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Göttingen Spoun übernimmt Präsidentenamt nicht
Campus Göttingen Spoun übernimmt Präsidentenamt nicht
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21:26 21.08.2019
Dr. Sascha Spoun. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Der nächste Präsident der Georg-August-Universität wird nicht Dr. Sascha Spoun werden. Spoun teilte am Mittwoch mit, dass er für das Amt nicht mehr zur Verfügung steht. Im Juni war er zum Nachfolger von Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel gewählt worden und sollte ab Januar 2020 das Amt antreten. Der 50-jährige Spoun war in der Göttinger Professorenschaft umstritten: mangelnde Forscherpersönlichkeit und die Wahl als solche wurden scharf kritisiert. Am Mittwoch entschied sich der langjährige Präsident der Leuphana Universität in Lüneburg, nicht nach Göttingen zu wechseln.

Erklärung für Senat in Lüneburg und Göttingen

Spoun teilte am Mittwoch mit: „Mit großem Erstaunen habe ich jetzt zur Kenntnis nehmen müssen, dass es offenbar formale Fehler bei der Dokumentation einzelner Auswahlschritte gegeben haben soll und daher erhebliche Zweifel an der Rechtskonformität des Wahlverfahrensbestehen. Dies ist mir von der Universität Göttingen im Vorfeld einer Reaktion der Universität auf einen beim Verwaltungsgericht Göttingen anhängigen Antrag eines Bewerbers um das Präsidentenamt mitgeteilt worden.“

Wenn derart schwerwiegende Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Besetzungsverfahrens vorliegen, so Spoun, „kann und will ich für dieses Amt nicht zur Verfügung stehen. Darüber hinaus bin ich überzeugt, dass sich die Herausforderungen, denen sich die Universität gegenübersieht, nur bei großer Einigkeit über Ziele für die künftige Entwicklungund die Wege dorthin bewältigen lassen. Dies erscheint mir in der aktuellen Situation nicht gegeben. Deshalb habe ich mich entschlossen, das Amt des Präsidenten der Universität Göttingen nicht anzutreten. Mit diesem Schritt verbinde ich auch die Hoffnung, dass es der Universität gelingt, zügig einen Ausweg aus der für die Universität schwierigen Situation zu finden. Der Universität Göttingen wünsche ich viel Erfolg für ihre weitere Entwicklung.“

Spoun erklärte weiter, er werde sich wie bisher mit aller Kraft und Kreativität für die Leuphana Universität Lüneburg einsetzen. Dort ist Spoun in dritter Amtszeit tätig und bis zum Jahr 2028 gewählt. Dem Senat der Universität Lüneburg hat Spoun am Mittwoch ebenso informiert wie Senat und Stiftungsrat der Universität Göttingen.

Neues Verfahren

Der Vorsitzende des Stiftungsrates der Universität Göttingen, Dr. Wilhelm Krull, erklärte auf Tageblatt-Anfrage, dass die Lage in der Universität und auch im Senat dazu geführt habe, dass sich Spoun entschloss, das Amt nicht anzutreten. „Ich bedaure sehr, dass es soweit gekommen ist“, betonte Krull, der zugleich feststellte, dass die jetzige Lage keinen Sinn ergeben hätte. Daraus ergebe sich auch, dass vermutlich vor dem Hintergrund der Vorkommnisse kein externer Bewerber sich für den Posten zur Verfügung stellt. Krull meint zum künftigen Amtsinhaber, „dass es wohl ein profiliertes Mitglied der Göttinger Universität übernehmen muss“.

Nach Angaben des Vorsitzenden des Stiftungsrates ist davon auszugehen, dass die hauptamtliche Vizepräsidentin für Finanzen und Personal, Dr. Valérie Schüller, nun länger als geplant das Amt der Universitätspräsidentin kommissarisch zu übernehmen hat. Ulrike Beisiegel (66) hatte im Juli erklärt, dass sie vorzeitig zum 30. September in den Ruhestand gehen werde und bis zur Amtsübernahme ihres Nachfolgers Spoundie Vizepräsidentin die Amtsgeschäfte führen werde. Über das neue Verfahren der Beisiegel-Nachfolge will der Senat der Universität nach Tageblatt-Informationen am Freitag in einer Sondersitzung entscheiden.

Die Universität Göttingen beantwortete Tageblatt-Anfragen nicht. Am Abend teilte die Pressestelle mit, dass sich am Mittwoch kein Vertreter zu dem Vorgang äußern werde.

