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Göttingen Selbstbildnis in unvergänglichen Farben
Campus Göttingen Selbstbildnis in unvergänglichen Farben
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16:14 21.12.2011
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All dies ist für Sebastian Schmidt, Mitarbeiter des Lehrstuhls für Kunstgeschichte der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, nicht so selbstverständlich. In der Vortragsreihe „Dürer aktuell“ des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Göttingen hat er seine Thesen zu „Form, Kontext und Funktion einer Selbstdarstellung“ anhand von Albrecht DürersSelbstbildnis im Pelzrock“ vorgetragen. Diese Überlegungen hatte er erstmals 2010 im „Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums“ publiziert.

Das Selbstbildnis im Pelzrock ist die dritte bekannte Selbstdarstellung Dürers: in strenger Frontalansicht, in monumentaler Symmetrie, in dunklen Tönen mit einigen hellen Akzenten gehalten. Die Farbskala beschränkt sich auf erdfarbene, braune und Ockertöne. Links neben dem Gesicht ist in goldenen Lettern die Datierung „AD 1500“ zu lesen, rechts steht der lateinische Text „Albertus Durerus Noricus / ipsum me propriis sic effin / gebam coloribus aetatis / anno XXVIII“, auf Deutsch „So malte ich, Albrecht Dürer aus Nürnberg, mich selbst mit unvergänglichen Farben im Alter von 28 Jahren“.

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Die Inschrift wie auch die Jahreszahl und das Monogramm seien auf noch sichtbaren Resten des wohl ursprünglichen Goldes zu einem unbekannten Zeitpunkt vollständig nachgezogen. Dies wurde in einer maßgeblichen Publikation der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zu den Dürer-Werken der Alten Pinakothek auf der Basis der durchgeführten Untersuchungen festgestellt. Auf dem gegenwärtigen Stand der Diskussion, so Schmidt, müsse deshalb von der Ursprünglichkeit von Datierung und Inschrift ausgegangen werden.

Nachdem Schmidt dargelegt hatte, dass frühere Zweifel an der Datierung durch eine 1998 vorgenommene dendrochronologische Untersuchung ausgeräumt worden seien, wandte er sich den Fragen nach Entstehungsumständen des Gemäldes und dessen Funktion zu. Verschiedene Theorien sind im Laufe der Zeit aufgestellt worden: Das Bild habe als Schauobjekt für den Werkstattgebrauch gedient, vielleicht auch als Vorbild für Lehrlinge, möglicherweise auch zur Selbstvergewisserung des Künstlers.

Doch es seien wohl ehrgeizigere Absichten gewesen, mutmaßt Schmidt. Zum einen sei das Bildformat mit fast 70 mal 50 Zentimetern ungewöhnlich groß für ein Selbstbildnis. Interessanterweise entspreche das Format aber späteren Dürer-Porträts hochgestellter Personen wie Maximilian I., Jakob Fugger und Kurfürst Friedrich („Der Weise“) III. von Sachsen.

Letzterer hatte 1496 Nürnberg besucht und war damals auch in Kontakt mit dem Nürnberger Dichter Conrad Celtis gekommen. Celtis, als glühender Verehrer antiken Denkens einer der Wortführer der Renaissance, hatte wiederum auch mit Dürer, der etliche seiner Werke mit Holzschnitten illustriert hatte, vielfältige Verbindungen. Somit könnte, so Schmidts These, Celtis dem mäzenatischen Kurfürsten den Künstler Dürer empfohlen haben. Und Celtis war auch literarisch für Dürer eingetreten, in seinen Werken finden sich Lobgedichte, die eindeutig auf Dürer zielen.

Celtis nennt Dürer einen „neuen Apelles“ und stellt den Nürnberger dadurch mit dem berühmtesten griechischen Maler des Altertums, dem Hofmaler Alexanders des Großen, auf eine Stufe. Und Dürer wiederum bedient sich in seinem Selbstbildnis bestimmter Farben, die der Palette des Apelles entsprechen: weiß, gelb, rot und schwarz. Die Beschränkung auf diese vier Farben gilt in der Malerei als besonders schwierig.

Dürers Bezug auf die Porträtkunst des Altertums, so Schmidts These, zielt offenbar darauf, „deren einstige Wertschätzung durch die Herrscher ihrer Zeit in der eigenen Gegenwart für sich einfordern zu können“. Mit seinem Selbstbildnis habe sich Albrecht Dürer demnach zu einem idealen Hofkünstler stilisiert, weshalb die Funktion des Bildnisses wohl primär in einem höfischen Kontext gestanden haben müsse.

Am Mittwoch, 30. November, spricht Sebastian Oesinghaus, Dresden, in der Reihe „Dürer aktuell“ zum Thema „Dürers Holzschnittfolgen „Apokalypse“, „Große Passion“ und „Marienleben“. Der Vortrag beginnt um 18.15 Uhr im Archäologischen Seminar, Nikolausberger Weg 15, Hörsaal 005.

Von Michael Schäfer

Hinweis: Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Die Formulierung „Nachdem Schmidt dargelegt hatte, dass frühere Zweifel an der Datierung durch eine 1998 vorgenommene dendrochronologische Untersuchung ausgeräumt worden seien“ war falsch. Sie wurde ersetzt, fh.