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Göttingen Wie digital ist Göttingen?
Campus Göttingen Wie digital ist Göttingen?
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13:35 04.10.2019
Themenfoto vom Jacobi-Kirchturm gemacht: Ansicht Themenfoto Campus mit SUB und Blauem Turm Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Wie digital sind Deutschlands Uni-Städte? Wie ist Göttingen hier aufgestellt? Welche digitalen Angebote hält die Stadt bereit? Die digitale Lernplattform „charly.education“ ist diesen Fragen nachgegangen und hat sich an einem Ranking der 25 größten deutschen Uni-Städte versucht.

Nach der „charly.education“-Analyse haben Köln und Hamburg bei der Digitalisierung die Nase vorne. In den vier untersuchten Bereichen erzielten die Großstädte Spitzenwerte. Sie kommen auf 99 beziehungsweise 96 von maximal 100 Punkten. Göttingen landet mit 51 Punkten in der unteren Hälfte des Rankings auf Platz 15.

„Von frei zugänglichem WLAN und schnellem Internet profitieren die Städte aber nicht nur als Wirtschaftsstandort, sondern auch in Bezug auf die Lebensqualität. Trotzdem hinken zum Beispiel fast die Hälfte aller untersuchten Städte beim Ausbau von Glasfaserkabeln hinterher“, kommentierte charly.education-Geschäftsführer Cecil von Croÿ das Ergebnis.

charly.education hat für das Ranking die Kriterien Glasfaserkabel-Abdeckung, Verfügbarkeit von WLAN in öffentlichen Bibliotheken und im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sowie die Möglichkeit, Amtstermine online zu buchen, analysiert. Quelle: dpa-Zentralbild

charly.education hat für das Ranking die Kriterien Glasfaserkabel-Abdeckung, Verfügbarkeit von WLAN in öffentlichen Bibliotheken und im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sowie die Möglichkeit, Amtstermine online zu buchen, analysiert. In jedem Bereich waren 25 Punkte möglich. Göttingen bekommt dabei aufgrund von fehlenden Angaben 0 Punkte für den Glasfaserausbau, 5 für das WLAN-Angebot in Bibliotheken, 21 für das in öffentlichen Verkehrsmitteln und 25 für das Angebot, Amtstermine online zu buchen.

Die Erhebung und Auswertung der Kriterien sei „relativ kompliziert“ gewesen, sagt charly.education-Specher Nils Leidloff. Er räumt ein, dass die Analyse durchaus vereinfache und nicht alle Details der jeweiligen Angebote in den Städten berücksichtigt worden sind. So liege der Wert in Göttingen beim ÖPNV sehr hoch, weil in dem einzigen verfügbaren öffentlichen Verkehrsmittel, den Stadtbussen, WLAN verfügbar sei. Dass dies derzeit nur in drei von rund 90 Fahrzeugen technisch möglich ist, habe laut Leidloff keine Rolle gespielt. Der Punktabzug hier sei damit begründet, dass es an den Bushaltestellen kein WLAN gibt. Die Haltestellen machten hier „eine Teilvariable aus“, so Leidloff.

Aber was hat die Stadt und Uni Göttingen in Sachen Digitalisierung tatsächlich zu bieten?

Die Universität Göttingen: Nach Auskunft von Uni-Sprecher Romas Bielke verfügen alle Gebäude der Universität Göttingen mit „einer nennenswerten Anzahl“ an Nutzern über eine „grundlegende WLAN-Ausstattung in den internen Bereichen“. Gebäude, die nicht älter als zehn Jahre seien, seien entsprechend vorbereitet und ausgestattet. Das betreffe planmäßig alle Büros und Verkehrsflächen, Seminarräume, Bibliotheken, Hörsäle unter besonderer Berücksichtigung hoher Nutzerzahlen und Bandbreiten sowie Labore unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Anforderungen, erläutert Bielke. So böten die Bibliotheken eine WLAN-Versorgung über dem Durchschnitt – „die großen auf Basis einer entsprechenden Ausstattung für sehr hohe Nutzerzahlen“.

Unibibliothek: Alle Gebäude der Universität Göttingen mit „einer nennenswerten Anzahl“ an Nutzern verfügen laut Uni über eine „grundlegende WLAN-Ausstattung in den internen Bereichen“. Quelle: Christina Hinzmann / GT

Alle Beschäftigten, Studierenden und Forschenden der Uni Göttingen und der meisten nationalen und internationalen Universitäten und Forschungseinrichtungen könnten das WLAN über das sogenannte „Eduroam“ nutzen. Gastzugänge seien möglich, zudem könnten sich alle Angehörigen der Universität von jedem Internetzugang in der Welt in das Netz der Uni einwählen und so die nur in Göttingen verfügbaren Dienste nutzen.

