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Göttingen Praktische Demonstration der Anfertigung eines Gipsabgusses
Campus Göttingen Praktische Demonstration der Anfertigung eines Gipsabgusses
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18:06 27.03.2018
Praktische Demonstration: Wie entsteht ein Gipsabguss?  Restauratorin Jorun Ruppel (mit Halstuch) und studentische Hilfskraft Nadja Kehe.
Praktische Demonstration: Wie entsteht ein Gipsabguss? Restauratorin Jorun Ruppel (mit Halstuch) und studentische Hilfskraft Nadja Kehe. Quelle: Peter Heller
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„Wer möchte mir hierbei helfen?“, fragte Ruppel am Sonntagvormittag mehrmals die 25 Teilnehmer. In starker Interaktion mit den Gästen fertigte die Restauratorin zusammen mit ihrer studentischen Hilfskraft Nadja Kehe Abgüsse aus Gips an. „Das ist die Siegesgöttin Victoria“, erklärte Ruppel und hielt den rechteckigen Gipsabguss hoch, damit er für alle Gäste sichtbar wird. Ein sogenannter Löwengreif wurde ebenfalls in Gips verewigt.

Diesen Anblick hätte es beinahe nicht gegeben: Gleich zu Beginn beging einer der Gäste den Fehler, die Kelle für das bereitstehende Gipspulver in den mit Wasser gefüllten Behälter zu tauchen. Das ist der größte Fehler, den man machen kann, warnte Ruppel. Das Gipspulver würde augenblicklich auf Wasser reagieren. Aus diesem Grund müsse das Werkzeug, dass für das Gipspulver genutzt werde, unbedingt trocken bleiben. „Sie haben sicherlich schon einmal von einer exothermen Reaktion gehört“, sagte Ruppel. Die Reaktion von Gipspulver mit Wasser gehöre genau in diese Kategorie. Bei der Reaktion entstehe Wärme. Merkbar wurde dies bei den fertigen Abgüssen, kurz bevor sie vollständig getrocknet sind: Der Gips war fühlbar erwärmt.

Der angerührte Gips wurde durch Mithilfe der Teilnehmer in die vorliegenden Formatvorlagen gegossen. Nach 60 Minuten ist das bis zu zwei Zentimeter tiefe Objekt getrocknet und kann aus der Silikonform entfernt werden. Die Teilnehmer waren hautnah am Prozess beteiligt und durften viele Nachfragen stellen. Besonderes Interesse bestand bei der Anfertigung der Formbauten. In diese wird der Gips gegossen und dort festgehalten, erklärte Ruppel.

Wieso ist Gips so gut für den Prozess des Abgusses geeignet? „Der Gips dehnt sich beim Trocknen nachträglich aus und drückt sich so regelrecht in die Formatvorlage. Es entsteht auf diesem Weg ein besonders formgenaues Ergebnis“, beantwortete Ruppel die Frage.

Für die Anfertigung des Formbaus benötigt Ruppel bis zu zwei Wochen. Der Bau bestehe aus mehreren Schichten. Die erste Schicht müsse besonders dünn sein, um alle Details zu erfassen, die folgenden Schichten diente der Stabilität. Die Formbauten sind das Teuerste an der Erstellung der Gipsabgüsse, sagte Ruppel.

Seit Neuestem habe das Institut einen Scanner, der mittels eines Lasers die Strukturen der Abgüsse erfassen könne. „Theoretisch kann die gesamte Sammlung der Universität von dem Scanner erfasst werden, sodass die ausgestellten Stücke überflüssig werden“, erklärte Ruppel.

Die ersten Gipsabgüsse seien 1765 in Göttingen angekommen. Die Abgussammlung im Archäologischen Institut der Universität sei damit die Älteste ihrer Art. Von Raubkunst sind die Gipsabgüsse nach Angaben von Ruppel allerdings nicht betroffen. Bei Arbeiten mit Gips handele es sich bereits meistens um Kopien. Die Originale würden aus ganz unterschiedlichem Material bestehen und seien in der Regel Ausgrabungsstücke.

Es sei beinahe unmöglich, die Gipsabgüsse von vor einer Woche von denen zu unterscheiden, die vor 250 Jahren angefertigt wurden, sagte Ruppel. Schätzungen seien lediglich Spekulation. Früher sei beispielsweise das Material sparsamer verwendet worden, sodass die älteren Abgüsse häufig weniger Gewicht hätten als die neueren.

Von Lisa Hausmann

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