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Göttingen Popcorn als Verpackungsmaterial: Universität Göttingen schließt Lizenzvertrag ab
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Popcorn als Verpackungsmaterial: Universität Göttingen schließt Lizenzvertrag ab

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14:00 10.05.2021
Forscher an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie haben ein Herstellungsverfahren für Produkte aus Popcorn entwickelt, das alternativ zu Produkten aus Styropor und Kunststoff eingesetzt werden könnte.
Forscher an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie haben ein Herstellungsverfahren für Produkte aus Popcorn entwickelt, das alternativ zu Produkten aus Styropor und Kunststoff eingesetzt werden könnte. Quelle: Carolin Pertsch
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Göttingen

Popcorn gehört traditionell zum Kinovergnügen. Nicht ganz neu, dafür innovativ ist die Idee zur Verwendung des Maisprodukts als Verpackungsmaterial. Wissenschaftler des Forstwissenschaftlichen Instituts der Universität Göttingen haben das Potenzial des natürlichen Werkstoffs bereits vor einiger Zeit erkannt. Jetzt, so die Pressestelle der Hochschule, habe die Universität ein Unternehmen gefunden, das das von Forschern entwickelte Verfahren umsetzen könne.

Verpackungen sollten heutzutage neben den besonderen Anforderungen für Transport, Lagerung und Produktdarstellung auch nachhaltig sein, so die Pressestelle. Nachhaltig bedeute in diesem Fall: Das Material sollte umweltschonend und aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, gute Stabilität für ein mögliches Wiederverwenden aufweisen, und sich am Ende der Gebrauchszeit gut recyceln lassen.

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Seit Langem Forschung nach umweltfreundlicher Alternative

Eine Arbeitsgruppe der Universität Göttingen forsche seit Langem an Herstellungsverfahren für Produkte aus Popcorn, die eine umweltfreundliche Alternative zu Styropor- oder Kunststoffprodukten darstellen könnten. Über die kommerzielle Nutzung des Verfahrens und der Produkte für den Bereich Verpackungen habe die Universität nun einen Lizenzvertrag mit dem mittelständischen Unternehmen Nordgetreide abgeschlossen, heißt es in der Mitteilung. Den Lizenzvertrag zwischen der Hochschule und Nordgetreide habe die MBM Science Bridge GmbH vermittelt, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Universität Göttingen.

MBM prüft Erfindungen auf wirtschaftliches Potenzial

Die MBM Science Bridge GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der „Georg-August-Universität Göttingen Stiftung Öffentlichen Rechts“, hatte den Lizenzvertrag zwischen der Hochschule und Nordgetreide vermittelt, so die Universität. Die Patentverwertungsagentur, die nach Angaben auf der MBM-Homepage 2004 gegründet worden sei, agiere für neun niedersächsische Hochschulen und wissenschaftliche Einrichtungen, so die Pressestelle. Sie prüfe wissenschaftliche Erfindungen auf die Möglichkeit einer Patentanmeldung und auf wirtschaftliches Potenzial.

Anschließend kümmere sie sich um die weltweite Vermarktung sowie die Verhandlung, Betreuung und Überwachung von Lizenzverträgen. Das aktuelle Portfolio enthalte Projekte aus der Biomedizin, Medizintechnik, Messtechnik, Chemie, Physik und den Forst- sowie Agrarwissenschaften.

Die MBM Science Bridge GmbH sehe nach eigenen Angaben ihren Auftrag darin, „Wissenschaftler zu motivieren, eigene Forschungsergebnisse auch unter dem Gesichtspunkt einer wirtschaftlich relevanten Erfindung zu betrachten“ und diese als „Diensterfindung“ dem Arbeitgeber zu melden.

Noch sei die Verpackungsindustrie mit fast 40 Prozent der wichtigste Abnehmer der Kunststoffindustrie, heißt es in der Mitteilung. Große Produzenten und Handelsketten hätten jedoch längst begonnen, ihre Verpackungskonzepte zu überdenken und recyclingfähiger zu gestalten.

Wissenschaftler entwickeln neuartiges Verfahren

Der Arbeitsgruppe Chemie und Verfahrenstechnik von Verbundwerkstoffen an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie sei es nun gelungen, aufbauend auf ihren langjährigen Erfahrungen im Bereich nachwachsender Rohstoffe ein neuartiges Verfahren zu entwickeln, mit dem sich dreidimensionale Formkörper aus Popcorngranulat herstellen ließen. Der große Vorteil dieses Granulats sei, so die Universität, dass es eine „biobasierte, umweltschonende und nachhaltige Alternative zu den bisher in der Industrie verwendeten Produkten auf Styroporbasis“ biete.

Prof. Alireza Kharazipour leitet die Gruppe Chemie und Verfahrenstechnik von Verbundwerkstoffen. Quelle: Harald Wenzel (Archiv)

„Mit diesem neuen an die Kunststoffindustrie angelehnten Verfahren lassen sich nunmehr die verschiedensten Formteile herstellen“, habe der Leiter der Forschungsgruppe, Prof. Alireza Kharazipour, erklärt. „Besonders für den Bereich Verpackungen lässt sich so gewährleisten, dass Produkte sicher transportiert werden. Und dies mit einem Verpackungsmaterial, das anschließend sogar biologisch abbaubar ist“, so Kharazipour. Darüber hinaus besäßen die neuen Popcorn-Produkte wasserabweisende Eigenschaften, die ihre Einsatzmöglichkeiten vergrößerten.

Nordgetreide: Zunehmende Menge an Plastikmüll

Nordgetreide-Geschäftsführer Stefan Schult, so die Pressestelle, habe erklärt: „Jeden Tag verschmutzen wir unsere Erde mit einer exponentiell zunehmenden Menge an Plastikmüll, der unser Öko-System auf Jahrtausende belastet. Unsere Popcorn-Verpackungen sind eine hervorragende, nachhaltige Alternative zu erdölbasiertem Styropor.“ Die pflanzenbasierten Verpackungen würden aus einem nicht für Lebensmittel geeigneten Reststoff der Cornflakes-Produktion der Firma hergestellt, so Schult, und „sind nach der Verwendung rückstandslos kompostierbar“.

Von Stefan Kirchhoff / r