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Göttingen Temperaturschwankungen lösen Lawine aus
Campus Göttingen Temperaturschwankungen lösen Lawine aus
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13:18 22.03.2017
Von Angela Brünjes
Quelle: r
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Göttingen

Mit Hilfe von Aufnahmen des wissenschaftlichen Kamerasystems OSIRIS und der Navigationskamera der Rosetta-Sonde gelang es den Forschern erstmals, einen Zusammenhang zwischen zwei Ereignissen dieser Art zu belegen. Ihre Analysen, in der Fachzeitschrift Nature Astronomy veröffentlicht, zeigen zudem, dass der Schauplatz der Lawine in den Tagen zuvor starken Temperaturschwankungen ausgesetzt war. Diese könnten den Erdrutsch ausgelöst haben.

99 Prozent des abgerutschten Materials finden sich als Trümmer und Brocken am Fuß der Klippe wieder. „Der Rest muss beim Lawinenabgang ins All gewirbelt worden sein“, resümiert Dr. Holger Sierks vom MPS, Leiter des Osiris-Teams zu dem auch Forscher der Universität von Padova gehören. Die Masse wurde aus der Staubmenge aus den Aufnahmen der Navigationskamera ermittelt.

Nach Angaben der Forscher deuten die Analysen darauf hin, dass starke Temperaturschwankungen in den Wochen und Tagen vor dem Erdrutsch eine entscheidende Rolle gespielt haben könnten. „Im Juli 2015 schien die Sonne phasenweise fast senkrecht auf den überhängenden Teil der Aswan-Steilwand“, erklärt Sebastian Höfner vom MPS, der die thermischen Berechnungen durchführte. Im Laufe eines Kometentages stiegen die Temperaturen dort auf etwa 60 Grad Celsius an. Das Plateau oberhalb der Klippe hingegen erhielt in dieser Zeit nur wenig Sonnenlicht und blieb mit maximal -90 Grad Celsius eiskalt. Zwar ereignete sich der eigentliche Erdrutsch zu einem Zeitpunkt, als über der Aswan-Klippe Nacht herrschte. Die Forscher gehen dennoch davon aus, dass die starken Temperaturschwankungen bereits vorhandene Risse vergrößerten, bis das Material schließlich nachgab. Ähnliche Prozesse lösen auch auf der Erde Erosionsvorgänge aus. 

Die frische Bruchkante erlaubte zudem einen Blick ins sonst verborgene Innere des Kometen. „Die neue Fläche war mindestens sechsmal so hell wie der Rest der Kometenoberfläche“, beschreibt Sierks die Veränderung. Untersuchungen mit den verschiedenen Farbfiltern der Osiris-Kamera zeigen, dass dort gefrorenes Wasser freigelegt wurde. In den Monaten nach dem Lawinenabgang normalisiere sich die Helligkeit wieder: Das Eis war sublimiert und somit vom gefrorenen direkt in den gasförmigen Zustand übergegangen.

Die Rosetta-Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA, die den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko von August 2014 bis September 2016 auf seinem Weg um die Sonne begleitete, konnte zahlreiche solcher Ereignisse dokumentieren und einem Ausgangsort auf der Kometenoberfläche zuordnen. Während die meisten der Staubemissionen mehrere Wochen lang zu sehen sind, gibt es andere kurze Eruptionen, die nur wenige Minuten dauern.