Stimmen und Meinungen zum Rücktritt

Den Verzicht Spouns würdigt der Bundestagsvizepräsident und frühere niedersächsische Wissenschaftsminister Thomas Oppermann (SPD) so: „Herr Spoun hat eine Entscheidung getroffen, die der Universität die Chance gibt, aus einer verfahrenen Situation herauszukommen. Im zweiten Anlauf muss der Neuanfang aber gelingen. Und dazu müssen alle beitragen.“

Der Göttinger Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) erklärte, der Schritt sei aus Sicht von Prof. Spoun nachvollziehbar. „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Herr Spoun eine gute Wahl für das Göttinger Präsidentenamt gewesen wäre“, so Güntzler. Er bedaure, dass es so gekommen ist. Güntzler wertet die Absage von Spoun als schweren Imageschaden für die Universität Göttingen, „der zweite nach dem Scheitern in der Exzellenz-Initiative“. Der CDU-Politiker betonte, „ich gehe davon aus, dass diejenigen, die im Stiftungsrat für dieses Desaster die Verantwortung tragen, dafür nun auch persönliche Verantwortung übernehmen“.

Sein MdB-Kollege Jürgen Trittin (Bündnis90/Grüne) kommentiert: „Man soll die Mobbingfähigkeiten eines Teils der Professorenschaft nicht unterschätzen. Damit aber geht die Führungskrise der Georgia-Augusta weiter. Göttingens wichtigste Institution bleibt vorerst führungslos.“

Einen anderen Blick auf Spoun und dessen Berufung hat der FDP-Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle: „Der Verzicht des gewählten Kandidaten Sascha Spoun auf sein Amt als neuer Präsident der Georg-August-Universität ist ein Armutszeugnis für den Wissenschaftsstandort Göttingen. Spoun wäre mit seinen Erfahrungen im innovativen Management einer niedersächsischen Hochschule genau der richtige Mann gewesen, um die Universität Göttingen in die Zukunft zu führen. Alle Beteiligten des Auswahlprozesses und alle Gremien der Universität müssen sich nun fragen, welches Bild sie in Zukunft gegenüber interessanten Bewerberinnen und Bewerbern abgeben wollen. Es ist der Universität zu wünschen, dass sich in einem neuen Verfahren eine ebenso geeignete Persönlichkeit findet. Wer auch immer es wird, sollte eine faire Chance erhalten.“

Andreas Busch, einer der Professoren, die nach Spouns Wahl eine Protestnote unterzeichnet hatten, kritisiert den Vorsitzenden des Stiftungsrates der Universität Göttingen, Dr. Wilhelm Krull, scharf. „Der Vorsitzende ist für die korrekte Durchführung des Verfahrens zuständig“, sagt Busch. Es könne nicht angehen, dass formale Fehler bei der Dokumentation gemacht werden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Krull seine Tätigkeit für die Universität wie bisher fortsetzen kann“, so der Politikwissenschaftler. Busch fordert Konsequenzen. Das Verfahren müsse nun neu aufgelegt werden. Man brauche eine neue Führung, die eine breite Unterstützung in der Universität Göttingen erfahre. „Das ist jetzt die Chance für einen Neuanfang“, sagt Busch.

Erklärung von Präsident Spoun im Wortlaut

Diese Mitteilung hat Dr. Sascha Spoun am Mittwoch über die Pressestelle der Universität Lüneburg verbreiten lassen:

Der Präsident der Leuphana Universität Lüneburg, Prof. (HSG) Dr. Sascha Spoun, steht für das Amt des Präsidenten der Georg-August-Universität Göttingen nicht mehr zur Verfügung. Über seine Entscheidung informierte er heute Senat und Stiftungsrat der Leuphana Universität Lüneburg sowie Senat und Stiftungsausschuss der Universität Göttingen. Sascha Spoun bleibt somit Präsident der Leuphana, wo er zum Jahresbeginn für eine dritte Amtszeit bis 2028 wiedergewählt und bestätigt worden war. Die Georg-August-Universität Göttingen hatte Anfang 2019 die Stelle eines Präsidenten/einer Präsidentin ausgeschrieben. Eine von Senat und Stiftungsausschuss der Trägerstiftung der Universität besetzte sechsköpfige Findungskommission unter Leitung von Dr. Wilhelm Krull, dem Vorsitzenden des Stiftungsrats, erarbeitete eine einstimmige Wahlempfehlung für den Senat. Entsprechend dieser Empfehlung hatte der Senat Sascha Spoun am 20. Juni 2019 mit großer Mehrheit zum Präsidenten der Georg-August-Universität Göttingen gewählt.

