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Göttingen Streit um Professur an der Uni Göttingen: Unterlegene Bewerberin scheitert vor Gericht
Campus Göttingen Streit um Professur an der Uni Göttingen: Unterlegene Bewerberin scheitert vor Gericht
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08:00 30.12.2019
Streit um Professur: Gericht weist Antrag von unterlegener Bewerberin ab. Quelle: dpa
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Göttingen

Wer eine ausgeschriebene Professorenstelle an der Universität Göttingen künftig besetzt, darüber entscheiden normalerweise allein die universitären Gremien. Weil sich diese jedoch bei einer anstehenden Berufung an der Philosophischen Fakultät uneins waren, musste sich das Verwaltungsgericht Göttingen mit der umstrittenen Stellenbesetzung beschäftigten.

Dort hatte eine Bewerberin geklagt, die zwar vom Fakultätsrat favorisiert worden war. Sowohl die Berufungskommission als auch der Senat setzten jedoch eine andere Kandidatin auf Platz eins der Rangliste. Das Uni-Präsidium und der Stiftungsausschuss schlossen sich dem an. Die unterlegene Dozentin wollte der Universität daraufhin in einem Eilverfahren untersagen lassen, die Stelle mit der Mitbewerberin zu besetzen. Das Gericht wies ihren Antrag allerdings als unbegründet ab. Das Präsidium sei grundsätzlich berechtigt, die Reihenfolge des vom Fakultätsrat beschlossenen Berufungsvorschlags zu ändern (Aktenzeichen 3 B 152/19).

Stellenwert der Genderforschung

Bei der zu besetzenden Stelle handelt es sich um eine Professur, die vom Land Niedersachsen im Rahmen des Maria-Goeppert-Mayer-Programms finanziert wird. Dieses Programm zielt darauf ab, die Genderforschung – also die Erforschung der Geschlechterverhältnisse – an den Hochschulen zu stärken. Laut Ausschreibung sollte der oder die zukünftige Stelleninhaber oder Stelleninhaberin das Fach Philosophie vertreten und müsste zudem qualifiziert sein, Genderfragen in Forschung und Lehre schwerpunktmäßig zu behandeln. Welchen Stellenwert die Genderforschung haben sollte, wurde in allen Gremien kontrovers diskutiert.

Die Berufungskommission beschloss zunächst, für drei Kandidatinnen, die in die engere Wahl gekommen waren, externe vergleichende Gutachten einzuholen. Am Ende votierte eine knappe Mehrheit von 5:4 Stimmen für eine Bewerberin, der eine größere philosophische Bandbreite zugesprochen wurde. Eine andere Kandidatin, die vor allem in der Genderforschung ausgewiesen war, kam dagegen auf Platz zwei.

Die Leiterin des Göttinger Centrums für Geschlechterforschung (GCG) wies in einem Minderheitenvotum darauf hin, dass sie diese Rangfolge nicht mittragen könne. Ihrer Ansicht nach sei die auf Platz zwei rangierende Bewerberin die ideale Kandidatin, weil diese deutliche gendertheoretische Schwerpunkte aufweise.

Kontroverse Diskussion

Der Fakultätsrat sah dies ähnlich und sprach sich mit 7:1 Stimmen bei zwei Enthaltungen dafür aus, die Reihenfolge zu ändern und die besonders in der Genderforschung profilierte Dozentin auf Platz eins zu setzen. Dies wiederum stieß bei einigen Senatsmitgliedern auf Kritik. Sie waren der Ansicht, dass die Philosophie den Kern der Professur ausmache und die Genderforschung lediglich einen Schwerpunkt bilde. Nach kontroversen Diskussionen lehnte die Mehrheit der Senatsmitglieder den Berufungsvorschlag des Fakultätsrates ab.

Anschließend entschied das Uni-Präsidium, den vom Fakultätsrat beschlossenen Berufungsvorschlag zu ändern und die ursprüngliche Reihenfolge wiederherzustellen. Nachdem auch der Stiftungsausschuss dafür votiert hatte, zog die unterlegene Kandidatin vor Gericht. Sie machte geltend, dass sie für das Fachgebiet Genderforschung der Philosophie offenkundig besser qualifiziert sei und alle von der Berufungskommission formulierten Kriterien erfülle.

Intensive Beratungen

Das Gericht verwies in seinem Urteil darauf, dass es nicht zu bewerten habe, ob ein Bewerber besser geeignet sei als ein anderer. Es könne nur überprüfen, ob es bei der Auswahlentscheidung Verfahrensfehler gegeben habe und ob der Beurteilungsspielraum überschritten worden sei. Beides sei nicht der Fall. Sämtliche Entscheidungen seien nach intensiven Beratungen getroffen worden.

Die Auswahl sei auch ermessensfehlerfrei erfolgt. Die Antragstellerin habe nicht glaubhaft gemacht, dass sie dem Anforderungsprofil der Professur mehr entspreche. In der Ausschreibung werde deutlich, dass die Qualifizierung, Genderfragen in Forschung und Lehre schwerpunktmäßig zu behandeln, eben nicht bedeute, ausschließlich oder fast ausschließlich in Genderfragen zu forschen und zu lehren. Vielmehr seien auch alle übrigen Studiengänge am Philosophischen Seminar zu bedienen. Letztlich hätten beide Bewerberinnen an die erste Stelle der Berufungsliste gesetzt werden können. Die vorgenommene Schwerpunktsetzung könne vom Gericht nicht beanstandet oder gar ersetzt werden.

Ein Sprecher der Universität Göttingen erklärte auf Anfrage zum weiteren Verfahren, dass nach Ablauf der Berufungsfrist nun die Ernennung erfolgen könne.

Von Heidi Niemann

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