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Göttingen Stammbaum von Pavianen rekonstruiert – DPZ Göttingen ist beteiligt
Campus Göttingen Stammbaum von Pavianen rekonstruiert – DPZ Göttingen ist beteiligt
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20:00 30.01.2019
Ein weiblicher (l.) und ein männlicher Mantelpavian in der Küstenwüste von Eritrea. Quelle: R
Göttingen

Rückschlüsse auf die Entwicklungsgeschichte früher Menschenarten seien möglich, teilt Sylvia Siersleben, Bereich Kommunikation des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung Göttingen, mit.

Leitung: Human Genome Sequencing Center Baylor College of Medicine

Die Leitung des Projekts haben Forscher des Human Genome Sequencing Center am Baylor College of Medicine, USA. Die Erbinformationen der Paviane lieferten deutliche Hinweise darauf, „dass es zwischen den Arten zum Austausch von Genen kam, die Arten sich also gekreuzt haben“, so Siersleben, Bereich Kommunikation des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung Göttingen.

Rückschlüsse auf die Entwicklungsgeschichte früher Menschenarten

Die Arbeit werfe ein neues Licht auf die grundlegenden biologischen Prozesse, die neue Spezies hervorbringen. Da sich die Paviane etwa zur gleichen Zeit und im gleichen Lebensraum wie der Mensch entwickelt hätten, ermöglichten die Ergebnisse der Studie auch Rückschlüsse auf die Entwicklungsgeschichte früher Menschenarten (Science Advances), so Siersleben.

Christian Roos (DPZ): Hinweise auf „Ghost Line“

„Die Kindapaviane, eine im südlichen Afrika beheimatete Pavianart, sind sehr wahrscheinlich durch Verschmelzung von zwei ursprünglichen Pavianlinien entstanden“, erklärt Christian Roos, Wissenschaftler in der Abteilung Primatengenetik am Deutschen Primatenzentrum und einer der Autoren der Studie. „Darüber hinaus konnten wir auch genetische Merkmale identifizieren, die keiner der heute lebenden Pavianarten mehr zugeordnet werden können und auf Genfluss von einer ausgestorbenen Pavianlinie, einer sogenannten ‚ghost line‘, hinweisen.“

„Ausgezeichnetes Modell“ für die Gattung Homo

Hybridisierung zwischen verschiedenen Pavianarten seien auch heute noch in Gebieten zu beobachten, in denen die Verbreitungsgebiete von Arten aneinandergrenzen. Da sich die Paviane genau wie der Mensch vor rund zwei Millionen Jahren in den gleichen Lebensräumen südlich der Sahara entwickelt hätten, seien sie „ein ausgezeichnetes Modell“, um die evolutionäre Entwicklung der Gattung Homo nachzuvollziehen, von der der moderne Mensch als einzige Art überlebt hat.

Dietmar Zinner (DPZ): Genetischer direkt zu beobachten

„Unsere Kollegen vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und in anderen Laboren haben bereits gezeigt, dass der moderne Mensch mit anderen Arten wie Neandertaler oder Denisova-Mensch hybridisierte“, sagt Dietmar Zinner, Wissenschaftler in der Abteilung Kognitive Ethologie am DPZ und ebenfalls einer der Autoren. „Im Gegensatz zum Menschen, deren Schwesterarten ausgestorben sind, sind die Kreuzung und der genetische Austausch unter den Pavianarten auch heute noch direkt zu beobachten. Studien zur Hybridisierung bei Pavianen ermöglichen uns ein besseres Verständnis der Evolution unserer eigenen Art.“

Einflüsse von Klima und Umweltveränderungen auf die Evolution

Paviane stellen aber nicht nur ein Modell für Hybridisierungsstudien dar. Sie dienen Forschern darüber hinaus auch als ausgezeichnetes Vergleichsmodell, um Einflüsse von historischen Klima- und Umweltveränderungen auf die Evolution von Savannenprimaten, einschließlich des Menschen, zu untersuchen.

Originalpublikation: Rogers J. et al. (2019): The comparative genomics and complex population history of Papio baboons. Science Avance, DOI 10.1126/sciadv.aau6947

Von Stefan Kirchhoff

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