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Göttingen Schimpansen, Gorillas und Makis: Forscherteam aus Göttingen untersucht, ob große Hirne für mehr Intelligenz sprechen
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Schimpansen, Gorillas und Makis: Forscherteam aus Göttingen untersucht, ob große Hirne für mehr Intelligenz sprechen

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08:58 29.09.2020
Microcebus murinus: Zwei Junge warten im Nesteingang. Quelle: r
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Göttingen

Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans sind unsere nächsten Verwandten, haben wie wir relativ große Gehirne und sind sehr intelligent. Aber schneiden Tiere, die größere Gehirne haben, auch wirklich besser in kognitiven Tests ab? Ein Forscherteam vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen hat erstmals systematisch die kognitiven Fähigkeiten von Lemuren untersucht, die im Vergleich zu anderen Primaten relativ kleine Gehirne haben.

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Bei systematischen Tests mit identischen Methoden zeigte sich nach Angaben der Forscher, dass sich die kognitiven Fähigkeiten der Lemuren kaum von denen von Affen und Menschenaffen unterscheiden. Vielmehr zeige die Studie, dass der Zusammenhang von Hirngröße und kognitiven Fähigkeiten nicht verallgemeinert werden kann. Damit liefert sie neue Erkenntnisse zur Evolution kognitiver Fähigkeiten bei Primaten.

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Menschen zählen zu intelligentesten Wesen

Menschen und nicht-menschliche Primaten zählen nach Aussagen der Forscher zu den intelligentesten Lebewesen. Ihre Hirngröße könnte dabei von entscheidender Bedeutung sein. So wird zum Beispiel angenommen, dass größere Gehirne eine schnellere Lernfähigkeit und ein besseres Gedächtnis ermöglichen. Innerhalb der Primaten unterscheideten sich verschiedene Arten in ihrer Gehirngröße. Deshalb habe das Forscherteam untersucht, ob sich die kognitiven Leistungen von Lemuren, die relativ kleine Gehirne besitzen, von denen anderer Primaten unterschieden.

Mit der Primate Cognition Test Battery wird unter anderem das räumliche Denkvermögen bei Primaten untersucht: Kann sich der Katta merken, unter welchem Becher die Belohnung versteckt ist? Quelle: r

Mit einer umfangreichen standardisierten Testreihe kognitiver Experimente, der sogenannten „Primate Cognition Test Battery“ (PCTB), wurden bereits kleine Kinder, Menschenaffen sowie Paviane und Javaneraffen auf ihre kognitiven Fähigkeiten im technischen und sozialen Bereich getestet.

Technische kognitive Fähigkeiten umfassen das Verständnis für räumliche, numerische und kausale Beziehungen zwischen unbelebten Objekten, während soziale kognitive Fähigkeiten absichtliche Handlungen, Wahrnehmungen und das Verständnis über das Wissen anderer Lebewesen umfassen. Die ersten Versuche hätten gezeigt, dass Kinder eine bessere soziale Intelligenz besitzen als nicht-menschliche Primaten. In der technischen Kognition unterschieden sich die Arten jedoch kaum, obwohl sie sich in ihrer relativen Hirngröße stark unterscheiden.

Kattas, Schwarzweiße Varis und Graue Mausmakis

Nun haben Forschende der Abteilung „Verhaltensökologie und Soziobiologie“ des DPZ erstmals drei Lemurenarten mit der PCTB getestet. Lemuren sind die ursprünglichsten lebenden Primaten und stellen die evolutionäre Brücke zwischen Primaten und anderen Säugetieren dar, weshalb sie als lebendes Modell ursprünglicher kognitiver Fähigkeiten bei Primaten dienen. Die in dieser Studie untersuchten Kattas, Schwarzweißen Varis und Grauen Mausmakis unterscheiden sich untereinander – aber auch im Vergleich zu den bereits getesteten Altwelt-Affen – deutlich im Sozialsystem, ihrer Ernährung und Gehirngröße.

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Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass Lemuren mit ihren deutlich kleineren Gehirnen im Schnitt genauso gut in den kognitiven Tests abschneiden wie die anderen Primaten. Dies gilt selbst für Mausmakis, welche ein rund 200-fach kleineres Gehirn haben als Schimpansen und Orang-Utans.

Mäusemakis im Nesteingang. Quelle: r

Nur beim räumlichen Denken schneiden große Gehirne besser ab

Lediglich beim räumlichen Denkvermögen waren die Primatenarten mit größeren Gehirnen besser. Beim Verständnis für kausale und numerische Zusammenhänge sowie bei den Tests zu sozialen kognitiven Fähigkeiten ließen sich allerdings keine systematischen Artunterschiede erkennen. Weder Ernährung noch Sozialleben oder Hirngröße können die Ergebnisse aus den Versuchen mit der PCTB schlüssig erklären.

Claudia Fichtel. Quelle: r

„Mit unserer Studie zeigen wir, dass man kognitive Fähigkeiten nicht verallgemeinern kann, sondern dass sich Arten viel mehr in bestimmten Bereichen innerhalb ihrer sozialen und technischen Fähigkeiten unterscheiden“, sagt Claudia Fichtel, Erstautorin der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Studie. „Dementsprechend kann auch der Zusammenhang zwischen Hirngröße und kognitiven Fähigkeiten nicht generalisiert werden“.

Von Lea Lang