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Göttingen Von Steinen und Mathematik im Billardspiel: Göttinger Professoren machen Wissenschaft spannend
Campus Göttingen Von Steinen und Mathematik im Billardspiel: Göttinger Professoren machen Wissenschaft spannend
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08:48 10.11.2019
Prof. Stefan Halverscheid erklärt die Mathematik der Billardkugel mit Reißzwecken und Papier. Quelle: Ulrich Schubert
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Göttingen

Ein wenig ehrfürchtig hebt Nora Craemer den unscheinbaren Stein vom Tisch hoch und wiegt ihn in ihrer Hand. Eigentlich studiert sie Molekularmedizin, dieser besondere Brocken aber fasziniert sie – wie viele andere in der Gruppe. 3,8 Milliarden Jahre alt ist der Gneis, und er hat es schon in eine TV-Wissenssendung von Ranga Yogeshwar geschafft, erzählt Prof. Gerhard Wörner nicht ohne Stolz. „Es ist mein ältester Stein.“

Der Mineraloge, Geologe, Petrograph, Vulkanologe und Geochemiker an der Göttinger Uni ist begeistert von Steinen. Am Sonnabend hat er viele der mehr als 40 Besucher seiner Vorlesung mit dieser Begeisterung angesteckt. Mit seinem Vortrag über „Rockstars und Klima – die Geschichte von Steinen und Leben auf unserem Planeten“ hat Wörner die Reihe „Saturday Morning Science“ eröffnet.

Acht Vorlesungen an vier Sonnabenden

Saturday Morning Science (Samosci) gibt es seit fünf Jahren. Die Vortragsreihe umfasst ganz unterschiedliche wissenschaftliche Themengebiete und richtet sich in erster Linie an Schüler, erklärt Mitorganisatorin Daria Roters von der„jungen Deutschen Physikalischen Gesellschaft“(jDGP). Ziel sei es, schon bei Jugendlichen das Interesse an Naturwissenschaften zu wecken. Aber auch andere Interessierte seien willkommen.

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Steine und Billard-Mathe – die Bildergalerie

Unterhaltsam mit Steinen oder Mathespielen zum Anfassen haben die ersten Wissenschaftler die Reihe „Saturday Morning Science“ an der Uni Göttingen eröffnet.

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Und sie kommen. Etwa zehn der knapp 50 Besucher der ersten beiden Vorträge gehörten zur Senioren-Altersgruppe. „Mich treibt die Neugierde“, verriet ein 89-jähriger Teilnehmer, der ansonsten anonym bleiben möchte. Beruflich habe er sich früher mit Mess- und Regeltechnik befasst, „aber mich interessieren auch andere Wissenschaften im Bereich der Natur“.

Über den Tellerrand schauen

Der Vortrag von Wörner hat ihm „sehr gut“ gefallen. Dabei war der Mineraloge als Überraschungsgast für eine ausgefallene Vorlesung über DNA-Analytik eingesprungen. Ole Umlauft hat das nicht gestört – im Gegenteil. Der Student der Informatik hat seine Freundin zur Sondervorlesung begleitet: „Einfach aus Interesse, man muss ja auch mal über den eigenen Tellerrand schauen.“ Und er war „total überrascht, was man alles aus einfachen Steinen lesen kann“.

Zuhörer Moritz Kopperschmidt vertritt neben vielen anderen am ersten Vorlesungstag die Hauptzielgruppe. Der Schüler am Theodor-Heuss-Gymnasium im 12. Jahrgang will nach dem Abitur in die Naturwissenschaften – „diese Richtung ist klar“. Aber für den konkreten Fachbereich hat er sich noch nicht entschieden. Angeregt durch einen Tipp seines Lehrers und den Veranstaltungsflyer will er sich an diesem Tag von Prof. Stefan Halverscheid vom Mathematischen Institut in „mathematische Billardspiele“ ziehen lassen.

Die Arbeitsthese klingt simpel: Der Lauf einer Billardkugel hängt entscheidend von der Geometrie des Billardtisches ab. Unterschiedliche Formen der Banden führen auf ganz verschiedene dynamische Phänomene. Phänomene, die Halverscheid anhand von kleinen Experimenten aller Teilnehmer mit geknicktem Papier, Reißzwecken und Gummiband veranschaulicht. Im Ansatz zumindest. Kommen dann am Monitor Brennpunkte von Kreisen und Ellipsen und ihr Einfluss auf periodische und nicht-periodische Bahnen ins Spiel, steht doch einigen „Samstag-Morgen-Studenten“ das Fragezeichen auf der Stirn. Umso mehr, als ein Zehnjähriger Zuhörer nahezu alle Phänomene erklären kann und immer tiefergehende Fragen stellt. Er studiert bei Halverscheid im 3. Semester Mathematik.

Und wieder etwas gelernt

Das erstaunt viele Besucher kaum weniger als die sternenförmigen Bahnenverläufe virtueller Billardkugeln am Großbildmonitor, die laut Halverscheid auch „Konstanten der Bewegung“ unterliegen. Spaß haben sie allemal dabei – und wieder etwas gelernt.  

Die acht Samosci-Vorlesungen finden jeweils Sonnabends um 10 und 11.30 Uhr auf dem Nordcampus statt. Die Ringvorlesungen werden von jungen Studenten aus den sogenannten Mint-Fächern organisiert. Federführend ist die jDGP. Beteiligt sind außerdem das Jung-Chemiker-Forum (JCF), die Fachgruppen Biologie und Geowissenschaften sowie die Fachschaftsräte Mathematik und Informatik an der Georg-August-Universität Göttingen.

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So geht es weiter bei Samosci19

Weitere Vorlesungen

Die Samosci-Ringvorlesung erstreckt sich über vier Samstage im November – jeweils mit zwei Vorlesungen um 10 Uhr und um 11.30 Uhr. Die weiteren Vorträge in diesem Jahr:

16. November(Jeweils im Hörsaal 2 der Fakultät für Physik, Friedrich-Hund-Platz 1):

Grundlagen der Quantenphysikund ihre Bedeutung für die heutige Technologie, Dr. Salvatore R. Manmana vom Institut für Theoretische Physik;

Künstliche Intelligenz im Alltag und wie sie unser Handeln beeinflusst, Dr. Sven Bingert von der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen.

23. November(Hörsaal MN 08 der Fakultät für Geowissenschaften und Geographie, Goldschmidtstraße 3).

Partnersuche bei Pilzen, Prof. Dr. Kai Heimel vom Institut für Mikrobiologie und Genetik.

Die ersten Spuren von Leben auf unserem Planeten und wie sie sich aus Gestein rekonstruieren lassen, Dr. Jan-Peter Duda von der Geobiologie.

30. November (Hörsaal MN27 der Fakultät für Chemie, Tammannstraße 4)

Wie chemische Prozesse und Energie miteinander verknüpft sind, Prof. Dr. Thomas Waitz vom Institut für Anorganische Chemie.

Warum wir im Universum bislang keine andere Zivilisation entdeckt haben – oder von einer anderen entdeckt worden sind, Prof. Dr. Ansgar Reiners vom Institut für Astrophysik.

Weitere Infos zur Reihe Samosci19 gibt es online unter goettingen.jdpg.de/samosci19.

Von Ulrich Schubert

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