Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Sozialverhalten und Gesundheit
Campus Göttingen Sozialverhalten und Gesundheit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 21.11.2017
Assam-Makaken in Thailand im Untersuchungsgebiet der Forschungsstation Phu Khieo Wildlife Sanctuary (PKWS). Quelle: Kittisack
Anzeige
Göttingen

Weitere drei Jahre wird die Forschungsgruppe „Sozialität und Gesundheit bei Primaten“ um Prof. Peter Kappeler vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen mit 2,5 Millionen Euro gefördert. „Innerhalb der Forschungsgruppe wollen wir untersuchen, welche Auswirkungen soziale Variablen wie Gruppengröße, Dominanzrang, Kooperationen oder Paarungsstrategien auf die Gesundheit haben“, sagt Verhaltensforscher Kappeler. „Dazu untersuchen wir verschiedene Indikatoren, wie Stresshormone, Parasitenbefall oder die Zusammensetzung der Darmflora und setzen diese in Bezug zu den sozialen Faktoren.“ In dem interdisziplinären Projekt arbeiten Verhaltensökologen, Tiermediziner und Molekularbiologen zusammen. „Die enge und vielschichtige Kooperation ermöglicht es uns, die Fragestellungen nicht nur an einer Primatenart, sondern an Lemuren, Makaken und Menschenaffen vergleichend zu untersuchen“, sagt der Verhaltensforscher Kappeler. Ein weiterer Vorteil sei die Zusammenarbeit mit den Infektions- und Mikrobiologen. Das ergebe, potentielle Krankheitserreger und symbiontische Bakteriengemeinschaften in verschiedenen Primatenarten genau zu charakterisieren und die damit einhergehenden physiologischen Reaktionen zu vergleichen.

Fünf der sieben Forschungsprojekte sind am DPZ angesiedelt oder werden mit DPZ-Beteiligung bearbeitet. Neben Kappeler sind Dr. Claudia Fichtel, Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie, Prof. Christian Roos, Abteilung Primatengenetik, sowie Prof. Julia Ostner und Dr. Oliver Schülke, Forschungsgruppe Soziale Evolution der Primaten, beteiligt, teilte das Leibniz-Institut DPZ mit.

Anzeige

Innerhalb der fünf Projekte konzentrieren sich die Forscher nach eigenen Angaben zum einen auf variable Gruppengrößen bei Larven-Sifakas (Propithecus verrauxi) in Madagaskar, da diese einen Einfluss auf Raumnutzung, Fressverhalten, Parasiten- und Stressbelastung haben. Kappeler: „Daraus ergeben sich langfristig Konsequenzen für den Fortpflanzungserfolg der Tiere. Zum anderen wollen wir an Rotstirnmakis (Eulemur rufifrons) untersuchen, wie verschiedene Faktoren wie Alter, Verwandtschaftsgrad, Nahrung, soziale Interaktionen, physiologischer Stress und Parasitenbefall die Zusammensetzung der Darmflora beeinflussen. Diese hat einen entscheidenden Einfluss auf das Immunsystem der Tiere und damit auf ihre Gesundheit.“ Im dritten Teilprojekt sollen Vielfalt und Struktur von Parasiten und Darmmikroorganismen in 20 Primatenarten mit unterschiedlichen Sozialsystemen charakterisiert werden. Damit erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über die langfristigen Auswirkungen von Sozialität auf das Verhältnis verschiedener Darmbakterien aus einer evolutionären Perspektive. In zwei weiteren Projekten untersuchen die Wissenschaftler die Auswirkungen von Alterungsprozessen und vorgeburtlichem Stress auf Sozialverhalten und Gesundheit bei Assam-Makaken (Macaca assamensis) in Thailand.

Neben dem DPZ sind die Universität Göttingen, das Robert-Koch-Institut in Berlin und das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig an der DFG-Forschungsgruppe beteiligt. Weitere Teilprojekte beschäftigen sich mit dem Einfluss von Gruppengrößen auf die Zusammensetzung von Krankheitserregern und anderen Bakterien sowie Untersuchungen zu sozialen Stressbewältigungsstrategien und Stresshormonkonzentrationen bei wildlebenden Schimpansen (Pan troglodytes).

Von Angela Brünjes

Göttingen Vertreibung im Nationalsozialismus - Gedenktafel erinnert an 95 Wissenschaftler
14.12.2017
20.11.2017