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Göttingen Stimme verrät den Eisprung nicht
Campus Göttingen Stimme verrät den Eisprung nicht
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18:04 21.09.2011
Gnadenfrist für Sängerinnen: Szene aus „Rigoletto“, 2009 in Berlin aufgeführt. Quelle: dpa
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Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) in Göttingen haben diese These jetzt in einer neuen Studie überprüft – und sind zu einem anderen Ergebnis gekommen: „Die Stimme einer Frau verrät den Zeitpunkt des Eisprunges nicht“, sagt die Verhaltensforscherin und Leiterin der Abteilung Kognitive Ethologie am Deutschen Primatenzentrum, Prof. Julia Fischer. Aus der Qualität der Stimme lasse sich kein Rückschluss auf die fruchtbaren Tage der Frau ziehen.

Das deutsch-englisch-israelische Forscherteam führt seine abweichenden Ergebnisse vor allem darauf zurück, dass die neue Studie breiter angelegt war. Die meisten früheren Untersuchungen hätten sich auf nur zwei Phasen des weiblichen Zyklus beschränkt, indem jeweils die Frauenstimmen zum Zeitpunkt einer hohen und einer niedrigen Befruchtungswahrscheinlichkeit aufgenommen worden. Für ihre jetzt veröffentlichte Studie betrachteten die Forscher um Julia Fischer dagegen einen kompletten Menstruationszyklus. Außerdem verglichen sie die Stimmqualität mit den täglichen Veränderungen im Hormonspiegel.

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Dabei bestätigte sich, dass Frauen kurz vor dem Eisprung mit einer etwas höheren und variableren Grundfrequenz sprechen - allerdings tun sie dies auch wieder nach dem Eisprung. Insgesamt seien die Variationen in der Stimmqualität im Verlauf eines Menstruationszyklus so stark, dass der Zeitpunkt, an dem die höchste Befruchtungswahrscheinlichkeit herrscht, nicht erkennbar sei, erläutert Fischer. Zusätzliche Wahrnehmungsexperimente zeigten zudem, dass Männer nur eine sehr schwache Vorliebe für die Stimmen hätten, die während der fruchtbaren Tage aufgenommen worden waren. Ein klarer Zusammenhang zwischen den Veränderungen im Hormonspiegel und der Stimmqualität lasse sich nicht nachweisen.

Interessant fanden die Wissenschaftler um Verhaltensforscherin Fischer auch ein anderes Phänomen: Frauenstimmen sind während der Menstruation rauer und ungleichmäßiger. „Dies erklärt, warum weiblichen Opernsängerinnen eine dreitägige Gnadenfrist während ihrer Periodenblutung gewährt wird.“

Von Heidi Niemann