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Göttingen Ringvorlesung über Personalunion an der Uni Göttingen eröffnet
Campus Göttingen Ringvorlesung über Personalunion an der Uni Göttingen eröffnet
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18:12 23.10.2013
Georg II. August im Hermelinmantel: Das Gemälde von Gottfried Boy hängt in der Aula der Universität. Quelle: EF
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Göttingen

Wieso die Präsidentin das erklärte, erläuterte der anschließende Vortrag „Kurfürst oder König: Zur Legitimation des Januskopfes“ von Prof. Arnd Reitemeier. Der Leiter des Instituts für Historische Landesforschung und Inhaber des Lehrstuhls für niedersächsische Landesgeschichte in Göttingen zieht einen Vergleich zum Januskopf.

Der römische Gott des Anfangs und des Endes wird oft mit zwei Gesichtern dargestellt. Mit dem „Act of Settlement“ von 1701, dem Ausgangspunkt der hannoversch-britischen Beziehung, beginnt Reitemeier seine Ausführungen. Damit sei die Grundlage für die protestantische Thronfolge in England geschaffen worden.

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Queen Anne, 1665 geboren,  war von 1702 bis 1714 die letzte britische Königin aus dem Hause Stuart. Reitemeier berichtet, dass sie trotz 18 Schwangerschaften keine erwachsenen Nachkommen hatte. Sie war nach Wilhelm III. und Maria II. die Thronfolgerin und letzte lebende Person der Linie.

Grundstein zur Personalunion

Mit ihrem Tod im Jahr 1714 hätte ihr nächster Verwandter, Jakob II., Anspruch auf den Thron gehabt. Doch dieser war bereits 1689 als Folge seiner pro-katholischen und absolutistischen Politik abgesetzt worden.

Um eine erneute römisch-katholische Regierung auszuschließen, erließ das englische Parlament den „Act of Settlement“. Der regelte, dass im Falle des Todes von Anne und Wilhelm III. das Recht der Thronfolge auf eine entferntere Verwandte, Sophie von der Pfalz, übergehen würde.

Doch die Tochter des protestantischen Königs von Böhmen starb ein paar Wochen vor Anne. So bestieg Sophies Sohn, Georg I. Ludwig aus dem Hause Hannover, den britischen Thron. Der Grundstein zur Personalunion, „die aber erst zu einem viel späteren Zeitpunkt so genannt wurde“, sagt Reitemeier, war gelegt.

Georg I., der auch Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg war, musste laut dem „Act of Settlement“ in England regieren. „Damit war das erste Gesicht das Januskopfes geschaffen. Dieses Gesicht schaute nur nach Großbritannien“, meint Reitemeier. Georg I. soll aber vor seinem Verlassen Regeln aufgestellt haben, wie das Kurfürstentum zu regieren sei: nämlich über ihn. So herrschte er mittels massiven Schriftverkehrs über seine „teutschen Lande“. „Das zweite Janusgesicht schaute nach unten und las“ meint Reitemeier.

Professor der Rechte

In seinem Testament schrieb Georg I., dass – wie Reitemeier es zusammenfasst – eine „Regierung aus der Distanz nicht möglich sei“ und wünschte, dass seine Nachkommen sich die Herrschaft über Großbritannien und dem Kurfürstentum aufteilen. Sein Sohn, Georg II. August regierte wie der Vater.

So soll sich – auch über die nächsten Herrscher, Georg III. Wilhelm und Georg IV. August – ein Wissens- und Kulturtransfer zwischen Großbritannien und dem Kurfürstentum entwickelt haben. Reitemeier kommt auf die einleitenden Worte der Universitätspräsidentin zu sprechen.

Georg II. August stiftete 1734 die im Jahr 1737 gegründete Universität Göttingen. Johann Stephan Pütter, 1746 an die Georgia Augusta als Professor der Rechte berufen, dokumentierte 1777 als einer der Ersten den Begriff der bis 1837 währenden Personalunion, der für die Herrschaft der Welfen in Großbritannien prägend werden sollte.

Die Ringvorlesung „Kommunikation & Kulturtransfer in der Personalunion“ wird am Dienstag, 29. Oktober, fortgesetzt. Prof. Barbara Schaff, Göttingen, spricht über „Die Hannoveraner Könige im Zerrspiegel der britischen Karikatur“ um 18.15 Uhr in der Aula der Universität, Wilhelmsplatz 1.