Präsident Spoun zu seiner Entscheidung: „Die Göttinger Findungskommission hatte mich im März angesprochen, um mich als einen möglichen Kandidaten für das Amt des Präsidenten der Universität Göttingen zu gewinnen. In diesem Zusammenhang hatte ich mich jedoch nur bereit erklärt, als Experte für Wissenschafts- und Hochschulmanagement zu Gesprächen im April und Mai über Lage, Perspektiven, strategische Herausforderungen und Chancen der Universität Göttingen zur Verfügung zu stehen. Weder hatte ich mich um die Position des Präsidenten der Universität Göttingen beworben, noch kannte ich die Bewerberinnen und Bewerber oder gar deren Unterlagen. Zu keinem Zeitpunkt habe ich die Findungskommission bei der Auswahl von Kandidatinnen und Kandidaten beraten. Für die Gespräche habe ich keine Vergütung erhalten.

Nach diesen Gesprächen wurde ich von der Findungskommission im Mai nochmals nachdrücklich gebeten, für eine Kandidatur als Präsident zur Verfügung zu stehen. Ich habe dies dann unter der Voraussetzung in Aussicht gestellt, dass im Vorfeld zu führende Gespräche sowohl mit den Senatsmitgliedern als auch mit Funktionsträgern, insbesondere den Dekaninnen und Dekanen, Forscherinnen und Forschern sowie Vertretungen der Studierenden, der Mitarbeitenden und des Personalrats positiv verlaufen und so ein aussichtsreiches Interesse an gemeinsamer Arbeit für die Entwicklung der Universität erkennbar werden würde. Erst nach diesen Gesprächen und weiteren ausführlichen Erörterungen mit dem Göttinger Senat, die im Juni stattfanden, habe ich mich dann für eine Wahl zur Verfügung gestellt.

Dass mich Senat und Stiftungsausschuss daraufhin mit großer Mehrheit zum Präsidenten der Universität Göttingen gewählt haben, ehrt mich sehr. Seitdem habe ich weitere Gespräche in der Universität führen können. Diese haben einerseits nachdrücklich deutlich gemacht, welch großes Potential die Universität Göttingen für ihre weitere Entwicklung hat. Sie ließen andererseits aber auch erkennen, dass sich die Universität mit Blick auf ihr Selbstverständnis in einer schwierigen Lage befindet.

Mit großem Erstaunen habe ich jetzt zur Kenntnis nehmen müssen, dass es offenbar formale Fehler bei der Dokumentation einzelner Auswahlschritte gegeben haben soll und daher erhebliche Zweifel an der Rechtskonformität des Wahlverfahrens bestehen. Dies ist mir von der Universität Göttingen im Vorfeld einer Reaktion der Universität auf einen beim Verwaltungsgericht Göttingen anhängigen Antrag eines Bewerbers um das Präsidentenamt mitgeteilt worden. Wenn derart schwerwiegende Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Besetzungsverfahrens vorliegen, kann und will ich für dieses Amt nicht zur Verfügung stehen. Darüber hinaus bin ich überzeugt, dass sich die Herausforderungen, denen sich die Universität gegenübersieht, nur bei großer Einigkeit über Ziele für die künftige Entwicklung und die Wege dorthin bewältigen lassen. Dies erscheint mir in der aktuellen Situation nicht gegeben.

Deshalb habe ich mich entschlossen, das Amt des Präsidenten der Universität Göttingen nicht anzutreten. Mit diesem Schritt verbinde ich auch die Hoffnung, dass es der Universität gelingt, zügig einen Ausweg aus der für die Universität schwierigen Situation zu finden. Der Universität Göttingen wünsche ich viel Erfolg für ihre weitere Entwicklung. Ich werde mich weiter wie bisher mit aller Kraft und Kreativität für die Leuphana Universität Lüneburg einsetzen. Ihre dynamische Entwicklung in den vergangenen Jahren darf als erfolgreich angesehen werden. Auch mit Blick auf die kommenden Jahre verfügt die Leuphana über ein enormes Potential, an dessen Entwicklung ich gemeinsam mit der Universitätsgemeinschaft weiterarbeiten werde.“

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Von Angela Brünjes und Christoph Oppermann

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