda Inkermann, die das Thema des Abends aus Sicht ihrer jeweiligen Disziplin beleuchteten, konnten sich über großes Interesse freuen, der Hörsaal 001 war gut gefüllt. Ann-Kathrin Blankenberg moderierte. Während Fünfgelt die Problematik aus der Perspektive der Nachhaltigkeitsökonomie betrachtete, stellte Weinmann Umweltökonomie und Wirtschaftspolitik in den Vordergrund. Nilda Inkermann warf einen gesellschaftswissenschaftlichen Blick auf das Thema Klimaschutz. Die Gäste stellten sich die Frage, wie eine künftige Kooperation zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik aussehen kann, um solidarisches, kooperatives und ökologisches Handeln zu begünstigen.

Klimapolitik am Scheideweg

Zu Beginn hatte jeder Gast die Gelegenheit, sich mit einem „Input-Referat“ vorzustellen. Den Anfang machte Joachim Fünfgelt, der seinen Tätigkeitsbereich, Brot für die Welt, im Thema verankerte. „Zur Zielgruppe gehören die Ärmsten“, stellte er fest. „Sie leiden unter dem Klimawandel am meisten, es geht um ihre Existenz.“ Währenddessen würden die Folgen des Klimawandels immer deutlicher. Die Klimapolitik, so Fünfgelt, sei am Scheideweg: Akzeptiert man eine Welt die immer wärmer wird, oder wird man beginnen, eine positive Klimapolitik im Sinne einer Veränderung der Lebensstile umzusetzen? „Hier sind Vorreiter gesucht. Der internationale Prozess läuft bereits, aber zu langsam.“ Fünfgelt legt große Hoffnung in den Bereich der erneuerbaren Energien sowie eine politische Lenkung des Themas.

Unterschiedlicher Stellenwert

Für Joachim Weimann stellt sich primär die Frage, wie künftig mit knappen Ressourcen umgegangen wird. Ein weiteres Problem sei, dass Klimaschutz von Land zu Land einen unterschiedlichen Stellenwert habe. Klimaschutzmaßnahmen müssten kosteneffizient und so gestaltet sein, dass die Ausgaben minimal sind. Weimann: „Wir reden hier nicht über Peanuts.“ Weimann favorisiert klar den Emissionshandel. Denn er finde dort statt, wo die geringsten Kosten anfallen. „Der Emissionshandel realisiert die Ziele bei minimalen Kosten und etabliert automatisch eine Mengenrestriktion.“

„Ausbeutung der Natur“

Nilda Inkermann sieht die Bedingungen für Klimaschutz außerhalb der Ökonomie. „Das Krisenbewusstsein in der Gesellschaft ist enorm. Nur, es ändert sich nichts“, beklagt sie und stellt das „Konzept der imperialen Lebensweise“ vor. „Die Ausbeutung der Natur ist das Merkmal unserer Lebensweise. Wir leben auf Kosten anderer. Und die entstehenden Probleme werden ausgelagert.“ Leider, so sagt sie, sei hier kein grundlegender Wandel in Sicht. Demzufolge sei auch im Sinne einer Klimapolitik kein Fortschritt in Sicht. Die Beschäftigung mit dem Klima bedeute gleichzeitig, unseren Lebensstil infrage zu stellen.

Keine Systemdiskussion

„Wir brauchen keine Lösungen, für die unser bestehendes System diskutiert wird“, kritisierte anschließend Joachim Weimann in Richtung von Nilda Inkermann. Dieser wurde sogleich von Joachim Fünfgelt aufs Korn genommen, der den von Weimann favorisierten Emissionshandel nicht für ein sinnvolles Instrument hält. Stimmen aus dem Publikum gingen ebenfalls in Richtung Joachim Weimann: „Sie begeben sich in gefährliches Fahrwasser, Sie sind scheinheilig.“

Insgesamt, fasste Moderatorin Ann-Kathrin Blankenberg zusammen, seien sich alle drei – bei allen Differenzen – einig, dass Klimaschutz wichtig ist.

Von Markus Hartwig

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