Bielke räumt aber ein, dass es auf dem Campus dennoch zahlreiche Gebäude mit einer noch unterdurchschnittlichen WLAN-Versorgung wegen zu wenigen WLAN-Zugangspunkten gibt. Vor allem in den Außenbereichen gebe es zahlreiche „weiße Flecken“. Flächendeckend sei die Versorgung von Studierenden und Forschenden daher noch nicht. Der weitere Ausbau sei daher strategisches Ziele der Universität, der Finanzierungsbedarf sei dafür erheblich, so Bielke

Die Stadt Göttingen:Die Göttinger Stadtverwaltung will, so ihr Sprecher Dominik Kimyon, die Digitalisierung „mit all ihren Facetten vorantreiben“. So habe die Verwaltung seit diesem Jahr einen Beauftragten für Digitalisierung, der Projekte in der Verwaltung ins Leben rufe und koordiniere, aber auch mit der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Göttingen (GWG) digitale Themen und Ideen in und für Göttingen erarbeite, erläutert Kimyon.

Auf dem Campus in Göttingen sind Studenten gut mit freien WLAN-Zugängen versorgt. Quelle: Christina Hinzmann

Über das WLAN-Netz „FreiesWLANStadt“ bietet die Stadt Göttingen in der Stadtbibliothek und ihren Zweigstellen in Geismar und Weende freien Internetzugang an. In den Zweigstellen Grone, Nikolausberg, Roringen und Elliehausen sei das, so Kimyon, aktuell nicht möglich. Darüber hinaus bietet die Göttinger Stadtverwaltung kostenloses WLAN am Marktplatz am Gänseliesel, im Neuen Rathaus und Amtshaus sowie an allen Verwaltungsstandorten an.

Kimyon verweist auf weitere digitale Angebote: Viele Denkmäler wiesen QR-Codes auf, die zu weitergehenden Informationen führten, auch sei es möglich auf Grabsteinen, QR-Codes anzubringen. Es gibt zudem das digitale Ratsinformationssystem und einen Online-Veranstaltungskalender. Über iKFZ können Fahrzeuge digital an- und umgemeldet werden. Sperrmüllkarten könnten ebenso online beantragt werden wie Termine für Einwohnerangelegenheiten, Gesundheitsamt und KFZ-Angelegenheiten ausgemacht werden. Das gilt auch für die Anmeldungen bei Ferienfreizeiten. Weitere Services der Stadtverwaltung sind der elektronischer Rentenantrag, die Urkundenbestellung im Standesamt und direkte Online-Bezahlung, die Online-Versteigerung von Fundsachen, die Bestellung von Wunschkennzeichen und die Bestellung von Wunschkennzeichen und die Sofortbezahl-Funktion bei Parkverstößen.

Die Stadt Göttingen will im kommenden Jahr ihre digitalen Services deutlich verbessern. Quelle: dpa

Auch würden Befunde von Trinkwasseruntersuchungen von den Laboren digital an das Gesundheitsamt übermittelt, in der „Adis-Trinkwasserdatenbank“ verwaltet und an das Landesgesundheitsamt weitergeleitet. Das Programm SurvNet vom Robert-Koch-Institut diene der anonymisierten Erfassung, Auswertung und Weiterleitung meldepflichtiger Erkrankungen gemäß Infektionsschutzgesetz. Das Internet-Fachportal „EU-Badegewässer-Berichterstattung“ des Landesgesundheitsamts diene der Übermittlung und Verwaltung von Messdaten, Informationen und Meldungen rund um die EU-Badegewässer in Niedersachsen. Die übermittelten Daten sind online im „Badegewässer-Atlas Niedersachsen“ veröffentlicht.

Für 2020 kündigt Kimyon eine Erweiterung des städtischen Online-Angebotes an. Dazu gehörten etwa die Beantragung von Plätzen für Kinderbetreuung, die Beantragung von Meldebescheinigungen, die Melderegisterauskunft, die Anmeldung von Kraftfahrzeugen, An-, Ab- und Ummeldung von Gewerben, An- und Abmeldung Hundesteuer und die Beantragung von Briefwahl.

„Es wird ein gesondertes Bürgerportal in Betrieb gehen, über das perspektivisch alle Dienstleistungen von Bund, Land und Stadt Göttingen online abgewickelt werden können“, kündigt Kimyon an.

Zur Versorgung der Stadt mit schnellem Internet – vor allem beim Glasfaserausbau – lägen der Verwaltung „seitens der Netzbetreiber keine Abdeckungszahlen vor“, erklärt Kimyon. Aus dem Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und Digitalisierung lasse sich jedoch eine Versorgung des Stadtgebietes zu 98 Prozent mit mindestens 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) entnehmen. 96 Prozent der Privathaushalte sind mit 50 Mbit/s abgedeckt.

