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Göttingen SPD-Politikerinnen informieren sich über Digitalisierung
Campus Göttingen SPD-Politikerinnen informieren sich über Digitalisierung
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00:27 25.03.2018
Silke Lesemann (4. v. l.) mit Gabriele Anderetta (2. v. l.), der Universitätspräsidentin Prof. Ulrike Beisiegel (2. v. r.), Prof. Martin Langner (r.) und dessen Mitarbeitern.
Silke Lesemann (4. v. l.) mit Gabriele Anderetta (2. v. l.), der Universitätspräsidentin Prof. Ulrike Beisiegel (2. v. r.), Prof. Martin Langner (r.) und dessen Mitarbeitern. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Mit einigem Stolz präsentierte Martin Langner seinen Forschungsschwerpunkt. Der Professor für klassische Archäologie und ihre digitale Methodik und seinen Mitarbeiter fertigen mit einem hochsensiblen Weißlicht-Scanner 3D-Abbildungen von Skulpturen. Das Gerät misst in einem Feinbereich am Rand des optisch Möglichen, der mit bloßem Auge nicht wahrzunehmen ist. Die Scans dienen beispielsweise dazu, Maße zu vergleichen. So lasse sich ermitteln, ob Abgüsse aus derselben Form entstanden sind, erklärte Langner. Einen Torso des Gottes Herakles hatte sein Team dazu bereitgestellt und beim Politikerbesuch vermessen. Nur in Oxford und in Boston gebe es dein vergleichbares Objekt, erläuterte Langner mit Blick auf den Torso aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.

Bei der Vermessung von sechs weiblichen Figuren, die das Gebälk der Akropolis tragen, sei festgestellt worden, das die Vervielfältigung von Bauplastiken bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. möglich war, nicht erst 400 Jahre später, wie bislang angenommen.

Auf besonderes Interesse stieß bei den Politikerinnen eine weitere Einsatzmöglichkeit der 3D-Scans. Mit ihnen rekonstruiert das Langner-Team Museumspräsentationen aus den Jahren 1804 in Padua und 1904 in Wien. So könne die räumliche Wirkung der Objekte bei einem virtuellen Rundgang durch die historischen, längst abgerissenen Museumsräume erfahren werden, so Langner. Mit großem Vergnügen begaben sich Andretta und Lesemann mit einer VR-Brille auf den Rundgang. „Man wird zum Zeitreisenden“, sagte Andretta. „Das ist der Plan“, erwiderte Langner.

Zwei Promovenden gehören zu Langners Arbeitsmannschaft. Der eine forscht als Informatiker auf die Digitalisierung, der anderer als klassischer Archäologe. Besonders diese Verbindung von „angewandter Informatik und, eingebettet in Grundlagenforschung“ würdigte Andretta. Und Langner präsentierte sein Institut, das 2016 gegründete 3D-Campuslabor, und Team als Vorreiter der digitalen Archäologie.

Sei wollten sich vor Ort informieren, „um zu verstehen, was wir in Hannover beschließen“, erklärte Andretta beim abschließenden Besuch der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek (SUB). Die Verstärkung des Bereichs Digitalisierung und, damit verbunden, mehr Digitalisierungsprofessuren an niedersächsischen Universitäten“ stehe ganz oben auf der Agenda, ergänzte Lesemann, „die Digitalisierung ist im Fokus der Wissenschaftpolitik in Niedersachsen“. Vor allem über Digital Humanities, den Einsatz computergestützter Verfahren in den Geisteswissenschaften, wollten sich die Sozialdemokratinnen informieren und sprachen dazu mit Prof. Wolfram Horstmann, dem Direktor der SUB, und Prof. Ramin Yahyapour, Leiter der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung Göttingen, die laut Yahyapour rund 100 000 Nutzer und damit weitaus mehr Nutzer als vergleichbare Einrichtungen bedient. Beide referierten vor allem über die Kooperationen über Ländergrenzen hinweg und die Bestrebungen, in Göttingen wissenschaftliche Einrichtungen zu Zentren weltweiter Netzwerke zu etablieren. Um die auch dafür notwendige Interdisziplinarität zu gewährleisten, soll im kommenden Jahr ein Institut in Göttingen gegründet werden, erläuterte Yahyapour. Sechs Professuren seien dafür in Vorbereitung. Der Personalmarkt dafür sei allerdings eng, so Yahyapour. Das Augenmerk richte sich daher vor allem auf junge Spitzenwissenschaftler mit großer Zukunft, die in Göttingen eine hervorragende Ausstattung vorfinden sollen.

Abschließend resümierte Lesemann den Ertrag der Gespräche. Die Geschwindigkeit, mit der das Forum Wissen seit ihrem letzten Besuch vor vier Jahren auf den Weg gebracht worden sei, würdigte sie wie auch die Gespräche in der Archäologischen Sammlung und der SUB. Lesemann: „Das sind neue Horizonte, die jetzt mehr mit Inhalt gefüllt sind.“

Von Peter Krüger-Lenz

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