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Göttingen Prof. Stalke: Chemiker sind besser als ihr Ruf
Campus Göttingen Prof. Stalke: Chemiker sind besser als ihr Ruf
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16:39 25.09.2011
Blick ins Reagenzglas: Anke Lemke (rechts) mit zwei Besucherinnen der Experimentiermeile. Quelle: Heller
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Bei Stalke erfahren die jungen Menschen, dass „Bio“ nicht immer gesund ist. „Pest und Cholera sind 100 Prozent Bio“, berichtet der Professor. Und Chemie umfasse mehr als fragwürdige Zusatzstoffe zur Nahrung oder Fischsterben. Die Disziplin würde vielmehr Antworten auf die großen Herausforderungen der Menschheit geben. Medikamente würden zur steigenden Lebenserwartung beitragen. Die Chemie sei zur Sicherung der Energieversorgung und zur Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung notwendig.

Auch zum Verständnis des Klimawandels trage die Wissenschaft bei, erklärt der Professor. Er lenkt den Blick auf die erste Klimakatastrophe. Damals begannen Pflanzen damit, Kohlendioxid zu zerlegen und so Sauerstoff zu produzieren, das „erste Umweltgift“, so Stalke. Das Ökosystem drohte umzukippen. Doch dann entstanden die ersten Tiere und wandelten den Sauerstoff wieder in Kohlendioxid zurück. Heute drohe das Klima erneut umzukippen. Diesmal produziere der Mensch so viel Kohlendioxid, dass die Pflanzen mit dem Zerlegen nicht mehr nachkämen.

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Andere Professoren referieren ebenfalls. Hartmut Laatsch spricht über Pilzgifte. Einige Tintling-Arten enthielten Substanzen, die den Abbau des Alkohols im menschlichen Körper blockierten. Die Folge: Nach dem ersten Bier laufe der Trinker knallrot an und hat das Gefühl, gleich zu platzen. Unangenehm sei das, aber nicht immer tödlicher, so der Wissenschaftler. Gefährlicher sei der Orangefuchsige Hautkopf. Sein Gift führe erst 14 bis 21 Tage nach dem Essen zum Tod durch Nierenversagen.

Über Kunststoffe spricht Prof. Philpp Vana. Mit ihnen ließen sich unter anderem winzig kleine Nanocontainer erzeugen, die man mit Medikamenten befüllen könne. Sie würden es im Körper genau dort abgeben, wo es benötigt werde.

Auf der Experimentiermeile dürfen Besucher dann selbst Hand anlegen. Sie entfärben Cola mit Aktivkohle oder stellen aus Kartoffelstärke und Glyzerin kompostierbare Kunststoffe her. In einem Nachbartrakt präsentieren Forscher ihre aktuellen Projekte. Hendrik Neubacher befasst sich zum Beispiel im Arbeitskreis von Prof. Claudia Steinem mit der Zellmembran, die Zellen umgibt und nur bestimmte Stoffe herein- oder herauslässt. Doktorand Christoph Eichhorst gehört zur Forschungsgruppe von Prof. Lutz Tietze, die über Medikamente zur gezielten Tumorbekämpfung forscht.

Auch die Werkstätten präsentierten sich. Dimirij Dunaev, der den erweiterten Realschulabschluss gemacht hat, lernt dort Feinmechaniker. Er erzählt: „Wir bauen für die Studenten unter anderem Halterungen, Pumpen und Getriebe.“ Für seine Arbeit benötige er Geschicklichkeit, technisches Verständnis und Freude an der Arbeit mit Maschinen.

Die Besucher erfahren zudem, dass das 40 Jahre alte Gebäude eine Generalüberholung braucht. Vizepräsident Markus Hoppe kündigt an, dass die Bauarbeiten 2012 beginnen werden. Sie würden sich bei laufendem Betrieb über sieben bis zehn Jahre hinziehen. Das Invesitionsvolumen belaufe sich auf insgesamt 100 Millionen Euro.

Von Michael Caspar