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Göttingen Forscher des SOFI in Göttingen veröffentlichen Bericht
Campus Göttingen Forscher des SOFI in Göttingen veröffentlichen Bericht
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20:00 08.04.2019
Eine der Thesen, die die Forscher aus ihren Ergebnissen ableiten ist, dass Frauenleben vielfältiger würden, für Männer bliebe es dagegen beim „Normallebensverlauf“. Quelle: dpa
Göttingen

Eine seit der Finanzkrise verbesserte Wirtschaftslage, von der wenige profitieren: Zu diesem Schluss kommen Forscher eines Verbundprojekts des Soziologischen Forschungsinstituts (SOFI) Göttingen. Ihren Gesamtbericht „Exklusive Teilhabe, ungenutzte Chancen“ haben sie nun als Buchfassung veröffentlicht.

Das interdisziplinäre Verbundprojekt „Dritter Bericht zur sozioökonomischen Entwicklung in Deutschland“ unter der Leitung von Wissenschaftlern des SOFI analysierte zwischen den Jahren 2013 und 2016, wie sich soziale und wirtschaftliche Entwicklungen in Deutschland seit den 1990er Jahren ausgewirkt haben. Die Wissenschaftler aus universitären und außeruniversitären Bereichen, von sozial- und wirtschaftswissenschaftlich ausgerichteten Forschungseinrichtungen und Datenzentren schauten dabei nicht nur auf die gesamtwirtschaftliche und demografische Entwicklung, teilt Dr. Jennifer Villarama vom SOFI mit.

Bessere Wirtschaftslage, exklusive Teilhabe

Auch wie sich soziale Sicherungssysteme verändern und wie sie wirken, war Teil der Analyse. Betriebliche Strategien, Chancenstrukturen im Lebenslauf, Ungleichheit und Differenzierung in Erwerbsteilhabe und im Konsum zählten dazu.

Die Wissenschaftler schließen aus ihrem Bericht, dass sich die wirtschaftlichen Kennzahlen und der Arbeitsmarkt in Deutschland seit der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 verbessert hätten. Jedoch blieben die Bedingungen, an der verbesserten Lage teilzuhaben, exklusiv. Dies gelte im Vergleich mit anderen Ländern, aber auch gegenüber der Zonen der Armut und Prekarität der deutschen Gesellschaft, sagt Villarama. Das Ziel, künftig wirtschaftlich zu sein, würde verfehlt.

Sieben Thesen aus Ergebnissen abgeleitet

Der Koordinator des Verbundprojekts, Dr. Peter Bartelheimer vom SOFI, leitet aus den Ergebnissen des nun veröffentlichten Gesamtberichts sieben Thesen ab. Die sozioökonomische Entwicklung biete heutzutage mehr Spielraum für politische Gestaltung, sagt Bartelheimer. Die Erwerbsteilhabe bliebe bestimmend, werde heterogener und für viele unsicherer.

„Die Aufstiegschancen im Beschäftigungssystem bleiben ungleich“, schließt der Forscher. Frauenleben würden vielfältiger, für Männer bliebe es dagegen beim „Normallebensverlauf“. Die materielle Ungleichheit nehme zu und verfestige sich. Sicherungen gegen Erwerbsrisiken würden schwächer. Ohne mehr Gleichheit könne es zudem keine Nachhaltigkeit geben.

Dritter Bericht in Forschungsverbund des SOFI

Der Bericht ist bereits der dritte, den ein Verbundprojekt des Forschungsverbunds „Sozioökonomische Berichterstattung“ (Soeb) veröffentlicht. Wie schon der Bericht „Arbeit und Lebensweisen“ aus dem Jahr 2005 und der Bericht „Teilhabe im Umbruch“ aus dem Jahr 2012 wurde auch der aktuelle vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert, teilt Villarama mit.

Der Bericht erweitere das Methodeninventar der Sozialberichterstattung in Deutschland und nutze Ansätze der makroökonomischen Modellierung. Nach Angaben von Villarama trage „Exklusive Teilhabe, ungenutzte Chancen“ dazu bei, Teilhabe als Gerechtigkeitsnorm und als Leitkonzept zu verstehen.

Der Gesamtbericht „Exklusive Teilhabe, ungenutzte Chancen“ ist als vollständige Buchfassung im Wbv-Verlag erschienen. Die 21 Kapitel des Berichts, die bereits einzeln online veröffentlicht wurden, bleiben weiter im Internet abrufbar. Sie können unter www.wbv.de heruntergeladen werden. Weitere Informationen über die Arbeit des Forschungsverbunds Soeb gibt es unter www.soeb.de.

Von Norma Jean Levin

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