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Göttingen Nur Minderheit will bewaffneten Dschihad
Campus Göttingen Nur Minderheit will bewaffneten Dschihad
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15:47 31.05.2017
Von Michael Caspar
Die Göttinger Anhänger von „Im Auftrag des Islam“ unterhalten seit Jahren enge Kontakte zu ähnlich radikalen Glaubensbrüdern im hessischen Sontra und nach Hildesheim. Quelle: SPF
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Göttingen

Die Mehrheit der Salafisten in Deutschland, so Käsehage während einer Veranstaltung der Grünen Jugend Göttingen, lehnten den bewaffneten Dschihad etwa in Syrien oder Anschläge in Europa ab. Die sogenannten Puristen unter ihnen wollen die strenge Auslegung des Islams im eigenen Leben verwirklichen. Für ihre Religion würden sie in persönlichen Gesprächen oder bei interreligiösen Dialogen werben.

Die Gruppe der politischen Salafisten, führte Käsehage vor 140 Zuhörern aus, suche dagegen mehr die Öffentlichkeit. Die Politischen verteilten etwa Korane in Fußgängerzonen oder prangerten medienwirksam die von ihnen wahrgenommene Diskriminierung von Muslimen an. Die Puristen und die Politischen lehnten die Vorstellung der Dschihadisten ab, wonach sich jeder Muslim dem bewaffneten Kampf gegen vermeintliche Feinde des Islams anschließen müsse. Sie werden deshalb von den Dschihadisten für „ungläubig“ erklärt und bedroht.

Gemeinsam sei allen Salafisten, dass sie die „erdrückend große Zahl“ muslimischer Gebote und Regeln streng einhielten, erklärte die promovierte Religionswissenschaftlerin von der Universität Rostock mit einem Lehrauftrag an der Universität Göttingen. Salafisten grenzten sich gegenüber anderen Muslimen, die den Glauben nicht so entschieden lebten, sowie vom Rest der Gesellschaft ab. Damit biete sich diese Form der Religiösität jungen Menschen als Protestkultur an. Salafistische Gruppe würden Anhängern zudem Geborgenheit bieten. Sie schenkten dem einzelnen Aufmerksamkeit und gewährten Anerkennung. Das mache sie insbesondere für nachwachsende Migrantengenerationen attraktiv, die sich oft ausgegrenzt fühlten.

Käsehage ermunterte ihre Zuhörer, das Gespräch mit Salafisten zu suchen. Eine Zusammenarbeit zum Wohle der Gesellschaft, etwa beim Kampf gegen Diskriminierungen, sei denkbar. Die Wissenschaftlerin sprach sich zudem gegen ein Burkaverbot aus.

Aufruf zur Gewalt

„Einige Millionen Muslime gibt es in Deutschland“, berichtete Religionswissenschaftlerin Nina Käsehage in Göttingen. Davon zähle eine „kleine Minderheit“ von einigen 1000 Menschen zu den Salafisten. Von diesem wiederum seien einige 100 Dschihadisten. Die Sicherheitskräfte hätten diese Minderheit, die in sozialen Netzwerken zu Gewalt aufrufe, lange Zeit gewähren lassen. Gleichzeitig würden in der Öffentlichkeit heute alle Salafisten als potentielle Terroristen ausgegrenzt. Das führe zu Radikalisierungen unter Salafisten, warnte Käsehage, die in Göttingen promoviert wurde.