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Göttingen Studenten aus ganz Deutschland messen sich in Göttingen im Debattieren
Campus Göttingen Studenten aus ganz Deutschland messen sich in Göttingen im Debattieren
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12:55 20.01.2020
Saskia Esken (SPD) erklärt, was Meinungsfreiheit für sie bedeutet. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Studenten aus ganz Deutschland haben an diesem Wochenende in Göttingen leidenschaftlich miteinander debattiert. Am Sonntag traten die Finalisten an und die Sieger wurden gekürt: Eine Ehrenjury, in der unter anderem SPD-Vorsitzende Saskia Esken saß, kührte Jakobus Jaspersen aus Heidelberg als Einzelsieger. Anton Leicht und Marius Hobbhahn aus Tübingen lieferten als Team am überzeugendsten ab. Ein Göttinger schaffte es auch ins Finale: Der 24-jährige Medizinstudent Habakuk Hain.

Bei dem Debattierturnier argumentierten mehr als 120 Studierende zu Themen aus den Bereichen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, darunter Fragen wie: „Sollten Angestellte in Konzernen kollektiv über die ausgezahlten Löhne abstimmen?“ und „Sollten die USA ihre wirtschaftlichen Sanktionen gegenüber Venezuela aufheben?“. Das Finale in der Alten Mensa verfolgten am Sonntagnachmittag 150 Zuschauer.

Zur Ehrenjury gehörten unter anderem Jürgen Trittin und Saskia Esken. Quelle: r

Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken betonte in ihrem Grußwort, dass Argumentieren der Kernbestandteil unserer Demokratie sei: „Wir müssen ein Stück weit wieder lernen, miteinander zu diskutieren.“ Esken bedauerte in diesem Atemzug, dass sich immer mehr Menschen mit ihrer Meinung zurückziehen.

Die Veranstaltung war Teil der Turnierreihe „Campus Debatten“, die an unterschiedlichen Hochschulen Deutschlands ausgerichtet wird. Veranstalter ist der Verband der Debattierclubs an Hochschulen (VDCH). In der Alten Mensa am Wilhelmsplatz trafen die Wettkämpfer zusammen. Die Debatten wurden im British Parliamentary Style geführt – es kam also bloß auf den Inhalt an, nicht auf die Rhetorik. Dementsprechend setzten einige Teilnehmer ihrem Redetempo kein Limit.

Temperament am Rednerpult

Jeder Finalist hatte sieben Minuten Zeit, seine Meinung am Rednerpult zu vertreten. Dabei traten sie selbstbewusst auf – und vermittelten den Eindruck, nicht zum ersten Mal vor einem Publikum zu debattieren. Zwei Teams, bestehend aus zwei Studenten, stellten eine Regierungspartei. Ihr Standpunkt lautete: Entwicklungsländer sollten ihre Ressourcen nicht selbst verwalten. Denn diese schadeten ihnen mehr, als dass sie ihnen nutzten.

Marius Hobbhahn aus der Regierungspartei tritt als erster ans Rednerpult. Quelle: Swen Pförtner

Leicht zog als Beispiel die Inflation in Venezuela heran: „Das Land ist jetzt ärmer als die Länder drumrum, die keine Ölressourcen hatten“, erklärte er in rasender Geschwindigkeit. Sieger Jaspersen argumentierte: „Ressourcen wecken Begehrlichkeiten. Alle sehen: Dort ist der Schlüssel für meinen Luxus – und er ist so nah.“ Ethnische Konflikte würden befeuert. Die ethnische Gruppe, die im Besitz der Ressource ist, treffe auf den Hass anderer Gruppen.

So antwortete die Opposition

Zwei Teams hielten mit Argumenten aus der Oppositionspartei dagegen. Elâ Marie Akay aus Berlin sagte: „Bodenschätze sind Staatskapital.“ Außerdem erklärte sie, Entwicklungsländer benötigten ein Startkapital, um sich weiterentwickeln zu können. „Dieses kann beim Aufbau einer Infrastruktur helfen.“ Ihr Partner Hain bekräftigte: „Um die Bodenschätze herum bildet sich ein Kern von Infrastruktur – diese Entwicklung können die Länder anschließend ausbauen.“

Jannika Schoon und Christopher Gack aus Hamburg bildeten die Opposition gemeinsam mit Elâ Marie Akay aus Berlin und dem Göttinger Habakuk Hain. Quelle: Swen Pförtner

Die Leidenschaft der Teilnehmer für das Debattieren wertschätzte Politikerin Esken in ihrer Rede. „Das Argumentieren ist Kern der Demokratie“, sagte sie. Dabei betonte sie die Bedeutung der Meinungsfreiheit – und machte Eines deutlich: „Hass und Hetze sind allerdings keine Meinungen. Durch sie entstehen nur Ausgrenzungen.“ Gemeinsam mit Jürgen Trittin, Bundestagsabgeordneter der Grünen, Konstantin Kuhle, Beisitzer im FDP-Bundesvorstand und Jule Biefeld, Vostandsmitglied der Deutschen Debattiergesellschaft, saß sie in der Ehrenjury.

Der Göttinger Finalist

Hain nahm als einziger Göttinger an dem Finale teil. 72 Redner und 27 Juroren seien bei dem Turnier an diesem Wochenende aktiv gewesen, so Hain anschließend. Seit 6 Jahren sei er im Debattierclub aktiv, seit dem Beginn seines Studiums. „Es mag ein bisschen nerdig wirken, aber es macht mir Spaß. Und ich finde es toll, mich mit Themen auseinanderzusetzen – und Wahrheiten in Frage zu stellen“, sagte er.

„Man lernt, anwaltlich einen Standpunkt zu vertreten“, sagte Hain. Während der Turniere habe er viele Freunde aus ganz Deutschland getroffen. „Bei Veranstaltungen wie dieser sehen wir uns wieder – darauf freue ich mich immer“, erzählte er. Die Teilnehmer hätten heute „inhaltlich solide“ argumentiert.

Ehrenjury und Gewinner (v.l.): Konstantin Kuhle (Mitglied des Bundestags und ehemaliger Bundesvorsitzender der JuLis), Marius Hobbhahn, Anton Leicht, Jakobus Jaspersen, Saskia Esken (Bundesvorsitzende der SPD), Jule Biefeld (Vorstandsmitglied der DDG) Quelle: r

Die Campus-Debatten

Die Campus-Debatten sind eine seit 2018 bestehende Turnierserie. Die Wettkämpfe werden an unterschiedlichen deutschen Hochschulen ausgerichtet. Veranstalter ist der Verband der Debattierclubs an Hochschulen (VDCH) mit Unterstützung der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, der Karl Schlecht Stiftung und der Deutschen Debattiergesellschaft.

Während der Turniere messen sich die Redner über mehrere Runden hinweg. Am Ende debattieren die besten Teams im Finale gegeneinander. Sie liefern sich in einer Debatte vor Publikum einen Kampf um die überzeugenderen Argumente, schlagfertigeren Konter und um die Sympathie der Zuhörer.

Jedes Turnier hat jeweils am letzten Tag ein öffentliches Finale, in dem sich die besten Teams gegenüber stehen. Eine Chefjury aus Politik, Wirtschaft und Kultur kürt dort die beste Rede. Der VDCH organisiert im Laufe einer Saison acht Turniere. Diese bestehen aus vier Campus-Debatten, drei Regionalmeisterschaften und der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft.

Von Anja Semonjek

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