Die Göttinger Verkehrsbetriebe: Die Sprecherin der Göttinger Verkehrsbetriebe, Stephanie Gallinat-Mecke, erläutert, dass in den sechs neuen Hybridbussen ein WLAN-Angebot theoretisch möglich sei. „Da wir aktuell in drei Hybridbussen Probleme mit den Routern haben, laufen aktuell nur drei von sechs Hybridbussen mit WLAN. Bis spätestens Ende des Jahres soll alles wieder funktionieren“, räumt sie ein. Die WLAN-Busse fahren auf den Linien 41 und 42, die auch Campus, Klinikum und Nordcampus bedienen.

Bei allen Bussen mit Elektroantrieb, die in der nächsten Zeit von den GöVB beschafft würden, soll freies WLAN eingerichtet werden, so Gallinat-Mecke. Derzeit haben die GöVB rund 90 Fahrzeuge im Einsatz. Wegen hoher Kosten und geringem Nutzen hatte die Verwaltung bereits 2018 vorgeschlagen, auf WLAN-Ausrüstung an den Haltestellen zu verzichten. Die Politik folgte diesem Vorschlag.

Rene Rahrt vom Göttinger AStA Quelle: r

Und was sagen die Studierenden?

„Was die WLAN-Abdeckung angeht, sind Göttingen und die Uni relativ gut aufgestellt“, sagt René Rahrt, Beauftragter für Digitalisierung im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). Die Abdeckung sei gut. Irgendwo gebe es immer ein Uni-Gebäude, in dem freies WLAN für Studierende zur Verfügung stehe.

Sehr gut sei das WLAN-Angebot der GöVB in den Bussen der Linien 41 und 42. Der Service der Stadt, Termine fürs Einwohnermeldeamt online zu vereinbaren sei „sehr lobenswert“, meint Rahrt. Ein Ausbau mit weiteren Angeboten sei aber „wünschenswert“. Hier sei aber auch der Bund gefordert, um ein besseres Zusammenspiel zwischen den Behörden zu ermöglichen, sagt Rahrt. Hier laufe vieles noch „sehr umständlich“. Schon bei der Aktion Heimspiel sei eine bessere Synchronisation zwischen Uni und Stadt wichtig. Auch das Online-Angebot der Uni sei mit seinen verschiedenen Services wie etwa das Prüfungssystems ILIAS, die Anmeldungen zu Prüfungen und Veranstaltung, der Multifunktionsstudierendenausweis und Lernmodule, urteilt Rahrt.

Wichtig sei neben einer technischen Infrastruktur, dass auch Dozenten dazu übergingen, digitale Medien zu nutzen und in den Veranstaltungen zu nutzen, sagt Rahrt. Quelle: epd

Wichtig sei neben einer technischen Infrastruktur, dass auch Dozenten dazu übergingen, digitale Medien zu nutzen und in den Veranstaltungen zu anzuwenden. Hier, so Rahrt, sei „noch Luft nach oben“.

Für die Digitalisierung Studium und Lehre hat die Uni Göttingen einen Think Tank installiert, in dem Rahrt als Vertreter der Studierenden Mitglied ist. Er soll fachübergreifende Aspekte zu den wichtigen inhaltlichen Themen des digitalen Lernens und Lehren Zukunftskonzepte und Maßnahmen entwickeln.

Grundlagen des Rankings

Das waren die Grundlagen der Digital-Analyse der Lenrplattform charly.education: Verivox beim Glasfaserkabelausbau, bei der Terminvergabe bei Ämtern die Webseite der Behörde, gleiches gilt für die Verfügbarkeit von WLAN im ÖPNV und in öffentlichen Bibliotheken. Waren dort keine Angaben gemacht, sei um eine schriftliche Bestätigung der gesammelten Informationen gebeten. Stichtag für die Untersuchung war der 9. September 2019. Pro Kategorie wurden je nach Platzierung 1 bis 25 Punkte vergeben, insgesamt waren 100 Punkte möglich. Wenn eine Stadt keinerlei Kriterien einer Variable habe erfüllen können, seien null Punkte vergeben worden, heißt es.

Das 2016 von Cecil von Croÿ und Karl Bagusat gegründete Unternehmen charly.education sei in der Startup-Szene bereits bekannt; bislang unter dem Namen PlusPeter, heißt es in einer Selbstdarstellung von charly.education. Die Plattform will „digitales Lernen an deutschen Hochschulen etablieren, Studierenden helfen, effizienter zu lernen und damit die Studienabbruchquoten senken“.

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Von Michael Brakemeier

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